Penis bricht häufiger an Weihnachten

Weihnachten, das Fest der Liebe, der Besinnung – und häufigerer Penisfrakturen. Foto: Vasyl – stock.adobe.com

Wenn jeden Tag Weihnachten wäre, gäbe es in Deutschland 43 Prozent mehr Penisfrakturen. Denn das Risiko für diesen urologischen Notfall ist an den Weihnachtstagen höher. Das fanden Urologen des Universitätsklinikums München heraus.

Nikolaos Pyrgidis von der Urologischen Klinik und Poliklinik und seine Kollegen wollten untersuchen, wie sie im Fachjournal “BJU International” berichten, “ob Weihnachten aufgrund der Weihnachtsstimmung, die mit der Intimität und Euphorie dieser fröhlichen Feiertage einhergeht, ein Risikofaktor für Penisfrakturen sein könnte”. Dazu haben sie die Inzidenz von Penisfrakturen an Weihnachten und Silvester anhand der GeRmAn Nationwide Inpatient Data (GRAND) des Forschungsdatenzentrums des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden ausgewertet. Darüber hinaus haben siedie Auswirkungen von COVID-19 und des Lockdowns auf Penisfrakturen und deren Saisonalität untersucht.

Insgesamt 3421 Patienten mit einem mittleren Alter von 42 Jahren  (Interquartilbereich: 32–51) erlitten zwischen 2005 und 2021 eine Penisfraktur, die einen Krankenhausaufenthalt erforderlich machte. Innerhalb von 51 Weihnachtstagen (jedes Jahr vom 24.12. bis 26.12.) traten 40 (1,2%) Penisfrakturen auf . Die tägliche Inzidenz von Penisfrakturen zu Weihnachten betrug 0,78 mit einem Inzidenzratenverhältnis (IRR) von 1,43 (95%-Konfidenzintervall [KI] 1,05–1,95, p=0,02). Das bedeutet, wie die Forscher vorrechnen: “Wenn jeder Tag wie Weihnachten wäre, wären in Deutschland seit 2005 43% mehr Penisfrakturen aufgetreten.” Interessanterweise kam es in den Silvesternächten (31.12.-01.02. 2005-2021) nur zu 28 (0,82%) Penisfrakturen. Dies führte zu einem IRR von 0,98 (95%-KI 0,69–1,5; p=0,98). Die meisten Patienten mit Penisfrakturen wurden am Wochenende ins Krankenhaus eingeliefert (n=1.322; IRR 1,58; 95%-KI 1,48–1,69; p<0,001).

Dass nicht die Weihnachtszeit allein ausschlaggebend ist, zeigt die Tatsache, dass auch der Sommer mit mehr Penisfrakturen verbunden war (n=929; IRR 1,11; 95 %-KI 1,03–1,19; p=0,008). Die eher unangenehmen Zeiten der COVID-19-Pandemie (n=385; IRR 1,06; 95%-KI 0,95–1,18; p=0,29) und des staatlich verordneten Lockdowns (n= 93; IRR 1,00; 95%-KI 0,82–1,23; p=0,96) gingen nicht mit erhöhten Inzidenzen der Penisfraktur einher.

“Die Inzidenz von Penisfrakturen weist eine Saisonalität auf”, resümieren Pyrgidis und Kollegen. Sie betonen, dass es sich nur um eine hypothesengenerierende Arbeit handelt, die keine Aussagen über Kausalitäten zulässt. Ob die Häufung der Penisfrakturen schlicht an häufigerem Geschlechtsverkehr, üppigem Essen oder religiöser Besinnung liegt, bleibt offen.

Insgesamt ist die Penisfraktur ein seltener Notfall, auch an den Festtagen. In Anlehnung an einen beliebten Weihnachts-Hit geloben die Münchner Urologen trotzdem, vorsichtig zu sein: “Letzte Weihnachten kam es häufiger zu Penisfrakturen. Um uns vor Tränen zu bewahren, werden wir dieses Jahr NICHTS Besonderes machen.”

(ms)