Peri- und postnatale Depressionen verhindern20. Juni 2019 © tiagozr – fotolia.com Depressionen treten während und kurz nach der Schwangerschaft häufig auf und können die Bindung zwischen Mutter und Kind nachhaltig prägen. In einem systematischen Review der US Preventive Services Task Force unter Leitung von Dr. Elizabeth O’Connor, Kaiser Permanente in Portland, gingen Forscher der Frage nach, ob bestimmte Interventionen solche Depressionen verhindern können. Hierzu sichteten sie die Datenbanken von Medline, Pubmed, PsychInfo sowie Cochrane und schlossen Publikationen bis Dezember 2018 ein. Berücksichtigt wurden randomisiert kontrollierte Studien (RCT) sowie nicht randomisierte kontrollierte Interventionsstudien, die perinatale Depressionen in der allgemeinen Bevölkerung sowie bei jenen mit erhöhtem Risiko untersuchten. Ausgewertet wurden depressive Symptome, Status der Depression sowie die maternalen, neonatalen und pädiatrischen Outcomes bezüglich ihrer Gesundheit. Insgesamt 50 Studien mit 22.385 Schwangeren kamen für den Review infrage. Am häufigsten wurden Frauen beraten. Verglichen mit Kontrollen führte eine solche Beratung zu einer niedrigeren Wahrscheinlichkeit für eine perinatale Depression (gepooltes Risikoverhältnis [RR] 0,61; 95%-KI 0,47–0,78; 17 RCT mit n=3094; I2=39,0%). Interventionen im Rahmen des Gesundheitssystems zeigten in 3 Studien (n=5321) einen Nutzen, mit einer gepoolten Effektgröße ähnlich zu Beratungen. Allerdings war der gepoolte Effekt nicht statistisch signifikant (eingeschränktes maximales Wahrscheinlichkeits-RR 0,58; 95%-KI 0,22–1,53; n=4738; I2=66,3%). Keiner der verhaltensbasierten Interventionen berichteten direkt über mögliche negative Effekte, so die Studienautoren. Hinsichtlich Antidepressiva erkrankten weniger Frauen unter Sertalin als unter Placebo erneut an Depressionen (7% vs. 50%; p=0,04) 20 Wochen nach Entbindung. Allerdings habe es sich hier um eine sehr kleine RCT gehandelt und es ist ein erhöhtes Risiko für Nebenwirkungen bei der Mutter festgestellt worden. Fazit Beratungseingriffe können bei der Prävention von Perinataldepressionen wirksam sein, obwohl die meisten Beweise auf Frauen mit erhöhtem Risiko für Perinataldepression beschränkt waren. Andere Interventionen lieferten zwar Hinweise auf eine gewisse Wirksamkeit, doch hierzu seien die Zahlen nicht aussagekräftig genug gewesen, so O’Connor und ihre Kollegen abschließend. (bs) Autoren: O’Connor E et al. Korrespondenz: Dr. Elizabeth O’Connor; [email protected] Studie: Interventions to Prevent Perinatal Depression: Evidence Report and Systematic Review for the US Preventive Services Task Force Quelle: JAMA 2019;321(6):588–601. Web: https://doi.org/10.1001/jama.2018.20865