Perinatale Depression mit erhöhter Säuglingssterblichkeit verbunden

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Forschende der Rutgers University (USA) untersuchten mehr als 414.000 Geburten in New Jersey und stellten einen konsistenten Zusammenhang zwischen perinatalen Depressionen der Mutter und der Säuglingssterblichkeit fest.

Die in „JAMA Network Open“ veröffentlichte Studie verknüpfte Geburtsdaten aus New Jersey aus den Jahren 2016 bis 2020 mit Daten zu Säuglingssterbefällen bis 2021. Die Forschenden ermittelten eine Säuglingssterblichkeitsrate von 7,2 Todesfällen pro 1.000 Geburten bei Säuglingen, deren Mütter depressive Symptome angaben. Bei Säuglingen, deren Mütter keine solchen Symptome berichteten, lag die Rate bei 2,0 Todesfällen pro 1.000 Geburten.

Sterberisiko im ersten Lebensjahr fast dreifach erhöht

Nach Berücksichtigung demografischer und sozioökonomischer Faktoren bei Mutter und Kind hatten Säuglinge von Müttern mit depressiven Symptomen ein fast dreifach höheres Risiko, innerhalb des ersten Lebensjahres zu sterben, als Säuglinge von Müttern ohne depressive Symptome. Das adjustierte relative Risiko lag bei 2,89 (95%-KI 2,36–3,54). Der Zusammenhang zeigte sich auch bei einer getrennten Betrachtung nach Rasse und ethnischer Zugehörigkeit, Bildungsstand und Versicherungsstatus der Mütter sowie nach Frühgeburtlichkeit.

„Uns fiel besonders auf, wie konsistent dieses Muster war“, berichtet Erstautorin Dr. Rebecca Woofter. „Wir stellten einen Zusammenhang zwischen depressiven Symptomen der Mutter und der Säuglingssterblichkeit bei vielen verschiedenen Gruppen von Müttern und Säuglingen fest. Diese Ergebnisse bedeuten nicht, dass Depressionen der Mutter die Todesfälle bei Säuglingen verursachen; sie zeigen uns jedoch, dass hier ein wichtiger Zusammenhang besteht, den wir noch viel besser verstehen müssen.“

Universelles Screening auf depressive Symptome

New Jersey bot einen geeigneten Rahmen für die Untersuchung, da Krankenhäuser in diesem Bundesstaat verpflichtet sind, Patientinnen nach der Entbindung und vor der Entlassung auf depressive Symptome zu untersuchen. Das Screening erfolgt mithilfe der „Edinburgh Postnatal Depression Scale“ (EPDS), einem weit verbreiteten Fragebogen zur Erfassung depressiver Symptome bei Schwangeren und Frauen nach der Entbindung. Die Ergebnisse des Screenings werden in der Geburtsakte des Kindes dokumentiert.

Dank des in New Jersey vorgeschriebenen Screenings waren die Forschenden nicht auf klinische Diagnosen einer Depression angewiesen. Dies ist nach Ansicht der Forschenden von Bedeutung, da bei vielen Menschen mit depressiven Symptomen niemals offiziell eine Diagnose gestellt wird.

Zusammenhang mit mehreren Todesursachen

Zudem untersuchten die Forschenden die häufigsten Todesursachen bei Säuglingen in New Jersey. Depressive Symptome bei Müttern waren mit einem höheren Risiko für Säuglingstode im Zusammenhang mit Frühgeburtlichkeit, perinatalen Erkrankungen, angeborenen Fehlbildungen und Chromosomenanomalien sowie dem plötzlichen Säuglingstod verbunden.

Genaue Ursachen für den Zusammenhang sind bislang nicht bekannt.

Depressionen bei Müttern wurden bereits früher mit ungünstigen Geburtsergebnissen sowie Veränderungen des Gesundheitsverhaltens und der Inanspruchnahme medizinischer Leistungen in Verbindung gebracht. Zudem stehen Depressionen in engem Zusammenhang mit sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen, die die den Familien zur Verfügung stehenden Ressourcen beeinflussen können. In manchen Fällen kann der Zusammenhang auch in die umgekehrte Richtung verlaufen: Eine Mutter, die erfährt, dass ihr Neugeborenes an einer schweren Erkrankung leidet, kann infolgedessen depressive Symptome entwickeln.

Die Forschenden betonen, dass die neue Studie einen Zusammenhang zeigt, aber nicht belegen kann, dass depressive Symptome bei der Mutter die Ursache für die Säuglingssterblichkeit sind. Obwohl eine Vielzahl von Merkmalen der Mutter und des Kindes berücksichtigt wurde, könnten auch andere, nicht erfasste Faktoren zu den Ergebnissen beigetragen haben.

Screening allein reicht nicht aus

Dennoch unterstreichen die Ergebnisse die Bedeutung der psychischen Gesundheit der Mutter für die Gesundheit von Säuglingen. „Diese Studie verdeutlicht den Zusammenhang zwischen der Gesundheit von Mutter und Kind sowie die Notwendigkeit einer kontinuierlichen medizinischen Betreuung für beide nach der Entbindung“, so Woofter.

Die Studie weist zudem auf Lücken zwischen dem Screening auf Depressionen und der anschließenden Versorgung hin. Obwohl medizinische Fachgesellschaften – darunter das American College of Obstetricians and Gynecologists – ein Screening auf Depressionen im perinatalen Zeitraum empfehlen, unterscheiden sich die Screeningpraktiken. Selbst wenn depressive Symptome erkannt werden, führt das Screening nicht zwangsläufig zu einer Diagnose, einer Weitervermittlung in die Versorgung oder einer Behandlung.

„Ein Screening liefert uns Informationen zu einem Zeitpunkt, an dem sich fast jede Mutter noch im Krankenhaus befindet“, erklärt Studienleiterin Prof. Slawa Rokicki. „Doch das Erkennen von Symptomen ist nur der erste Schritt. Ein Screening an sich ist noch keine Behandlung. Es muss durch geeignete Weitervermittlung und den Zugang zu einer angemessenen Behandlung ergänzt werden.“

(lj/BIERMANN)