Peritonealkarzinose nach risikomindernder Salpingo-Oophorektomie: Pathogene BRCA1/2-Variante erhöht das Risiko stark21. September 2022 NIJMEGEN (Biermann) – Erstautorin Miranda Steenbeek vom Radboud University Medical Center (Niederlande) und ihre Kollegen führten eine systematische Überprüfung und Metaanalyse individueller Patientinnendaten zur Peritonealkarzinose (PK) nach risikomindernder Salpingo-Oophorektomie (RRSO) durch. Sie fanden heraus, dass Trägerinnen pathogener BRCA-Varianten, die bei der RRSO ein seröses tubares intraepitheliales Karzinom (STIC) hatten, ein stark erhöhtes Risiko aufweisen, zukünftig eine PK zu entwickeln. Das Risiko nimmt den Autoren zufolge sogar im Laufe der Zeit noch zu. Das Forschungsteam weist allerdings auch darauf hin, dass die aktuell vorliegenden Daten noch durch eine geringe Anzahl von Ereignissen begrenzt werden. Es war bereits bekannt, dass Trägerinnen der pathogenen BRCA1/2-Variante nach einer RRSO ein Restrisiko haben, eine PK zu entwickeln. Die Ätiologie der PK war zwar noch nicht geklärt, könnte aber mit dem STIC zusammenhängen, das als Ursprung für hochgradigen serösen Krebs postuliert wird. In ihrer Studie untersuchten die Forschenden daher das PK-Risiko bei Frauen mit und ohne STIC. In die Analyse flossen mit Datenschnitt September 2020 Daten aus 3 Zentren (unveröffentlicht) und Online-Bibliotheken (EMBASE, MEDLINE und Cochrane) ein. Alle eingeschlossenen Frauen hatten die pathogene BRCA-Variante und bei der RRSO entweder ein STIC oder nicht. Das primäre Ergebnis waren die HR für das PK-Risiko zwischen den Patientinnen mit und ohne STIC und die entsprechenden 5- und 10-Jahres-Risiken. Die Primäranalyse basierte auf einer 1-stufigen Cox-Proportional-Hazards-Regression mit einem Frailty-Term für die Untersuchung. Die Wissenschaftler konnten individuelle Patientinnendaten (N=3121, davon mit STIC N=115) aus 17 Studien identifizieren. Die geschätzte HR für die Entwicklung einer PK betrug während der Nachbeobachtung bei Frauen mit im Vergleich zu denen ohne STIC 33,9 (95 %-KI 15,6–73,9; P<0,001). Bei Frauen mit STIC lag das 5- bzw. 10-Jahres-PK-Risiko bei 10,5 % (95 %-KI 6,2–17,2) bzw. 27,5 % (95 %-KI 15,6–43,9) und bei Frauen ohne STIC bei 0,3 % (95 %-KI 0,2–0,6) bzw. 0,9 % (95 %-KI 0,6–1,4). (sh) Autoren: Steenbeek MP et al.Korrespondenz: [email protected]Studie: Risk of Peritoneal Carcinomatosis After Risk-Reducing Salpingo-Oophorectomy: A Systematic Review and Individual Patient Data Meta-AnalysisQuelle: J Clin Oncol 2022;40(17):1879–1891. Web: www.doi.org/10.1200/JCO.21.02016