Perkutane Koronarintervention: Migrationsstatus ohne Nachteil in der Behandlung und Rehabilitation7. März 2022 Foto: ©Elnur – stock.adobe.com Die Auswertung der Daten eines Schweizer Registers für perkutane Koronarinterventionen konnte zeigen, dass untervertretene Gruppen bei der Behandlung und Rehabilitation von Koronarerkrankungen nicht benachteiligt sind. Jedoch sind ältere Personen und Frauen in ambulanten Rehabilitationsprogrammen unterrepräsentiert. In Forschungsarbeiten zu kardiologischen Studien sind bestimmte Gruppen generell wenig vertreten. Das sind insbesondere Personen mit Migrationsstatus, Frauen und ältere Menschen. Die Untervertretung in Studien könnte zur Folge haben, dass auch die Behandlungsergebnisse in diesen Gruppen langfristig weniger gut sind als in der Gesamtpopulation. Die Studie eines Forschungsteams aus dem Inselspital, Universitätsspital Bern und der Universität Bern untersuchte aktuell, ob es einen statistischen Zusammenhang zwischen unterrepräsentierten Gruppen und der Sterblichkeit in der Behandlung und Rehabilitation von Koronarerkrankungen gibt. Das Alter macht den Unterschied Entgegen der ursprünglichen Vermutung macht demnach einzig das Alter einen statistisch signifikanten Unterschied bei der Sterblichkeit nach schwerwiegenden Herz-Kreislauf-Ereignissen. Dazu hält Erstautorin Dr. Nathalia Gonzalez-Jaramillo, Doktorandin am Institut für Sozial- und Präventivmedizin (ISPM) der Universität Bern, fest: „Das Geschlecht und der Migrationsstatus zeigen keinen signifikanten Zusammenhang mit der Sterblichkeit. Diese Ergebnisse wurden in der Schweiz, einem Land mit einer gut erreichbaren medizinischen Versorgung sowie einer guten Krankenversicherung erhoben. Eine Übertragbarkeit in andere Länder ist deshalb nicht ohne Weiteres gegeben.“ Umfangreiche Studie Die Studie untersuchte mehr als 15.000 Patientinnen und Patienten, die in den Jahren 2009 bis 2018 eine Intervention an ihren Herzkranzgefäßen erhalten hatten und im CARDIOBASE-Bern-PCI-Register eingeschlossen wurden. Die Hypothese war, dass es eine statistisch relevante Beziehung geben könnte zwischen untervertretenen Gruppen und a) der Sterblichkeit nach schwerwiegenden Herz-Kreislauf-Ereignissen sowie b) der Wirksamkeit einer Teilnahme an einem Herz-Kreislauf-Rehabilitationsprogramm. Migrationsstatus ist kein Nachteil Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler konnten nachweisen, dass Menschen mit einem Migrationsstatus nicht weniger zu ambulanten Rehabilitationsprogrammen zugewiesen wurden als die Referenzgruppe. Prof. Matthias Wilhelm, Studienleiter und Leiter Präventive Kardiologie und Sportmedizin am Inselspital Bern, bemerkt dazu: „Erfreulich war, dass Migrantinnen und Migranten bezüglich Akutbehandlung, Teilnahme an der kardialen Rehabilitation und hinsichtlich Behandlungsergebnis nicht benachteiligt waren.“ Frauen und ältere Personen machen bei Reha-Maßnahmen weniger mit Ein überraschendes Ergebnis war hingegen, dass Frauen und ältere Personen eine geringere Beteiligung an Rehabilitationsprogrammen zeigten. Diese Beobachtung wird von den Autorinnen und Autoren als wichtig erachtet. Sie weisen darauf hin, dass in der klinischen Praxis hier noch ein Bedarf an mehr Sensibilisierung besteht. Dies ist umso wichtiger, als der positive Effekt der Teilnahme an diesen Programmen auf die Gesamt- und Herz-Kreislauf-Sterblichkeit in allen Gruppen deutlich war. Niederschwellige Angebote ausbauen Die Universitätsklinik für Kardiologie am Inselspital verfügt eigenen Angaben zufolge über langjährige Erfahrung mit der Sensibilisierung und der Motivation von Patientinnen und Patienten in Rehabilitationsprogrammen. Die Studie zeigt, dass trotz dieser Bemühungen nur zirka ein Drittel aller geeigneter Patientinnen und Patienten an den bestehenden ambulanten Programmen teilnimmt. Daraus folgern die Berner Forschenden, dass bestehende Angebote die Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten noch stärker berücksichtigen müssten und niederschwelligere Alternativen wie die Telerehabilitation ausgebaut werden sollten. Studienleiter Wilhelm erläutert: „Wir haben als ‹Hospital for Equity› über Jahre daran gearbeitet, dass Menschen aus verschiedenen sozioökonomischen Verhältnissen und unterschiedlichen Kulturen bei uns genau die gleiche Behandlung erhalten, wie alle anderen auch. Das Ergebnis bestärkt uns in unserer Haltung. Künftig werden wir noch mehr auf individualisierte Lösungen hinarbeiten und die Möglichkeiten von Telemedizin und Mobile Health (mHealth), die aktuell schon eingesetzt werden, weiterentwickeln.“
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