Persönlichkeit von Rhesusaffen wirkt auf Glück und Wohlbefinden3. Mai 2021 Rhesusaffe, Foto: © pixabay/R. Ross, bereitgestellt durch Vetmeduni Vienna Beim Menschen ist durch Studien belegt, dass individuelle Persönlichkeitsmerkmale mit dem eigenen Glück und Wohlbefinden in Verbindung stehen. Doch wie sieht dies bei Tieren aus? Ein internationales Wissenschaftsteam unter Leitung der Vetmeduni Vienna ging dieser Frage nun anhand von Makaken (Macaca mulatta, Rhesusaffen) nach. Die in „Applied Animal Behaviour Science“ erschienene Studie zeigt, dass auch bei Rhesusaffen ein direkter Zusammenhang zwischen Wohlbefinden und individuellen Persönlichkeitsmerkmalen besteht. Weiters unterstreicht die Forschungsarbeit, dass die Bewertung von Verhaltenszuständen durch Beobachtung ein valides Instrument ist, um das Wohlbefinden von Primaten zu beurteilen – eine auch aus Kostenaspekten wichtige Erkenntnis für den Tierschutz. In ihrer Studie untersuchten die WissenschafterInnen anhand von 44 im California National Primate Research Center lebenden Rhesusaffen, inwieweit das individuelle Wohlbefinden eines Tieres mit individuellen Unterschieden in der Persönlichkeit zusammenhängt. Dazu verwendeten die ForscherInnen einen 16-Punkte-Erhebungsbogen zum Wohlbefinden, einen 4-Punkte-Erhebungsbogen zum subjektiven Wohlbefinden und einen 54-Punkte-Erhebungsbogen zur Persönlichkeit, wobei Letzterer dazu verwendet wurde, um die Stellung der Makaken in sechs – bereits in einer früheren Studie identifizierten – Persönlichkeitsbereichen zu definieren: Vertrauen, Offenheit, Dominanz, Freundlichkeit, Aktivität und Angst. Mittels Focal Animal Sampling („Fokus-Tier-Methode“), einer Beobachtungsmethode der Verhaltensforschung, bei der Aktionen und Interaktionen eines Tieres („Fokus-Tier“) erfasst werden, gelang es den WissenschafterInnen, Maßgrößen für das Verhalten zu gewinnen. „Wir fanden Hinweise auf eine Übereinstimmung für alle Dimensionen des Wohlbefindens, alle bis auf einen Punkt aus dem Erhebungsbogen zum subjektiven Wohlbefinden und alle bis auf vier Punkte aus dem Erhebungsbogen zur Persönlichkeit“, so Erstautorin Lauren M. Robinson vom Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung der Vetmeduni Vienna. Tierschutz: Beobachterbewertungen sind eine valide Methode Mithilfe der Hauptkomponentenanalyse – ein Verfahren der multivariaten Statistik, das dazu dient, umfangreiche Datensätze zu strukturieren, zu vereinfachen und zu veranschaulichen – zeigte sich, dass sich die Ergebnisse zum Wohlbefinden und zum subjektiven Wohlbefinden auf eine einzelne Komponente reduzieren ließen. Makaken, die in dieser Hinsicht eine höhere Bewertung hatten, erfuhren weniger Aggressionen und zeigten ein geringeres Maß an sogenannten Übersprungbewegungen wie z. B. Kratzen und wurden hinsichtlich Vertrauen, Offenheit, Dominanz und Freundlichkeit höher eingestuft. Kostengünstige und vergleichsweise einfache Untersuchungsmethode „Die Ergebnisse unserer Studie stimmen mit Berichten über Schimpansen und braune Kapuzineraffen überein und sind ein weiterer Beleg dafür, dass Beobachterbewertungen auf objektiv beobachtbaren Verhaltenszuständen beruhen, was darauf hindeutet, dass Beobachterbewertungen eine psychometrisch gültige Methode zur Beurteilung des Wohlbefindens von Primaten darstellen“, betont Robinson. Diese Erkenntnis ist deshalb von Bedeutung, da Beobachterbewertungen eine Methode mit vergleichsweise geringem Aufwand und geringen Kosten sind. Allerdings werden Beobachterbewertungen im Tierschutz erst seit wenigen Jahren eingesetzt, weshalb die nun belegte Validität dieser Untersuchungsmethode eine wichtige Bestätigung für ihren Nutzen ist. Je mehr darüber bekannt ist, wie sich Unterschiede in der Persönlichkeit von Tieren auf deren Wohlbefinden und Wohlergehen auswirken, umso besser kann die Pflege auf individuelle Bedürfnisse angepasst und ihre Lebensqualität verbessert werden. Der Artikel „Happiness, welfare, and personality in rhesus macaques (Macaca mulatta)“ von Lauren M. Robinson, Natalie K. Waran, Ian Handel, Matthew C. Leach wurde in „Applied Animal Behaviour Science“ veröffentlicht.
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