Personalisierte Therapie für Patienten mit bösartigen Hirntumoren10. Dezember 2018 Foto: © thingamajiggs – Fotolia.com Zwei Jahre nach Einführung des Molekularen Tumor Boards (MTB) am Universitätsklinikum Tübingen ziehen die Verantwortlichen nun eine positive Bilanz. Spezialisten verschiedener Fachbereiche fahnden gemeinsam nach individuellen Therapien. Hochtechnisierte Verfahren analysieren molekulare Veränderungen in Krebszellen. Eigenen Angaben nach verzeichnet das MTB zwei Jahre nach seiner Einführung eine starke Frequentierung von Patientinnen und Patienten mit Hirntumoren. „Durch die interdisziplinäre Arbeit im MTB haben wir die Möglichkeit, für unsere Patientinnen und Patienten zielgerichtete individualisierte Therapieformen zu entwickeln“, sagt Prof. Ghazaleh Tabatabai, Leiterin der Sektion Neuroonkologie am Universitätsklinikum Tübingen und am Hertie-Institut für klinische Hirnforschung (HIH). Die Neuroonkologin hat das MTB 2016 mitbegründet. Das MTB ist ein Zusammenschluss zwischen dem Comprehensive Cancer Center (CCC) Tübingen-Stuttgart und dem Zentrum für Personalisierte Medizin (ZPM) der Universität Tübingen. Ihre ärztlichen und nicht-ärztlichen Spezialisten verschiedener Disziplinen (darunter auch Bioinformatiker, Genetiker, Naturwissenschaftler) treffen sich wöchentlich, um gemeinsam nach einer individuell auf den Patienten zugeschnittenen Therapie zu fahnden. Dabei liegt der Schwerpunkt auf den molekularen Charakteristika der Tumoren. Das MTB ist deutschlandweit eine noch junge spezialisierte Form der Tumor Boards, die in den großen spezialisierten Zentren abgehalten werden. „Manche Patienten zeigen eine Stabilisierung“ „Jeder Tumor ist einzigartig wie der Mensch, aber die molekular-genetischen Veränderungen in den Krebszellen können wir mithilfe von hochtechnisierten Verfahren heutzutage noch detaillierter aufschlüsseln und verstehen“, sagt Tabatabai. „Mit diesem Wissen eröffnen sich neue Behandlungskonzepte.“ Pro Woche würden im MTB bis zu 20 neue Patientengeschichten besprochen, etwa 75 Prozent der Betroffenen bekämen eine Therapieempfehlung. Viele Hirntumor-Patienten, denen eine Standardtherapie nicht mehr hilft, oder für die keine klinische Studie verfügbar ist, kommen für die Vorstellung im MTB in Frage. Welche Erfolge durch den Einsatz des MTB zu verzeichnen sind, wird in Tübingen nun im Rahmen von Forschungsprojekten untersucht. Tabatabai erläutert: „Ich kann bereits sagen, dass wir auch einzelne Hirntumorpatienten haben, bei denen die Therapieempfehlung des MTB zu einer überraschenden Stabilisierung geführt hat, wenn man deren Ausgangssituation annimmt. Ehrlichweise muss ich aber auch sagen, dass wir niemanden geheilt haben. Wir begreifen das MTB daher als ständig lernendes System.“
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