PET/CT ermöglicht eine schonendere Brustkrebs-Therapie16. Mai 2024 Foto: © Siam/stock.adobe.com Wie eine in der Fachzeitschrift „Lancet“ publizierte Studie zeigt, könnte bei Brustkrebs-Patienten auf die besonders belastende Chemotherapie öfter verzichtet werden, wenn der Erfolg einer vorgeschalteten Antikörpertherapie mittels PET/CT-Bildgebung kontrolliert würde. Der Berufsverband Deutscher Nuklearmediziner e.V. (BDN) betont die Bedeutung dieser Studie und plädiert dafür, die PET/CT-Diagnostik in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherungen aufzunehmen. An der Lancet-Studie (PHERGain) nahmen an 45 Kliniken in 7 europäischen Ländern insgesamt 356 Brustkrebs-Patientinnen teil. Alle Frauen hatten einen neu diagnostizierten, in einem frühen Stadium befindlichen Brustkrebs, der positiv auf den Oberflächenrezeptor HER2 getestet worden war. Bei solchen als HER2-positiv bezeichneten Tumoren hängt das Krebswachstum zu einem großen Teil von der Aktivierung dieses Rezeptors ab. Daher kann eine Therapie mit Antikörpern, die an HER2 binden und es blockieren, das Tumorwachstum in vielen Fällen effektiv unterdrücken. Außerdem bringen die an die Krebszellen angehefteten Antikörper auch das Immunsystem gegen den Tumor in Stellung, sodass die Krebsherde in einigen Fällen sogar ganz verschwinden. An diesem Punkt setzte die PHERGain-Studie an. Die beteiligten Forscher verglichen PET/CT-Aufnahmen von vor Beginn der Antikörpertherapie mit Aufnahmen, die nach den ersten zwei Therapiezyklen – also nach etwa 6 Wochen – angefertigt worden waren. Für die nuklearmedizinische Bildgebung wurde den Patientinnen intravenös 18F-Fluordesoxyglukose verabreicht, ein schwach radioaktiv markiertes Zuckermolekül, das sich in stoffwechselaktivem Gewebe anreichert. „So lassen sich Krebsherde bei der nachfolgenden PET/CT-Diagnostik sehr sensitiv nachweisen und ihr Ansprechen auf die Therapie bestimmen“, erläutert Professor Detlef Moka, Vorsitzender des BDN. Keine Nachteile durch kontrollierten Verzicht auf Chemotherapie In der aktuellen Studie wurde bei denjenigen Patientinnen, die gut auf die Antikörpertherapie angesprochen hatten, auch im weiteren Verlauf auf eine Chemotherapie verzichtet. Das war bei 80 Prozent der Teilnehmerinnen der Fall. Die anderen 20 Prozent der Patientinnen, bei denen der Tumor im PET/CT nicht um mindestens 40 Prozent an Zuckerumsatz verloren hatte, wurden fortan zusätzlich auch chemotherapeutisch behandelt. In beiden Gruppen wurde der Rest-Tumor nach weiteren sechs medikamentösen Therapiezyklen operativ entfernt – ebenso wie bei einer dritten Gruppe, die von Anfang an mit einer Kombination von Antikörpern und Chemotherapie behandelt worden war. Die Operation stellte dann einen weiteren Scheidepunkt dar: Frauen, deren Tumor komplett verschwunden war, wurden weiterhin Chemotherapie-frei behandelt, wohingegen Frauen, bei denen noch Tumorgewebe nachweisbar war, eine ergänzende Chemotherapie erhielten. Im weiteren Verlauf zeigte sich, dass der kontrollierte Verzicht auf die Chemotherapie für die Frauen keine Nachteile mit sich brachte: Die 3-Jahres-Überlebensrate der Patientinnen, die von vornherein chemotherapeutisch behandelt wurden, war identisch mit der Überlebensrate derjenigen Patientinnen, bei denen zunächst der PET/CT-Scan abgewartet und dann individuell über eine Chemotherapie entschieden worden war. Das erkrankungsfreie Überleben war sowohl in der Gruppe mit PET/CT-gesteuerter Therapiereduktion als auch in der Gruppe mit der bisherigen Standard-Chemotherapie exzellent.
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