Pharmakologische Therapien bei Patienten mit COPD-Exazerbationen15. Juli 2020 © RFBSIP – stock.adobe.com (Symbolbild) Eine US-amerikanische Arbeitsgruppe hat in einer aktuellen Arbeit Wirksamkeit und unerwünschte Ereignisse (UE) pharmakologischer Interventionen bei Patienten mit COPD-Exazerbation verglichen. Dafür analysierten sie Daten aus 68 RCT, die bis zum 02.01.2019 publiziert worden waren und in die Patienten mit COPD-Exazerbation in ambulanter oder stationärer – aber nicht intensivmedizinischer – Behandlung eingeschlossen waren. In allen ausgewählten Studien wurden pharmakologische Therapien mit Placebo, „üblicher Versorgung“ oder anderen pharmakologischen Interventionen verglichen. Im Vergleich zu Placebo oder einem Management ohne Antibiotika waren Antibiotika, die 3–14 Tage lang verabreicht wurden, am Ende der Intervention mit einer erhöhten Exazerbationsauflösung verbunden (OR 2,03; 95%-KI 1,47–2,80]; mäßige Evidenzstärke [SOE]) sowie mit weniger Therapieversagen am Ende der Intervention (OR 0,54; 95%-KI 0,34–0,86]; mäßige SOE), unabhängig von der Schwere der Exazerbationen sowohl bei ambulanten als auch bei stationären Patienten. Im Vergleich zu Placebo bei ambulanten und stationären Patienten waren systemische Corticosteroide, die 9–56 Tage lang verabreicht wurden, am Ende der Intervention mit einem geringeren Therapieversagen assoziiert (OR 0,01; 95%-KI 0,00–0,13; geringe SOE), allerdings auch mit einer höheren Anzahl von UE insgesamt und solchen mit endokrinem Bezug. Im Vergleich zu Placebo oder der üblichen Versorgung bei stationären Patienten ergab sich für andere pharmakologische Interventionen (Aminophylline, Magnesiumsulfat, entzündungshemmende Mittel, ICS und kurzwirksame Bronchodilatatoren) keine ausreichende Evidenz. Es zeigten sich hier entweder keine oder keine eindeutigen Wirkungen (außer in Bezug auf mukolytisches Erdostein) oder Verbesserungen nur im Hinblick auf die Lungenfunktion. Als ein Faktor, der die Aussagekraft ihrer Analyse einschränkt, nennen die Wissenschaftler um Erstautorin Dr. Claudia C. Dobler von der Mayo Clinic in Rochester (USA), dass die Evidenzlage für viele Interventionen dünn sei. Bei einigen Studien war das Risiko für einen Bias hoch, bei anderen war es unklar. Bei manchen Untersuchungen seien zudem UE nur unzureichend dokumentiert worden. Dennoch fassen die Forscher zusammen, dass Antibiotika und systemische Corticosteroide bei Patienten mit leichten bis schweren COPD-Exazerbationen die Wahrscheinlichkeit für ein Therapieversagen senken. Fazit Im Vergleich zu Placebo sind Antibiotika und systemische Kortikosteroide bei der Behandlung Erwachsener mit leichten bis schweren COPD-Exazerbationen mit einem geringeren Therapieversagen assoziiert. (ac) Autoren: Dobler CC et al. Korrespondenz: Claudia C. Dobler; [email protected] Studie: Pharmacologic Therapies in Patients With Exacerbation of Chronic Obstructive Pulmonary Disease: A Systematic Review With Meta-analysis Quelle: Ann Intern Med 2020;172(6):413–422. Web: https://doi.org/10.7326/M19-3007