Pille beeinflusst Effektivität der Angsttherapie28. Oktober 2019 Armin Zlomuzica vom Bochumer Zentrum für Psychotherapie (© RUB, Kramer) Bei Spinnenangst und vielen anderen Phobien kann eine Konfrontationstherapie helfen. Wie wirksam diese ist, scheint auch davon abzuhängen, ob jemand hormonell verhütet. Wie sich die Einnahme von hormonellen Verhütungsmitteln auf die Effektivität einer Angsttherapie auswirkt, haben Psychologen der Ruhr-Universität Bochum untersucht. Sie zeigten, dass Frauen, die die Pille einnahmen, weniger von einer Konfrontationstherapie profitierten, als Frauen, die keine oralen Kontrazeptiva einnahmen. In die Studie schlossen die Forscherinnen und Forscher 28 Frauen ein, die hormonell verhüteten, und 26, die keine oralen Kontrazeptiva einnahmen. Alle litten unter Spinnenangst und nahmen an der gleichen Behandlung im Bochumer Zentrum für Psychotherapie teil. Subjektive und objektive Maße für Spinnenangst Die Forscher erhoben zum einen die Symptomschwere bei Teilnehmerinnen anhand von verschiedenen Spinnenangst-Fragebögen. Zum anderen absolvierten die Frauen den sogenannten Behavioural Approach Test. Dabei werden sie gebeten, sich einer Spinne in einem Terrarium so weit wie möglich anzunähern – der Abstand ist ein Maß für die Vermeidung des angstauslösenden Objekts.Die Tests fanden vor der Konfrontationstherapie, unmittelbar nach der Behandlung und sechs Wochen später noch einmal statt.Bei allen Teilnehmerinnen reduzierte sich die Symptomschwere durch die Therapie. Außerdem wagten sich alle Frauen nach der Behandlung näher an das Terrarium mit der Spinne heran als vor der Therapie. Allerdings ging die Symptomschwere sechs Wochen nach der Behandlung bei Frauen, die nicht hormonell verhüteten, stärker zurück als bei Frauen, die orale Kontrazeptiva einnahmen. Ohne hormonelle Verhütung profitierten die Patientinnen also mehr von der Konfrontationstherapie.Zentrale Lernprozesse beeinflusst “Ein Grund für diese Ergebnisse könnte sein, dass sich orale Kontrazeptiva nachteilig auf zentrale Lern- und Gedächtnisprozesse bei der Konfrontationsbehandlung auswirken”, sagte Armin Zlomuzica. Forscher vermuten, dass der Konfrontationsbehandlung das sogenannte Extinktionslernen zugrunde liegt, bei dem zuvor erlernte Assoziationen zwischen Reizen und Reaktionen verlernt werden.Tierexperimentelle Untersuchungen und Humanstudien anderer Forschungsgruppen hatten gezeigt, dass das Extinktionslernen durch die Gabe oraler Kontrazeptiva beeinträchtigt wird. Das könnte unter anderem an einem niedrigen Östradiolspiegel liegen, der durch die hormonelle Verhütungsmittel bedingt wird.“Der negative Einfluss oraler Kontrazeptiva auf den Therapieausgang war erst nach sechs Wochen beobachtbar. Unsere Ergebnisse zeigen, dass mögliche hormonelle Einflüsse im Rahmen psychotherapeutischer Behandlung beobachtet und berücksichtigt werden sollten”, folgert Zlomuzica. Es sei jedoch derzeit unklar, wie die Effekte oraler Kontrazeptiva auf der biologischen Ebene vermittelt werden. Originalveröffentlichung:Raeder F et al.: No pills, more skills: The adverse effect of hormonal contraceptive use on exposure therapy benefit. J Psychiatr Res 2019;119:95-101.
Mehr erfahren zu: "Depressionen im Alter mit geringerem Volumen in Teilen des Hippocampus verbunden" Depressionen im Alter mit geringerem Volumen in Teilen des Hippocampus verbunden Eine Studie mit mehr als 2.000 kognitiv gesunden älteren Erwachsenen ergab, dass Depressionen mit strukturellen Unterschieden in einem bestimmten Bereich des Hippocampus einhergingen – unabhängig von wesentlichen Risikofaktoren für die […]
Mehr erfahren zu: "Demenzprävention: Drei Risikofaktoren verkürzen die demenzfreie Lebenszeit" Demenzprävention: Drei Risikofaktoren verkürzen die demenzfreie Lebenszeit Die drei kardiovaskulären Risikofaktoren Bluthochdruck, Diabetes und Rauchen verkürzen die demenzfreie Lebenszeit deutlich. Eine Langzeitstudie zeigt, dass eine konsequente Demenzprävention bereits in der Lebensmitte mehrere zusätzliche Jahre ohne kognitive Einschränkungen […]
Mehr erfahren zu: "Potenzial von KI bei psychopathologischer Befunderhebung" Potenzial von KI bei psychopathologischer Befunderhebung Künstliche Intelligenz (KI) könnte künftig die psychopathologische Befunderhebung unterstützen: Eine Studie unter Federführung des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit zeigt, dass große Sprachmodelle psychopathologische Merkmale aus Interviewtranskripten ähnlich zuverlässig erfassen können […]