Pilotprojekt zur Prävention in Düsseldorf vorgestellt

In Düsseldorf startet ein Pilotprojekt, um Gewalt und Verwahrlosung von Kindern besser vorzubeugen. (Foto: © alisseja – Fotolia.com)

Gemeinsam mit dem Jugendamt der Landeshauptstadt und Trägern der Frühen Hilfen wollen Düsseldorfer Kinderärzte stärker der Gewalt und Verwahrlosung von Kindern vorbeugen.

Dazu haben die Projektbeteiligten ein Einlegeblatt mit Adressen entwickelt, die Eltern bei Kindeswohlgefährdung weiterhelfen können. Das Einlegeblatt wird künftig allen Vorsorgeheften beigelegt. Ärzte und Medizinische Fachangestellte werden eigens geschult, wie sie Eltern mit den Infos vertraut machen.

Hintergrund des Projekts

“Gewalt und Vernachlässigung von Kindern in Familien sind oft Symptom von Überforderung. Überforderung von außen zu erkennen und zu verhindern, bevor es überhaupt zu Gewalt und Vernachlässigung kommt, ist schwierig. Eltern schämen sich sehr oft, uns bei einer Früherkennungsuntersuchung oder einer normalen Ordination, ihre Überforderung zu schildern. Viele wissen nicht, dass es vorbeugende Hilfen gibt”, sagte Dr. Josef Kahl, Pressesprecher des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ).

“Wirksamer Kinderschutz gelingt, wenn Familien Unterstützung und Förderung erhalten und in schwierigen Lebenslagen und bei Krisen nicht allein gelassen werden”, ergänzte Stephan Siebenkotten-Dalhoff, Abteilungsleiter Soziale Dienste im Jugendamt Düsseldorf. “In Düsseldorf haben wir eine große Vielfalt von Beratungs-, Bildungs- und Hilfeangeboten für Kinder Jugendliche und Familien. Damit diese genutzt werden können, müssen Familien sie aber auch kennen und damit in Kontakt kommen.

“Die meisten Eltern wollen das Beste für ihr Kind und sie sind bereit, sich Unterstützung zu holen, wenn sie wissen, wo sie zu finden ist”, sagte Dr. Gabriele Komesker, ärztliche Leiterin der KinderschutzAmbulanz am EVK Düsseldorf. “Wir können und sollten Eltern in die Prävention von Gewalt einbinden, wo immer es möglich ist, d. h. wir müssen ihnen zeigen, wo sie Hilfe finden, bevor ihre Kinder leiden. Wir als KinderschutzAmbulanz am EVK machen tagtäglich die Erfahrung, dass mit wenig Aufwand viel für Kinder erreicht werden kann – gerade bei Babys und Kleinkindern reichen oft wenige Termine, um Gewalt und anderen Fehlentwicklungen vorzubeugen.”

Das Einlegeblatt wurde bisher in fünf Düsseldorfer Kinder- und Jugendarztpraxen getestet. Die Reaktion der Eltern ist noch nicht genau zu beurteilen, die Eltern sind aber überwiegend interessiert. Die Hochschule Düsseldorf, Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften, begleitet das Projekt wissenschaftlich. Ergebnisse werden Ende dieses Jahres erwartet.

Wie geht es weiter?

Die Anzahl der gedruckten Einklebeblätter war aus finanziellen Gründen zunächst begrenzt. Daher waren sie auch schnell vergriffen. Inzwischen haben die Düsseldorfer Kinder-und Jugendärzte einen Sponsor für den Druck von ca. 20.000 weiteren Exemplaren gefunden.

Kinder- und Jugendärztinnen und -ärzte aus benachbarten Städten haben bereits großes Interesse gezeigt und wollen Ähnliches in ihrer Region realisieren. Zeigt die Evaluation einen Erfolg, soll das Projekt bundesweit ausgerollt werden.