Pilze im Darm von IBS-Patienten

© Rosalie P. – fotolia.com

Das Reizdarmsyndrom (irritable bowel syndrome [IBS]) zeichnet sich u. a. durch eine viszerale Hypersensitivität aus. Bei der Aktivierung nozizeptischer sensorischer Kanäle spiele möglicherweise ein bakterielle Dysbiose eine Rolle, vermuteten die Autoren einer neuen Studie, doch gebe es bislang nur wenige Studien zum Anteil des Mykobioms (dem Pilz-Mikrobiom) an der Entwicklung eines IBS. Die Wissenschaftler verglichen daher das intestinale Mykobiom von 18 gesunden Freiwilligen und 39 IBS-Patienten und forschten an einem Rattenmodell für viszerale Hypersensitivität. Einige der IBS-Patienten in dieser Studie litten an einer viszeralen Hypersensitivität, andere nicht. Auch bei den untersuchten Long-Evans-Ratten war ein Teil hypersensitiv (vom Muttertier getrennt), der andere nicht. Die Forscher untersuchten, ob Pilze eine viszerale Hypersensitivität herbeiführen können, indem sie Ratten Fungiziden aussetzten.

Die funktionelle Relevanz des Mykobioms im Darm wurde durch Versuche mit Stuhltransplantationen bestätigt: Ratten wurden Water-Avoidance-Stress ausgesetzt, um eine viszerale Hypersensivität hervorzurufen, erhielten dann Fungizide und oral mittels einer Sonde Zäkuminhalt eines Spendertieres. Andere Ratten, die ebenfalls Water-Avoidance-Stress ausgesetzt wurden, erhielten lösliche Beta-Glucane oder lediglich das Vehikel.

Die Alpha-Diversität und die Mykobiom-Signatur beider Gruppen von IBS-Patienten unterschied sich von der der gesunden Probanden. Zudem beobachteten die Wissenschaftler Unterschiede in der Mykobiom-Signatur zwischen hypersensitiven und normal sensitiven Patienten. Außerdem wurde eine Dysbiose des Mykobioms bei den Ratten gesehen, die man von den Muttertieren getrennt hatte. Die Verabreichung von Fungiziden senkte bei den hypersensitiven Ratten die viszerale Hypersensitivität auf normale Sensitivitätslevel. Nach der Manipulation von Ratten, die man vom Muttertier getrennt hatte, mit Mykobiom aus dem Zäkum blieb deren Hypersensitivität gegenüber einer Überblähung erhalten. Die Verabreichung eines löslichen Beta-Glucans oder eines SYK-Inhibitors senkte im Vergleich zu den Kontrollen die viszerale Hypersensitivität.

Autoren: Botschuijver S et al.
Korrespondenz: Prof. René M. van den Wijngaard, Academic Medical Center, 105 BK Amsterdam, Niederlande; [email protected]
Studie: Intestinal Fungal Dysbiosis Is Associated With Visceral Hypersensitivity in Patients With Irritable Bowel Syndrome and Rats
Quelle: Gastroenterology 2017;153(4):1026–1039.
Web: www.gastrojournal.org