Pneumokokken-Pneumonie: In manchen Fällen eine Chance, Blutkrebs zu entdecken

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Schwere Pneumokokken-Erkrankungen, die einen Krankenhausaufenthalt erfordern – meist Pneumonien –, können laut Forschenden von der Universität Göteborg (Schweden) bei Erwachsenen ein Anzeichen für bisher unentdeckte Erkrankungen sein: für Blutkrebs und eine Immunschwäche.

In ihrer Studie hatten die Wissenschaftler 156 Personen nachbeobachtet, die zwischen 2018 und 2023 in der Region Västra Götaland (Schweden) eine invasive Pneumokokken-Erkrankung erlitten und stationär behandelt werden mussten. Die Patienten waren im Durchschnitt 70 Jahre alt.

Zur Beurteilung des Immunsystems der Patienten ermittelte man Antikörperspiegel und bewertete das Vorhandensein des M-Proteins. Dabei handelt es sich um einen Risikomarker für Blutkrebs, der bei Blutkrebs oder dessen Vorstufen vorkommen kann. Die Kontrollgruppe bestand aus 64 nach Alter und Geschlecht passenden Personen ohne invasive Pneumokokken-Erkrankung.

In der Gruppe mit Pneumokokken-Erkrankung wies jeder vierte Patient M-Protein im Blut auf. Die Untersuchungen führten zur Diagnose von Blutkrebs bei sieben Patienten, während bei zwölf weiteren eine Erkrankung diagnostiziert wurde, die in manchen Fällen zu Blutkrebs führen kann.

Routinemäßiges Screening sollte in Betracht gezogen werden

Bei acht Patienten stellte das Forscherteam eine Immunschwäche fest. Sieben von ihnen konnten eine vorbeugende Behandlung gegen neue, schwere Infektionen beginnen. Diese Befunde traten in der Kontrollgruppe deutlich seltener auf.

Die in der Zeitschrift „Scientific Reports“ veröffentlichten Ergebnisse legen nahe, dass ein Screening auf M-Protein und Antikörperspiegel bei Erwachsenen mit invasiver Pneumokokken-Erkrankung erwogen werden sollte, da die Erkrankung bisher unentdeckten Blutkrebs und eine Immunschwäche aufdecken kann. „Aktuell werden diese Tests nach einer schweren Pneumokokkeninfektion nicht routinemäßig durchgeführt“, sagt Tor Härnqvist, Doktorand an der Universität Göteborg und Facharzt für Infektionskrankheiten bei der NU Hospital Group. Er ist einer der Hauptautoren der Studie. „Dadurch übersehen wir möglicherweise Patienten mit unentdecktem Blutkrebs oder Immunschwäche und verpassen somit die Chance, eine Behandlung einzuleiten.“

Bedeutung individualisierter Impfungen

Karin Bergman ist Doktorandin in derselben Forschungsgruppe und Fachärztin für Infektionskrankheiten am Södra Älvsborg Hospital (Schweden) und beschäftigt sich mit diesem Thema in ihrer Dissertation. Darin zeigt sie auch, wie sich die Pneumokokkenbakterien, die schwere Erkrankungen verursachen, seit der Einführung der Pneumokokkenimpfung in das schwedische Kinderimpfprogramm verändert haben.

Die durch die Kinderimpfung abgedeckten Bakterienserotypen sind zwar stark zurückgegangen, wurden aber größtenteils durch andere Serotypen ersetzt, gegen die die Impfung keinen Schutz bietet. Ältere Erwachsene und Menschen mit Vorerkrankungen, insbesondere Krebs und einem geschwächten Immunsystem, sind häufig von diesen Serotypen betroffen.

„Die Ergebnisse zeigen, dass Empfehlungen zu Pneumokokkenimpfstoffen für Erwachsene berücksichtigen müssen, welche Impfstoffe bei Kindern eingesetzt werden und welche Bakterienserotypen anschließend in der Bevölkerung zirkulieren“, hält Bergman fest. (ac/BIERMANN)