Pollenallergie bei Angstpatienten häufiger20. September 2019 © rainbow33 – stock.adobe.com (Symbolbild) Saisonale Allergien gegen Gräser oder Baumpollen treten bei Menschen mit Angststörungen vermehrt auf, während Patienten mit Depressionen häufiger unter ganzjährigen Allergien wie etwa gegen Tierhaare leiden. Das hat ein Team der Technischen Universität München (TUM) erforscht. Nahrungsmittel- oder Medikamentenallergien werden von diesen beiden psychosozialen Erkrankungen dagegen nicht beeinflusst. Das Team befragte über 1700 Personen aus dem Raum Augsburg zu ihren Allergien. Hierbei unterschieden die Autoren zwischen ganzjährig auftretenden Allergien wie Hausstaub- oder Tierhaarallergien, saisonalen Allergien wie gegen Gräserpollen und anderen Allergien wie Nahrungsmittelallergien. Zudem beantworteten die Studienteilnehmer Fragen zu ihrem psychischen Zustand. Hierbei lag das Augenmerk auf Depressionen, generalisierten – das heißt den kompletten Alltag betreffenden – Angsterkrankungen und akutem mentalen Stress. Etwa ein Viertel der Befragten (27,4%) gab an, unter Allergien zu leiden; davon 7,7% an ganzjährigen, 6,1% an saisonalen und 13,6% an anderen Formen von allergischen Reaktionen. Es zeigte sich, dass Menschen, die an einer generalisierten Angststörung litten, auch häufiger Pollenallergien hatten, nicht aber das ganze Jahr andauernde Allergien. Diese traten in der Gruppe der Angsterkrankten sogar statistisch seltener auf. Eine mögliche Erklärung hierfür könnte sein, dass Personen mit andauernden Allergien andere Stressverarbeitungsstrategien entwickelt haben, die sie vor Angststörungen schützten. Bei den ganzjährigen Allergien gab es dagegen einen positiven Zusammenhang mit Depressionen und depressiven Phasen. Durch den Aufbau der Studie konnte aber nicht geklärt werden, ob Allergien die Angreifbarkeit für Depressionen erhöht oder ob sie selbst ein Risikofaktor für Allergien sind. Für das Forschungsteam überraschend war die Tatsache, dass das Auftreten von Nahrungsmittel- oder Medikamentenallergien nicht oder nur geringfügig von psychischen Faktoren beeinflusst wurde. In der Studie wurden mögliche Störfaktoren, die den Zusammenhang fälschlicherweise beeinflussen könnten, statistisch herausgerechnet. Das relativ hohe Durchschnittsalter von 61 Jahren und die damit einhergehende Unterrepräsentierung jüngerer Menschen sehen die Autoren als Einschränkung der Aussagekraft der Untersuchung. Außerdem handelte es sich nur um eigene Angaben seitens der Patienten und nicht um Allergiediagnosen. Insbesondere zeige diese Studie, so die Autoren, wie wichtig es sei, dem Patienten ausreichend Zeit zu widmen. Nur so könnten psychosoziale Aspekte neben den klinischen Untersuchungen in eine Therapie einfließen, wie sie in der Hochschulambulanz für Umweltmedizin am UNIKA-T praktiziert wird. Fazit Die Ergebnisse unterstützen die Relevanz psychosozialer Faktoren im Zusammenhang mit Allergien. Unter Berücksichtigung der psychosozialen Faktoren erscheint eine getrennte Betrachtung von saisonalen und mehrjährigen Allergien sinnvoll. Weitere Längsschnittstudien sollten die Richtung der Assoziationen, die zugrunde liegenden Mechanismen und andere psychosoziale Faktoren, wie z.B. Bewältigungsmechanismen, bei bestätigten Allergien untersuchen. (am) Autor: Harter et al. Korrespondenz: Chair and Institute of Environmental Medicine, UNIKA-T, Technical University of Munich, Augsburg, Germany Studie: Different Psychosocial Factors Are Associated with Seasonal and Perennial Allergies in Adults: Cross-Sectional Results of the KORA FF4 Study Quelle: Int Arch Allergy Immunol 2019;179:262–272. Web: https://doi.org/10.1159/000499042