Post-ASN Meeting 2026 in Berlin: Neue Entwicklungen in der Nephrologie im Fokus

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Das Post ASN-Meeting fand vom 16. bis 18. Januar 2026 in Berlin statt. Es wurde vom Verband Deutsche Nierenzentren (DN) in Zusammenarbeit mit der American Society of Nephrology (ASN) organisiert.

Je drei Referenten aus Nordamerika (USA/Kanada) und Deutschland stellten in sechs Vorträgen die Highlights der ASN Kidney Week vor, die im November 2025 in Houston (USA) stattgefunden hatte. Das Post ASN-Meeting in Berlin zählte laut Veranstalter 150 Teilnehmer.

CKD und Dialyse

Zunächst präsentierte Dr. Thomas Weinreich (Villingen-Schwenningen) „Neues zu CKD und Dialyse“. Er stellte neue therapeutische Ansätze vor, die eine deutliche Progressionshemmung der CKD ermöglichen können. Besonders hervorgehoben wurden SGLT2-Hemmer, die nicht nur bei fortgeschrittener CKD, sondern auch bei Patienten ohne Albuminurie sowie bei Nierentransplantierten positive Effekte zeigten.

Erste kleinere Analysen deuteten sogar auf positive Effekte bei Dialysepatienten hin, so Weinreich. Ein überraschendes Ergebnis sei gewesen, dass die Gabe von Fischöl-Kapseln die Anzahl kardiovaskulärer Ereignisse bei Dialysepatienten signifikant reduzieren konnte. Real-World-Daten belegten außerdem, dass die Hämodiafiltration gegenüber der klassischen Hämodialyse vorteilhafte Effekte haben könnte.

Neues zu Nierentransplantationen

Prof. David Wiseman (Denver, USA) berichtete Neuigkeiten zur Nierentransplantation. Zunächst erwähnte er, dass ein geringerer „single molecule molecular mismatch“ (dt: molekulare Fehlanpassung einzelner Moleküle) zu besseren Transplantationsergebnissen führe. Hoch HLA-sensibilisierte NTX-Kandidatinnen könnten von der Therapie mit Imflidase profitieren und neue Co-Stimulationsblockaden könnten möglicherweise die Chancen der Xenotransplantation verbessern. Die Umsetzung dieser Ansätze werde jedoch noch Zeit in Anspruch nehmen, so Wiseman.

Hypertonie und Herz-Nieren-Erkrankungen

Im Anschluss referierte Prof. Martin Hausberg (Karlsruhe) Neues zu Hypertonie und Herz-Nieren-Erkrankungen. Zunächst stellte er die neuen Hypertonie-Leitlinien der American Heart Association sowie den PREVENT-Risikorechner vor. Primärer Hyperaldosteronismus werde häufig als Ursache von Bluthochdruck unterdiagnostiziert. Anschließend stellte er neue Erkenntnisse zu Aldosteron-Synthase-Inhibitoren und Endothelin-Rezeptor-Antagonisten vor und erläuterte, dass auch RNA-basierte Angiotensinogen-Inhibitoren (Anti-Sense-Moleküle) vielversprechende Ansätze zur Blutdrucksenkung bieten könnten.

Herausforderungen auf der Intensivstation

Prof. Jan T. Kielstein (Braunschweig) widmete seinen Vortrag der akuten Nierenschädigung (AKI) und den damit verbundenen Herausforderungen auf der Intensivstation. Er äußerte die Hoffnung, dass die Neuauflage der Leitlinien künftig klinisch relevante Biomarker für den Alltagsempfang empfehlen werde. Darüber hinaus berichtete er zu extrakorporalen Verfahren im Kontext von Sepsis und schweren Erkrankungen. Dies zeige den dringenden Bedarf an klinischen Studien, um die Therapie schwerkranker Patienten zu verbessern.

Nutzen von SGLT2-Hemmern untersucht

Im Rahmen des Themenkomplexes „Diabetische Nephropathie“ präsentierte Prof. David Cherney (Toronto, Kanada) eine Vielzahl hochaktueller Studienergebnisse. Dabei konnte er insbesondere auf neue Daten aus dem SMART-C-Kollaboratorium verweisen, dass zur Kidney Week eine bedeutende Meta-Analyse veröffentlicht hat. Diese Analyse legte den Fokus gezielt auf Patienten mit niedriger geschätzter glomerulärer Filtrationsrate sowie auf Betroffene ohne Albuminurie.

Die Ergebnisse hätten einen klaren therapeutischen Nutzen von SGLT2-Hemmern auch bei eingeschränkter Nierenfunktion und fehlender Albuminurie gezeigt. Vor diesem Hintergrund sei es wahrscheinlich, dass diese Patientengruppen künftig ebenfalls mit einem hohen Empfehlungsgrad in den Leitlinien zum Einsatz von SGLT2-Hemmern berücksichtigt würden.

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der wachsenden Zahl positiver Studienergebnisse zu GLP-1-Rezeptor-Agonisten. In diesem Zusammenhang seien die Resultate der Remodel-Studie diskutiert worden, die darauf abzielte, die Mechanismen der renoprotektiven Effekte dieser Substanzen näher zu beleuchten. Die umfassenden Analysen untermauerten mehrere bislang hypothetische Annahmen zu spezifischen renalen Wirkmechanismen und lieferten zugleich eine solide Grundlage für weiterführende Forschungsarbeiten auf diesem Gebiet.

Behandlung des Komplement-Systems

Prof. Ilse Daehn (New York, USA) präsentierte aktuelle Arbeiten aus dem Bereich glomerulärer Erkrankungen und beleuchtete dabei Krankheitsbilder mit spezifischer Ursache im Komplement-System.

Ein weiterer Schwerpunkt ihrer Ausführungen lag auf pathophysiologischen Aspekten im Zusammenhang mit Endothelin-Rezeptor-Antagonisten. Daehn stellte dar, wie die günstigen Effekte dieser Substanzen bei der IgA-Nephropathie möglicherweise zustande kommen und welche Perspektiven sich für andere glomeruläre Erkrankungen ergeben.

Während letztere bereits gezielt eingesetzt würden und eine große Zahl von Patienten erreichten, befänden sich spezifische Komplementtherapien bei glomerulären Erkrankungen erst am Anfang. Einige seien kürzlich zugelassen worden, andere stünden kurz vor der Zulassung, so dass noch weitere klinische Erfahrungen notwendig seien. Darüber hinaus hob Daehn die Bemühungen hervor, Surrogat Marker für renale Endpunkte von den Zulassungsbehörden in den USA konsequent anerkennen zu lassen.