Post-Covid-Syndrom: Blutwäsche zeigt in Studie keinen Nutzen für Betroffene18. Juni 2026 Foto: © Nastassia/stock.adobe.com Die aktuell in der Fachzeitschrift „The Lancet“ veröffentlichte Studie IAMPOCO stellt den Nutzen der Immunadsorption beim Post-COVID-Syndrom (PCS) infrage. Da die Ursachen des Krankheitsbildes PCS bislang nicht vollständig verstanden sind, wird intensiv nach biologischen Auslösern gesucht. Im Fokus stehen dabei unter anderem Autoantikörper gegen G-Protein-gekoppelte Rezeptoren, die möglicherweise an den anhaltenden Beschwerden beteiligt sein könnten. Die Vermutung, dass solche Autoantikörper eine Rolle spielen könnten, hat bei vielen Betroffenen Hoffnungen auf spezielle Blutwäsche-Verfahren – Immunadsorption und der Plasmapherese – geweckt. „Zahlreiche Patientinnen und Patienten haben sich bereits diesen aufwendigen Behandlungen unterzogen – oft in der Hoffnung auf eine Linderung ihrer Beschwerden. Ob die Entfernung der Autoantikörper tatsächlich einen therapeutischen Nutzen bringt, war bislang jedoch nicht durch kontrollierte Studien belegt“, erklärt Prof. Julia Weinmann-Menke, Ärztliche Direktorin der Klinik für Nephrologie am Zentrum für Innere Medizin des Universitätsklinikums Heidelberg, Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie (DGfN) und Initiatorin der Studie. Autoantikörper entfernt – Beschwerden bleiben bestehen Die nun veröffentlichte IAMPOCO-Studie liefert erstmals belastbare Daten zur Wirksamkeit der Immunadsorption bei Post-COVID. An der Untersuchung nahmen 40 Betroffene teil, die sowohl eine echte Behandlung als auch eine Scheintherapie erhielten. Das Ergebnis: Die Immunadsorption entfernte die untersuchten Autoantikörper zwar erfolgreich aus dem Blut. Die Beschwerden der Patienten verbesserten sich dadurch jedoch nicht. Im Vergleich zur Scheinbehandlung wurden weder die ausgeprägte Erschöpfung noch Konzentrationsprobleme, körperliche Belastbarkeit oder Einschränkungen im Alltag durch die Behandlung positiv beeinflusst. „Diese Ergebnisse zeigen, dass die Mehrheit der an Post-COVID leidenden Patienten eher nicht von einer Immunadsorption profitieren wird“, so Weinmann-Menke. Notwendigkeit weiterer Forschung Die Ergebnisse sind laut den Forschern auch deshalb bedeutsam, weil Immunadsorption und Plasmapherese aufwendige Eingriffe sind. Die Behandlungen dauern mehrere Stunden und sind nicht frei von Risiken. In der Studie traten unter der Immunadsorption mehr Nebenwirkungen auf als unter der Scheinbehandlung. Hinzu kommt, dass die untersuchten Autoantikörper nicht nur bei Menschen mit Post-COVID vorkommen, sondern auch bei anderen Erkrankungen und sogar bei gesunden Personen nachweisbar sind. Da Antikörper fortlaufend neu bildet werden, führt ihre vorübergehende Entfernung somit nicht zwangsläufig zu einer dauerhaften Besserung der Beschwerden, stattdessen müssen die Behandlungen häufig wiederholt werden. Die Autoren der Studie kommen zu dem Schluss, dass sich die Immunadsorption nach aktuellem Kenntnisstand nicht als allgemeine Therapie für das Post-COVID-Syndrom eignet. Gleichzeitig unterstreichen die Ergebnisse die Notwendigkeit weiterer Forschung. „Post-COVID ist ein komplexes und heterogenes Krankheitsbild“, so Weinmann-Menke. „Um wirksame Behandlungen für die vielen Betroffenen zu entwickeln, müssen die zugrunde liegenden biologischen Mechanismen weiter systematisch untersucht werden.“
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