Postmenopausale Frauen mit Beckenorganprolaps: Präoperatives intravaginales Östrogen hat keinen Vorteil gezeigt

DALLAS (Biermann) – Frühere Beobachtungen deuten darauf hin, dass postmenopausale Frauen mit symptomatischem Prolaps von einer präoperativen Anwendung von intravaginalem Östrogen profitieren könnten. Es war allerdings noch nicht bekannt, ob die Behandlung auch andere Beckenbodensymptome verbessern kann.

David Rahn vom University of Texas Southwestern Medical Center (Dallas, USA) und sein Team stellten fest, dass es trotz objektiver Veränderungen im Vaginalepithel, die mit einer erhöhten Östrogenisierung einhergehen, keine eindeutigen Ergebnisse gibt, ob eine 7-wöchige präoperativ intravaginal verabreichte Östrogencreme mit einer Verbesserung der Symptome assoziiert ist.

Die Forschenden untersuchten im Rahmen einer geplanten Zusatzanalyse der randomisierten, doppel-blinden Studie IMPROVE bei post-menopausalen Frauen mit symptomatischem Prolaps die Auswirkungen von intravaginal verabreichtem Östrogen auf Stress- und Dranginkontinenz, Harndrang, sexuelle Funktion/Dyspareunie sowie Symptome und Anzeichen einer Vaginalatrophie im Vergleich zu Placebo. Das Stadium des apikalen und/oder anterioren Prolaps der Frauen betrug ≥2 und die Frauen (n=191; Durchschnitts­alter 65 Jahre) bekamen für den intravaginalen Gebrauch Cremes, die entweder 0,625 mg/g Östrogen oder Placebo (1:1) enthielten.

Die Dauer und Häufigkeit der Anwendung lag präoperativ zunächst bei 2 Wochen täglich gefolgt von ≥5 Wochen lang 2-mal wöchentlich. Postoperativ erfolgte 1 Jahr lang eine 2-mal wöchentliche Nachbehandlung mit der jeweiligen Creme. Für die Analyse wurden die Antworten von Fragebögen verglichen, die zu Studien­beginn und vor der Operation erhoben wurden und die Symptome betrafen. Untersucher beurteilten die Farbe der Vagina, Trockenheit und Petechien.

In median 7 Wochen zwischen Studienbeginn und präoperativen Besuchen zeigte sich bei den Frauen mit mäßig störender Belastungsharninkontinenz zu Studien­beginn (n=32 Östrogengruppe und n=21 Placebogruppe) eine leichte Verbesserung bei 16 (50 %) bzw. 9 (43 %) Frauen (p=0,78). Bei 43 % bzw. 31 % der Frauen gab es eine Verbesserung der Drang­inkontinenz (p=0,41) und bei 41 % bzw. 26 % eine Verbesserung der Harnfrequenz (p=0,18). Es ergaben sich aber keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen.

Bei sexuell aktiven Frauen gab es nur minimale Veränderungen beim Fragebogen zur sexuellen Gesundheit. Die Dyspareunieraten unterschieden sich bei der präoperativen Beurteilung ebenfalls nicht signifikant zwischen intravaginalem Östrogen und Placebo (42 % bzw. 48 %; p=0,49). Die maximale Punktzahl für das am meisten störende ­Atrophiesymptom verbesserte sich mit intravaginalem Östrogen zwar etwas stärker (angepasste mittlere Differenz von -0,33 Punkten beim Fragebogen; 95 %-KI -0,98 bis 0,31), war aber ebenfalls nicht statistisch signifikant (p=0,19). Allerdings ergaben die Untersuchungen, dass sich die objektiven Anzeichen einer Atrophie durch das Östrogen stärker verbessert hatten (+1,54 vs. +0,69; mittlere Differenz 0,85; 95 %-KI 0,05–1,65; p=0,01). (sh)

Autoren: Rahn DD et al.
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Studie: Effects of Preoperative Intravaginal Estrogen on Pelvic Floor Disorder Symptoms in Postmenopausal Women with Pelvic Organ Prolapse
Quelle: Am J Obstet Gynecol 2023;S0002-9378(23)00352-6.
Web: www.doi.org/10.1016/j.ajog.2023.05.023