PPI: Erhöhtes Risiko für Tod durch Herz- oder Nierenerkrankung, Magenkrebs31. Mai 2019 Foto: © cassis/Adobe Stock Eine längere Anwendung von Medikamenten gegen Sodbrennen, Magengeschwüre und Säurereflux ist in der Vergangenheit mit einem erhöhten Risiko für vorzeitige Mortalität in Verbindung gebracht worden. Wenig war jedoch bislang zu den den spezifischen Todesursachen bekannt, die mit diesen Medikamenten assoziiert sind. Jetzt hat eine Studie von Forschern der Washington University School of Medicine in St. Louis und des Veterans Affairs St. Louis Health Care Systems den langfristigen Einsatz von Protonenpumpenhemmern (PPI) mit tödlichen Verläufen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, chronischen Nierenerkrankungen und Krebserkrankungen des oberen Gastrointestinaltraktes in Verbindung gebracht. Die Forscher stellten auch fest, dass ein solches Risiko mit der Dauer der PPI-Einnahme zunimmt, selbst wenn die Medikamente in geringen Dosierungen eingesetzt werden. „Die Einnahme von PPI über viele Monate oder Jahre ist nicht sicher, und jetzt haben wir ein klareres Bild von den Erkrankungen, die mit der langfristigen Anwendung von PPI verbunden sind“, sagt Dr. Ziyad Al-Aly von der Washington University. Er hat mehrere Studien durchgeführt, in denen PPI mit chronischen Nierenerkrankungen und einem erhöhten Mortalitätsrisiko in Verbindung gebracht worden sind. Andere Forscher haben unabhängig voneinander PPI mit Gesundheitsproblemen wie Demenz, Knochenbrüchen, Herzerkrankungen und Lungenentzündung in Verbindung gebracht. Für die Studie durchsuchten die Forscher anonymisierte medizinische Informationen in einer Datenbank des U.S. Department of Veterans Affairs. Bei der Auswertung der von Juli 2002 bis Juni 2004 gesammelten Daten identifizierten die Forscher 157.625 Personen – hauptsächlich Männer kaukasischer Abstammung im Alter von 65 Jahren und älter –, denen neu PPI verschrieben worden waren, sowie 56.842 Personen, die neu mit der Einnahme von H2-Rezeptor-Antagonisten begonnen hatten. Die Patienten wurden bis zu zehn Jahre lang nachbeobachtet (insgesamt 214.467 Jahre). Die Forscher stellten in der PPI-Gruppe ein um 17 Prozent höheres Sterberisiko als in der H2-Blocker-Gruppe fest. Sie errechneten 45 zusätzliche Todesfälle pro 1000 Personen, die auf den langfristigen Einsatz von PPI zurückzuführen sind. Die Sterblichkeitsrate in der PPI-Gruppe betrug 387 pro 1000 Personen, in der Gruppe mit H2-Blockern betrug die Rate 342 pro 1000. „Angesichts der Millionen Menschen, die regelmäßig PPI einnehmen, bedeutet dies jedes Jahr Tausende von Todesfällen“, sagt der Nephrologe und klinische Epidemiologe Al-Aly. Die Anwendung von PPI war mit Todesfällen aufgrund von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, chronischen Nierenerkrankungen und Krebserkrankungen des oberen Gastrointestinaltraktes assoziiert. 15 von 1000 PPI-Anwendern verstarben an Herzerkrankungen, vier pro 1000 an einer chronischen Nierenerkrankung und zwei pro 1000 an Magenkrebs. Die Sterblichkeitsraten aufgrund von Herz-Kreislauf-Erkrankungen lagen bei 88 in der PPI-Gruppe und 73 in der H2-Blocker-Gruppe. Bei Magenkrebs lag die Sterblichkeitsraten in der PPI-Gruppe bei sechs und in der H2-Blocker-Gruppe bei vier. Die Sterblichkeitsraten aufgrund einer chronischen Nierenerkrankung betrug acht bzw. vier in der PPI- bzw. in der H2-Blocker-Gruppe. Darüber hinaus ergab die Studie, dass mehr als die Hälfte der Personen, die PPI einnahmen, dies taten, ohne dasss die medizinisch notwendig gewesen wäre und obwohl es in den verfügbaren Daten keinen Hinweis darauf gab, warum diesen Patienten PPI verschrieben worden waren. In dieser Gruppe kamen Todesfälle im Zusammenhang mit PPI häufiger vor, wobei fast 23 von 1000 Menschen an Herzerkrankungen starben, fast fünf von 1000 an chronischen Nierenerkrankungen und drei an Magenkrebs. „Am beunruhigendsten ist für mich, dass Menschen, die PPI einnehmen, diese aber möglicherweise nicht benötigen, unter Umständen ernsthaften Schaden erleiden“, sagt Al-Aly. Die Studie ergab auch, dass mehr als 80 Prozent der PPI-Benutzer geringe Dosen des verschreibungspflichtigen Arzneimittels einnahmen, beziehungsweise solche Dosierungen, die denen der frei erhältlichen Präparate entsprechen. „Dies deutet darauf hin, dass das Risiko möglicherweise nicht auf verschreibungspflichtige PPI beschränkt ist, sondern auch bei rezeptfreien Dosierungen auftritt“, sagt der Mediziner. Die US-amerikanische Food and Drug Administration hat Interesse an den Daten geäußert, die von Al-Alys Forschungsteam vorgelegt wurden. „Frei verkäufliche PPI sollten eine deutlichere Warnung vor potenziellen signifikanten Gesundheitsrisiken sowie eine deutlichere Warnung vor der Notwendigkeit enthalten, die Verwendungsdauer auf im Allgemeinen nicht mehr als 14 Tage zu beschränken“, sagt Al-Aly. „Menschen, die rezeptfreie PPI länger einnehmen möchten, müssen ihren Arzt aufsuchen.“ Das Forschungsteam von Al-Aly wird auch weiterhin Auswirkungen von PPI untersuchen, die sich negativ auf die Gesundheit auswirken, insbesondere in Bezug auf Personen mit dem höchsten Risiko.“Viele Menschen nehmen möglicherweise unnötigerweise PPI ein“, fügt Al-Aly hinzu. „Diese Personen können potenziellen Gefahren ausgesetzt sein, wenn es zudem unwahrscheinlich ist, dass die Medikamente ihnen gesundheitlich einen Nutzen bringen. Unsere Studie legt nahe, dass PPI vermieden werden müssen, wenn sie aus medizinischen Gründen nicht erforderlich sind.“
Mehr erfahren zu: "Umbrella-Review: Opioide lindern viele akute Schmerzen nur kurzfristig" Umbrella-Review: Opioide lindern viele akute Schmerzen nur kurzfristig Eine neue Übersicht über 59 systematische Reviews verdeutlicht, dass Opioide bei vielen akuten Schmerzzuständen nur eine geringe und kurzfristige Linderung bewirken – bei einigen zeigen sie keinen klaren Vorteil gegenüber […]
Mehr erfahren zu: "Fortschritte in der Migräneprävention: Neue Therapien verbessern Lebensqualität" Fortschritte in der Migräneprävention: Neue Therapien verbessern Lebensqualität Migräne beeinträchtigt die Lebensqualität und Arbeitsfähigkeit von rund 1,2 Milliarden Menschen weltweit. Ein internationales Forschungsteam berichtet nun in „The Lancet Neurology“ über die Fortschritte in der Vorbeugung von Migräneattacken.
Mehr erfahren zu: "Chronifizierte Beschwerden: Erwartungen als messbarer und potenziell veränderbarer Faktor" Chronifizierte Beschwerden: Erwartungen als messbarer und potenziell veränderbarer Faktor Anhaltende körperliche Beschwerden wie Erschöpfung, Magen-Darm-Probleme oder Juckreiz begleiten viele Betroffene über Monate oder Jahre und schränken ihr Leben ein. Doch wie kommt es zu einer solchen Chronifizierung von Beschwerden […]