Prädisponierende Faktoren für den Wilms-Tumor

Nierenkrebs im Kindesalter (Symbolbild). Grafik: maniki – stock.adobe.com

Eine Medizinergruppe aus den Niederlanden präsentiert in einer aktuellen Publikation im “Journal of Clinical Oncology” genetische und epigenetische prädisponierende Faktoren für den Wilms-Tumor (WT), den häufigsten bösartigen Nierentumor im Kindesalter.

Im Rahmen der Studie wurden alle Kinder, bei denen zwischen 2015 und 2020 in den Niederlanden WT diagnostiziert wurde, an einen klinischen Genetiker überwiesen. Die Medizinergruppe um Dr. Marjolijn C.J. Jongmans vom Universitätsklikikum Utrecht sammelte die phänotypischen Daten, die Krankheitsmerkmale und die diagnostischen Testergebnisse. Wenn die gezielten diagnostischen Tests keine genetische Prädisposition ergab, wurden eine Keimbahn- (Trio-)Gesamt-Exom-Sequenzierung und Tests auf Syndrome des Beckwith-Wiedemann-Spektrums (BWSp) an normaler, aus der Niere stammender DNA angeboten.

Insgesamt analysierten die Autoren 126 Fälle von 128 identifizierten Patienten. (Epi)genetische prädisponierende Faktoren waren bei 42 von 126 Patienten (33,3%) vorhanden. Gefunden wurden diese auf der Grundlage einer molekularen Diagnose in DNA aus Blut (n = 26), normaler DNA aus den Nieren DNA (n=12) oder ausschließlich einer klinischen BWSp-Diagnose (n=4). Die Forscher identifizierten konstitutionelle, heterozygote DIS3L2-Varianten als wiederkehrenden prädisponierenden Faktor bei 5 Patienten (4%) , mit einer weiteren somatischen Mutation bei 4 von 5 Tumoren. Bei 20 Patienten (16%) wurde BWSp diagnostiziert, während 4 weitere Patienten ohne BWSp-Merkmale in normalem Nierengewebe Methylierungsdefekte an Chromosom 11p15 aufwiesen. Die verbleibenden Befunde umfassten WT1-assoziierte Syndrome (n=10), Fanconi-Anämie (n=1), Neurofibromatose Typ 1 (n=1) und eine pathogene REST-Variante (n=1). Darüber hinaus wurden bei 5 von 56 (8,9%) Patienten mit verfügbaren Gesamtexom-Sequenzierungsdaten (wahrscheinlich) pathogene Varianten in Prädispositionsgenen für Krebs im Erwachsenenalter (BRCA2, PMS2, CHEK2 und MUTYH) identifiziert. Die Forscher identifizierten noch mehrere weitere Kandidaten für WT-Prädispositionsgene , die einer weiteren Validierung bedürfen.

“(Epi)genetische prädisponierende Faktoren für WT, darunter Mosaikaberrationen und wiederkehrende heterozygote DIS3L2-Varianten, lagen bei mindestens 33,3% der Patienten mit WT vor”, fassen Erstautorin Dr. Janna A. Hol und Kollegen ihre Befunde zusammen. “Auf der Grundlage dieser Ergebnisse empfehlen wir standardisierte Gentests nach Beratung durch einen klinischen Genetiker.”

(ms)