Präklinische Studie: Alpha-1-Antitrypsin als experimenteller Ansatz zur Behandlung von COVID-1911. Mai 2021 Foto: ©erika8213 – stock.adobe.com Saarländische MedizinerInnen untersuchten in einer präklinischen Studie den Proteaseinhibitor Alpha-1-Antitrypsin zur Behandlung von PatientInnen mit mittelschwerem COVID-19. Die ersten Ergebnisse fallen positiv aus, weitere Studien sind jedoch nötig. Die große Zahl wirksamer Impfstoffe, die in Rekordzeit gegen SARS-CoV-2 entwickelt wurden, lässt hoffen, dass die Welt das Virus bald einigermaßen in den Griff bekommen wird. Zumindest in den Industrieländern zeigen die großen Impfkampagnen inzwischen Wirkung. Das ist eine gute Nachricht für all jene, die noch nicht an COVID-19 erkrankt sind. Wer jedoch noch nicht geimpft ist – und das ist der Großteil der Weltbevölkerung – bzw. akut erkrankt ist, hat von den Erfolgen der Impfstoffentwicklung wenig. Eine wirksame medikamentöse Behandlung gibt es bisher nicht. Nun deutet eine präklinische Studie der Universität des Saarlandes und des Universitätsklinikums darauf hin, dass das Protein Alpha-1-Antitrypsin (AAT) gegen das Coronavirus wirksam sein könnte. AAT ist bereits zur Behandlung des Alpha-1-Antitrypsin-Mangels zugelassen, einer seltenen angeborenen Erkrankung. Bestimmte genetische Fehler führen beim Alpha-1-Antitrypsin-Mangel dazu, dass im Körper zu wenig AAT hergestellt wird, so dass in der Folge wiederum die Regulation anderer Eiweiße nicht mehr richtig funktioniert. So hemmt AAT im Körper unter anderem die Aktivität der Transmembranprotease Serin 2 (TMPRSS2). Dies ist ein Enzym, das in der Lunge und vielen anderen Organen gebildet wird und für die Aktivierung von SARS-CoV-2 notwendig ist. „In früheren Studien hat man bereits nachgewiesen, dass AAT in der Lage ist, TMPRSS2 zu hemmen“, erklärt Robert Bals, Professor für Pneumologie, Allergologie, Beatmungs- und Umweltmedizin an der Universität des Saarlandes und Direktor der Klinik für Innere Medizin V am Universitätsklinikum. „Darüber hinaus wussten wir, dass bei Covid-Patienten auch ein relativer Mangel an AAT herrscht“, so der Fachmann für Lungenheilkunde weiter. Bals und sein Team haben daher an neun PatientInnen mit mittelschwerem Krankheitsverlauf im Rahmen eines Heilversuchs untersucht, ob AAT-haltige Medikamente eine klinische Wirkung haben. Darüber hinaus haben sie die Wirkung von AAT auf die Hemmung des TMPRSS2-Proteins im Zellmodell gemessen. „Das Virus hat sich im Zellmodell messbar weniger vermehrt, wenn die AAT-Konzentration erhöht wurde“, erläutert Bals. Auch die neun PatientInnen in der präklinischen Studie haben alle überlebt und sind inzwischen aus dem Krankenhaus entlassen worden. PatientInnen aus einer Vergleichsgruppe hatten einen schlechteren klinischen Verlauf. Die Ergebnisse der Studie wurden jüngst im Fachjournal „American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine“ veröffentlicht. Bals weist darauf hin, dass diese Ergebnisse nicht mit einer großen klinischen Studie gleichzusetzen sind und auch keinesfalls eine Therapie gegen COVID-19 versprechen; die Erkenntnisse böten einen Ansatz, den man weiter verfolgen könne. Sicher sei jedoch: „Das Protein AAT wirkt gegen SARS-CoV-2. Nun müssen weiter klinische Studien folgen, um eventuell eine wirksame Therapie gegen die akute Krankheit zu entwickeln.“
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