Prämenopausale Frauen mit ER+ Brustkrebs im Frühstadium und Ovarialsuppression: Aromatasehemmer verringern das Risiko eines erneuten Auftretens

OXFORD (Biermann) – Die Early Breast Cancer Trialists’ Collaborative Group untersuchte im Zuge ihrer Metaanalyse, ob prämenopausale Frauen, die mit einer Ovarial­suppression behandelt werden, von Aromatasehemmern profitieren oder nicht. Die Gruppe fand heraus, dass die Anwendung eines Aromatase­hemmers anstelle von Tamoxifen bei diesem Patientinnenkollektiv das Risiko eines erneuten Auftretens von Brustkrebs verringert. Das Team weist allerdings darauf hin, dass zur Beurteilung der Auswirkungen auf die Brustkrebsmortalität noch länger nachbeobachtet werden muss.

Die Wissenschaftler verwendeten für ihre Metaanalyse einzelne Patientinnendaten aus randomisierten Studien, in denen bei prämenopausalen Frauen mit ER+ Brustkrebs, die eine Ovarialsuppression (Goserelin oder Triptorelin) oder Ablation erhielten, über 3 oder 5 Jahre die Einnahme von Aromatase­hemmern (Anastrozol, ­Exemestan oder ­Letrozol) mit Tamoxifen verglichen wurde. Daten wurden zu Ausgangsmerkmalen, Brustkrebsrezidiven oder sekundärem Primärkrebs und den Todesursachen der Patientinnen erhoben.

Primäre Endpunkte waren Brustkrebsrezidive (entfernt, lokoregional oder kontralateral), Brustkrebsmortalität, Tod ohne Rezidiv und Gesamtmortalität. Da ein Fernrezidiv mehrere Jahre nach dem Auftreten zum Tod durch Brustkrebs führt, während ein lokoregionäres Rezidiv und ein neuer kontralateraler Brustkrebs in der Regel nicht tödlich verlaufen, stellten die Forschenden die Fern­rezidivanalyse separat dar. Standard-Intention-to-treat-Log-Rank-Analysen wurden genutzt, um das Relative Risiko (RR) des Erst­ereignisses und seiner KIs zu schätzen.

Das Forschungsteam identifizierte 4 Studien (ABCSG XII-, SOFT-, TEXT- und HOBOE-Studie) und exthrahierte die darin enthaltenen Daten. Insgesamt erhielten sie die Daten von 7030 Frauen mit ER+ Tumoren (Studienzeitraum 17. Juni 1999 bis 4. August 2015). Die mediane Nachbeobachtung betrug 8,0 Jahre (Interquartilabstand 6,1–9,3). Die Rezidivrate von Brustkrebs war bei Frauen, die einen Aromatasehemmer erhalten hatten, niedriger als bei Frauen mit ­Tamoxifen-Einnahme (RR 0,79; 95 %-KI 0,69–0,90; P=0,0005). Der Hauptnutzen, in dem sich die Behandlung unterschied, zeigte sich in den Jahren 0–4 (RR 0,68; 99 %-KI 0,55–0,85; P<0,0001) und es gab eine absolute Reduktion des 5-Jahres-Rezidivrisikos von 3,2 % (95 %-KI 1,8–4,5; 6,9 % vs. 10,1 %). In den Jahren 5–9 (RR 0,98; 99 %-KI 0,73–1,33; P=0,89) oder >10 konnte kein weiterer Nutzen oder Verlust des Nutzens der Aromatasehemmer beobachtet werden.

Die Aromatasehemmer reduzierten das Fernrezidivrisiko signifikant (RR 0,83; 95 %-KI 0,71–0,97; P=0,018). Für die Brustkrebsmortalität (RR 1,01; 95 %-KI 0,82–1,24; P=0,94), den Tod ohne Rezidiv (RR 1,30; 95 %-KI 0,75–2,25; P=0,34) oder die Gesamtmortalität (RR 1,04; 95 %-KI 0,86–1,27; P=0,68) konnten allerdings keine signifikanten Unterschiede zwischen den Behandlungen festgestellt werden. Es zeigte sich aber, dass es unter einer Therapie mit Aromatasehemmern zu mehr Knochenbrüchen kam als unter Tamoxifen (227 [6,4 %] von 3528 vs. 180 [5,1 %] von 3502 Frauen; RR 1,27; 95 %-KI 1,04–1,54; P=0,017). Unter der Einnahme von Aromatase­hemmern und Tamoxifen kam es zudem selten zu Todesfällen ohne Brustkrebs (30 [0,9 %] vs. 24 [0,7 %]; RR 1,30; 95 %-KI 0,75–2,25; P=0,36) und Endometriumkarzinomen (7 [0,2 %] vs. 15 [0,3 %]; RR 0,52; 95 %-KI 0,22–1,23; P=0,14). (sh)

Autoren: Early Breast Cancer Trialists’ Collaborative Group (EBCTCG)
Korrespondenz: EBCTCG Sekretariat; [email protected]
Studie: Aromatase inhibitors versus tamoxifen in premenopausal women with oestrogen receptor-positive early-stage breast cancer treated with ovarian suppression: a patient-level meta-analysis of 7030 women from four randomised trials
Quelle: Lancet Oncol 2022;23(3):382–392.
Web: doi.org/10.1016/S1470-2045(21)00758-0