Pränatale Alkoholexposition

Frühere Studien hatten inkonsistente Ergebnisse bezüglich der Menge und Häufigkeit der pränatalen Alkoholexposition (PAE) ergeben, die zu Defiziten in Wachstum und Entwicklung des kindlichen Nervensystems führen. Ursachen hierfür sind möglicherweise Ungenauigkeiten bei der ­Klassifizierung der Exposition. Ein US-amerikanisch-ukrainisches Forscherteam hat nun an einer homogenen Stichprobe von Müttern und Säuglingen longitudinale Trajek­tionsmodelle mütterlicher Trinkmuster entwickelt, die mit dem Säuglingswachstum oder Defiziten der neurobiologischen Entwicklung verbunden sind.


An einer Stichprobe von 471 schwangeren Frauen, die prospektiv in eine Längsschnittstudie in der Ukraine eingeschlossen wurden, führten die Forscher eine Längsschnittanalyse der Trinkgewohnheiten während der Schwangerschaft durch. Mithilfe multivariabler Regressionsanalysen überprüften sie, ob die einzelnen Trajektionsgruppen mit dem Gewicht, der Größe oder dem Kopfumfang des Säuglings bei der Geburt oder mit psychomotorischen oder psychischen Defiziten im Säuglingsalter verbunden waren.


Die Teilnehmerinnen teilten die Forscher 5 verschiedenen PAE-Gruppen zu: minimale oder keine PAE während der gesamten Schwangerschaft, niedrige bis mittlere PAE mit Unterbrechung in der frühen Schwangerschaft, niedrige bis mittlere PAE über die gesamte Schwangerschaft, mittlere bis hohe PAE mit Reduktion in der frühen Schwangerschaft und hohe PAE über die gesamte Schwangerschaft. Die höchste PAE war mit verringertem Geburtsgewicht und -größe des Säuglings sowie mit Defiziten in der psychomotorischen und kognitiven Leistungsfähigkeit im Alter von 6–12 Monaten verbunden. Obwohl sich die Konfidenzintervalle überschnitten, war der niedrige bis moderate anhaltende Alkoholkonsum stärker mit den negativsten Ergebnissen bei Säuglingen verbunden als die mittlere bis hohe PAE mit früher Reduktion.
Diese Ergebnissen bestätigten, dass eine hohe, anhaltende PAE das höchste Risiko für ungünstige Outcomes bei Säuglingen darstellt, zeigten aber auch, dass selbst eine niedrige bis mittelschwere PAE, die über die Schwangerschaft hinweg fortgesetzt wird, mit bestimmten Defiziten verbunden ist. Dieser Ansatz könne Ärzten helfen, Hochrisikokinder für eine gezielte Frühintervention zu identifizieren, resümieren die Autoren. (ej)

Autoren: Bandoli G et al.
Korrespondenz: Department of Pediatrics, University of California, San Diego, USA
Studie: Patterns of Prenatal Alcohol Use That Predict Infant Growth and Development
Quelle: Pediatrics Feb 2019;143 (2):e20182399.
Web: https://doi.org/10.1542/peds.2018-2399