Prävention einer infektiösen Endokarditis nach Zahn-OP bei Hochrisikopatienten8. November 2024 © ViDi Studio – stock.adobe.com (Symbolbild) Die Ergebnisse einer neuen Metaanalyse in „JAMA Cardiology“ unterstützen aktuelle US-amerikanische und europäische Leitlinien, wonach nur Hochrisikopatienten eine Antibiotikaprophylaxe nach invasivem zahnmedizinischen Eingriff zur Vermeidung einer infektiösen Endokarditis (IE) erhalten sollten. Denn: In der Analyse konnte nur in dieser Gruppe ein Zusammenhang zwischen der Antibiotikaprophylaxe und einer geringeren IE-Inzidenz festgestellt werden. Seit 2007 wurden die Indikationen für eine Antibiotikaprophylaxe durch Leitlinien eingeschränkt. In ihre aktuelle Untersuchung schloss die verantwortliche internationale Studiengruppe 30 Datensätze ein (1.152.345 IE-Fälle). Davon waren 8 (einschließlich 12 Teilstudien) entweder Fall-Kontroll-/Crossover- oder Kohortenstudien oder selbstkontrollierte Fallserien, die über den Zusammenhang zwischen Antibiotikaprophylaxe und IE nach invasiven zahnärztlichen Eingriffen berichteten, sowie 22 Zeit-Trend-Analysen der IE-Inzidenz vor und nach der Umstellung der Leitlinien zur Antibiotikaprophylaxe. Anhand strukturierter Instrumente wurde die Studienqualität als gut bewertet. Die Daten wurden von unabhängigen Beobachtern extrahiert. Ergebnis von Interesse war die IE-Inzidenz nach Zahn-OPs im Verhältnis zur Antibiotikaprophylaxe. Eine formale statistische Analyse führten 8/12 Teilstudien mit Fall-Kontroll-/Crossover-, Kohorten- oder selbstkontrollierten Fallseriendesigns durch. Davon unterstützten 5 eine schützende Rolle der Antibiotikaprophylaxe, insbesondere bei Personen mit hohem Risiko, während 3 dies nicht taten. Die Metaanalyse ergab, dass die Antibiotikaprophylaxe bei Hochrisikopersonen mit einem signifikant niedrigeren Risiko einer IE nach Zahn-OPs verbunden war (gepooltes RR 0,41; 95%-KI 0,29–0,57; pHeterogenität=0,51; I2=0%). Eine formale statistische Prä-Post-Analyse führten 19/22 Zeit-Trend-Analysen durch. Dabei fanden 9 keine signifikanten Veränderungen in der IE-Inzidenz, 7 zeigten einen signifikanten Anstieg für die Gesamtbevölkerung oder für Untergruppen (Personen mit hohem und mäßigem Risiko, Streptokokken-IE und Viridans-Gruppen-Streptokokken-IE), während 3 einen signifikanten Rückgang für die Gesamtbevölkerung und für die orale Streptokokken-IE feststellten. Fazit Die Metaanalyse ergab, dass die Antibiotikaprophylaxe bei Hochrisikopersonen mit einem signifikant niedrigeren Risiko einer IE nach Zahn-OPs verbunden war. Die Studienautoren halten fest, dass für Personen mit niedrigem/unbekanntem Risiko kein Zusammenhang zwischen der Antibiotikaprophylaxe und dem IE-Risiko nachgewiesen werden konnte. Auch würden derzeit keine ausreichenden Daten vorliegen, um einen Nutzen der Antibiotikaprophylaxe bei Personen mit mittlerem Risiko zu belegen. (ah) Autoren: Sperotto F et al. Korrespondenz: Federica Turati; [email protected] Studie: Antibiotic Prophylaxis and Infective Endocarditis Incidence Following Invasive Dental Procedures: A Systematic Review and Meta-Analysis Quelle: JAMA Cardiol 2024;9(7):599–610. Web: https://doi.org/10.1001/jamacardio.2024.0873
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