PraxisLeitlinie Migräne speziell für die gynäkologische Praxis vorgestellt25. September 2024 Symbolbild: ©terovesalainen/stock.adobe.com Die Kooperation zwischen Deutscher Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V. (DGS) und Deutscher Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG) trägt erste Früchte. Im Rahmen ihrer verstärkten Kooperation stellten DGS und DGGG ihr erstes gemeinsames Projekt vor: die „DGS-PraxisLeitlinie: Kernwissen zu Diagnostik und Behandlung von Migräne für Gynäkologinnen und Gynäkologen“. Den Fachgesellschaften zufolge soll die PraxisLeitlinie Gynäkologinnen und Gynäkologen „kompaktes Wissen zu Diagnostik und Therapie der Migräne vermitteln“. Darüber hinaus unterstütze man sich gegenseitig in Fortbildungen und plane gemeinsame Publikationen, um die Versorgung von Frauen mit Schmerzerkrankungen zu verbessern, wie Vertreter von DGS und DGGG bei einer Presseveranstaltung bekräftigten. Die jüngst vorgestellte PraxisLeitlinie gibt Einblicke in die vielfältigen Ausprägungen des Krankheitsbildes Migräne sowie eine Übersicht über die Behandlungsmöglichkeiten. Beispielsweise beschreibt die PraxisLeitlinie die häufigsten für die Gynäkologie relevanten Migräneformen und verschiedene Aura-Symptome sowie mögliche Einflussfaktoren wie hormonelle Veränderungen, um die Diagnostik in der gynäkologischen Praxis zu erleichtern. Auch eine Übersicht über die ICD-10-Codes für Migräne sowie Wissenswertes zur Verordnung von Kontrazeptiva bei Frauen mit Migräne sind darin zu finden. „Für Gynäkologinnen und Gynäkologen ist besonders die Kenntnis der Migräne mit Aura wichtig. In Verbindung mit dem Einsatz von kombinierten oralen Kontrazeptiva kann das Risiko für einen Schlaganfall um mehr als das 15-fache erhöht sein. Bei jeder Verordnung eines Kontrazeptivums sollte daher eine Kopfschmerz- und Aura-Anamnese erhoben werden“, betont Prof. Hartmut Göbel, Chefarzt der Schmerzklinik Kiel. „Die PraxisLeitlinie schließt u. a. für die Versorgung wichtige Themen wie die menstruelle Migräne, Auswirkungen der Migräne auf die Schwangerschaft, Effekt von geburtshilflichen Eingriffen auf die Migräne, Zusammenhang von Migräne und Endometriose oder sexueller Funktion ein“, merkt Göbel an. Ebenfalls enthalten sind Therapiemöglichkeiten bei Migräne – insbesondere in Schwangerschaft und Stillzeit – sowie Informationen zu modernen Behandlungsverfahren mit CGRP-Antikörpern. DGGG-Vizepräsident Prof. Christian Thaler hebt hervor: „Gynäkologinnen und Gynäkologen sehen und behandeln Patientinnen vom Jugend- bis zum Seniorenalter, hier spielen auch chronische Kopfschmerzen und deren Beeinflussung durch Veränderungen weiblicher Sexual-Hormone eine Rolle.“ Spezifische Fortbildungen zu diesem Thema seien daher äußerst hilfreich für die Kolleginnen und Kollegen. Es gelte, die schmerzmedizinische Expertise der Gynäkologinnen und Gynäkologen zu erweitern. Auch aus der Perspektive der Schmerzmedizin seien die Besonderheiten von Frauen ein wichtiger Faktor, da diese sowohl in der Diagnostik als auch in der medikamentösen Therapie stärker berücksichtigt werden müssten, machen die Fachgesellschaften deutlich. Die DGS betont, dass – wie alle PraxisLeitlinien der Fachgesellschaft – auch diese Version „patientenzentriert verfasst“ sei. Man sei auf die „bestmögliche Behandlung der Patientinnen bedacht“ und richte sich nach dem „Grundsatz, eine individualisierte Schmerzmedizin zu fördern“, so die DGS, die sich mit ihren PraxisLeitlinien explizit den offiziellen medizinischen Leitlinien entgegenstellt. Ein Ansatz, der von Vertreterinnen und Vertretern der Deutschen Schmerzgesellschaft, die an der Erstellung von AWMF-Leitlinien beteiligt ist, allerdings scharf kritisiert wird. Die Kooperation mit der DGGG steht im Zeichen der DGS-Kopfschmerzinitiative, die vor zwei Jahren startete, wie Dr. Johannes Horlemann, Präsident der DGS, erläutert. Die Initiative wird finanziell unterstützt von den drei Unternehmen Abbvie, Teva und Novartis. (ah)
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