Progesteronhemmer kann Brustkrebsrisiko reduzieren24. Juni 2022 Die Visualisierung zeigt die vermehrte Teilung und Krebsentstehung aus Vorläuferzellen im Brustgewebe, bedingt durch einen erhöhten Progesteronspiegel (links) im Vergleich zu einem niedrigen Progesteronspiegel (rechts). EUTOPS/ Uni Innsbruck Ein Team um Martin Widschwendter, Professor für Krebsprävention und Screening an der Universität Innsbruck, konnte im Rahmen einer Studie zeigen, wie das Risiko für aggressive Brustkrebserkrankungen bei BRCA-Mutationsträgerinnen ohne chirurgische Eingriffe minimiert werden könnte. Die Arbeit wurde im Fachmagazin Genome Medicine veröffentlicht. Das Risiko, an Krebs zu erkranken, hängt zum Teil von genetischen Faktoren ab: Frauen mit vererbten Mutationen in den BRCA1– oder BRCA2-Genen weisen ein erhöhtes Risiko für aggressiven Brustkrebs auf. Viele Trägerinnen dieser Mutationen – so auch die Schauspielerin Angelina Jolie, die ihre Brustamputation öffentlich thematisierte – entscheiden sich bereits in jungen Jahren für die vorbeugende chirurgische Entfernung ihres noch gesunden Brustgewebes. Das Team um Widschwendter, seit März 2020 Professor für Krebsprävention und Screening an der Universität Innsbruck und Leiter des vom Land Tirol gegründeten und in Kooperation mit der Uni Innsbruck und den Tirol Kliniken umgesetzten Instituts für Prävention und Screening (EUTOPS), hat nun erstmalig im Rahmen einer Studie die Möglichkeit einer medikamentösen Risikoreduktion ohne chirurgischen Eingriff nachgewiesen. Der Nachweis erfolgte über sogenannte epigenetische Methoden, welche auch in Zukunft zur individuellen Risikoüberwachung dienen könnte Progesteronhemmer „Unsere Forschungen haben gezeigt, dass Östrogen- und Progesteronspiegel bei BRCA1/2-Mutationsträgerinnen im Vergleich zu Frauen ohne diese Mutationen während des Menstruationszyklus erhöht sind“, erklärt Martin Widschwendter. Erhöhte Progesteronspiegel tragen zu einem höheren Brustkrebsrisiko bei. Das legte den Ansatz nahe, dass eine gezielte Beeinflussung des Progesteronspiegels das Krebsrisiko verringern könnte. „Progesteron führt zur vermehrten Teilung sogenannter Vorläuferzellen im Brustgewebe und lässt diese schneller altern. Ein vermehrter Anteil dieser häufig geteilten und gealterten Vorläuferzellen erhöht das Risiko für die Entstehung von Brustkrebs erheblich“, erläutert Widschwendter. Epigenetisches Monitoring Die Wissenschaftler um den Onkologen haben eine neue epigenetische Methode entwickelt, mit der sie den Anteil dieser häufig geteilten Vorläuferzellen bestimmen und so das Brustkrebsrisiko abschätzen können. Der neue „WID-Breast 29 Index“ untersucht DNA-Methylierung in 29 Regionen unseres Genoms. Je häufiger sich Vorläuferzellen teilen, umso höher wird das Ausmaß der Methylierung in diesen Regionen – und kann im Labor einfach gemessen werden. „Im Brustgewebe von Brustkrebspatientinnen zeigte sich dieser Index deutlich erhöht“, erklärt Martin Widschwendter. In der vorliegenden, im Fachmagazin Genome Medicine publizierten Arbeit konnten die Wissenschaftler*innen nun anhand des WID-Breast 29 Index zeigen, dass der Progesteronhemmer Mifepriston den Anteil der alten und damit gefährlichen Vorläuferzellen in der Brust von BRCA–Mutationsträgerinnen verringert und dementsprechend sehr wahrscheinlich das Krebsrisiko senkt. „Unsere Studienergebnisse weisen darauf hin, dass eine individuelle epigenetische Risikoüberwachung unter Verwendung des WID-Breast 29 Index uns helfen könnte zu verstehen, ob einfache Strategien – wie die Einnahme von Mifepriston – das persönliche Krebsrisiko ausreichend verringern können oder ob chirurgische Maßnahmen angezeigt sind“, erklärt Widschwendter.
Mehr erfahren zu: "Positionspapier zur Ambulantisierung der Brustkrebsoperation" Positionspapier zur Ambulantisierung der Brustkrebsoperation Die senologischen Fachverbände haben ein gemeinsames Positionspapier zur Ambulantisierung der Brustkrebsoperation veröffentlicht. Der Hintergrund: Unter den aktuellen Rahmenbedingungen führt die ambulante Durchführung von Brustkrebsoperationen zu einer erheblichen Unterfinanzierung zentraler, für […]
Mehr erfahren zu: "US-Forscher: Zystoskopie plus ctDNA-Test könnte unnötige Zystektomien vermeiden" US-Forscher: Zystoskopie plus ctDNA-Test könnte unnötige Zystektomien vermeiden Eine aktuelle Studie, die beim Genitourinary Cancers Symposium der American Society of Clinical Oncology (ASCO-GU) vorgestellt wurde, zeigte einen hohen negativ prädiktiven Wert (NPV) für verbleibenden Blasenkrebs für die Kombination […]
Mehr erfahren zu: "Bundestag beschließt Änderungen an Krankenhausreform" Bundestag beschließt Änderungen an Krankenhausreform Eine Neuaufstellung der Krankenhäuser in Deutschland steht eigentlich schon im Gesetz. Union und SPD bringen jetzt aber Nachbesserungen der Krankenhausreform durch.