Projekt PAIN2020 – handeln, bevor Schmerzen chronisch werden14. Oktober 2019 © Stockwerk-Fotodesign-AdobeStock Nach eineinhalbjähriger Aufbauzeit sind bundesweit rund 20 schmerzmedizinische Zentren dem von der Deutschen Schmerzgesellschaft e.V. und der Barmer ins Leben gerufenen Projekt PAIN2020 beigetreten. Ab sofort können Patienten, die schon längere Zeit an Schmerzen leiden, an dem Forschungsprojekt teilnehmen. PAIN2020 (Patientenorientiert. Abgestuft. Interdisziplinär. Netzwerk) ist speziell auf Patienten mit Schmerzen zugeschnitten, setzt früher an und ermöglicht eine interdisziplinäre Diagnostik und individuelle Therapieempfehlung für Risikopatienten. „Ein Risiko für eine Chronifizierung von Schmerzen besteht, wenn diese beispielsweise länger als sechs Wochen andauern oder immer wieder zurückkehren, obwohl der Patient in fachspezifischer Behandlung ist“, erklärte Prof. Claudia Sommer, Präsidentin der Deutschen Schmerzgesellschaft e.V. und Leitende Oberärztin und Schmerzforscherin an der Neurologischen Klinik und Poliklinik des Uniklinikums Würzburg, anlässlich des Schmerzkongresses 2019 in Mannheim. Auch wenn die Lebensqualität durch den Schmerz beeinträchtigt sei oder aufgrund der Schmerzen schon eine Arbeitsunfähigkeit bestehe, kann es sich um einen Risikopatienten handeln. PAIN2020 wird vom Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) mit sieben Millionen Euro gefördert und läuft über drei Jahre. Rund 20 Kliniken, Schmerzzentren und Schmerzambulanzen sind bereits PAIN2020-Zentren und haben die ersten Patienten in das Projekt aufgenommen. Weitere Zentren kommen in den nächsten Wochen hinzu. Insgesamt sollen 6000 Patienten in das Programm aufgenommen werden. Am Anfang der Behandlung steht ein Assessment. Der Patient wird umfassend von einem Team aus Ärzten, Psychologen und Physiotherapeuten untersucht, die im Anschluss eine interdisziplinäre multimodale Empfehlung geben. Das Team informiert und berät den Patienten gemeinsam, welche Therapie ambulant, stationär oder in einer Tagesklinik für ihn angemessen ist. In dem Forschungsprojekt werden zwei verschiedene, jeweils interdisziplinäre und multimodale (Schmerz) Therapiemodule erprobt, die die üblichen Therapieformen in der ambulanten Versorgung ergänzen sollen: Beim Therapiemodul „Edukation (E-IMST)“ handelt es sich um eine einmalige Schulung: Der Patient erhält in einer drei Stunden dauernden Gruppenschulung Basisinformationen zu Ursachen und Formen sowie zur Bewältigung von Schmerzen und über die Bedeutung von Eigenverantwortung in der Anwendung schmerzreduzierender Strategien.Das Therapiemodul „Begleitende Therapie (B-IMST)“ umfasst 30 Stunden, verteilt über zehn Wochen. In Gruppen von acht Patienten werden die Teilnehmer ebenfalls über die Erkrankung und die Methoden der Schmerzbewältigung informiert sowie dabei unterstützt, selbstverantwortlich mit körperlichen und psychischen Bedürfnissen umzugehen und Strategien im Umgang mit Schmerzen und anderen Belastungen zu entwickeln. Thomas Isenberg, Geschäftsführer der Deutschen Schmerzgesellschaft e. V. betonte: „Mit PAIN2020 werden neue Wege beschritten: Noch bevor die Schmerzen chronisch werden und ein langer Leidesweg beginnt, wird interveniert. Das Forschungsprojekt erprobt, was der Chronifizierung am besten entgegenwirkt. Und das kann dann spätestens im Jahr 2021 allen Patienten zu Gute kommen, wenn die Behandlungsansätze von PAIN2020 in die Regelversorgung übernommen werden.“ Wenn Barmer-Versicherte sich über die Sonderhotline des Teledoktors (Telefonnummer 0800 8484 333) melden und die Voraussetzung für eine Teilnahme besteht, wird der Kontakt zum nächstgelegenen PAIN2020-Zentrum hergestellt. Weitere Informationen:Teilnahmemöglichkeit testen: http://www.pain2020.de/patienteninformationen/ Karte mit den teilnehmenden Einrichtungen: http://www.pain2020.de/landkarte/
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