Projektförderung: Auf der Zielgeraden zum RNA-Medikament gegen Herzfibrose

Auf dem Weg zum Medikament gegen Herzfibrose: Thomas Thum erhält 2,5 Millionen Euro zur Weiterentwicklung seines RNA-Therapeutikums. Foto: ©Karin Kaiser/MHH

Das Forschungsteam um den Hannoveraner Kardiologen Prof. Thomas Thum erhält 2,5 Millionen Euro, um die Entwicklung eines Wirkstoffkandidaten gegen die Fibrosebildung bei Herzinsuffizienz voranzutreiben. 

Etwa vier Millionen Menschen in Deutschland leiden an Herzinsuffizienz. Ein Kennzeichen der Erkrankung ist die mit der Fibrosierung einhergehende Versteifung des Herzmuskels. Seit Jahren forscht Prof. Thomas Thum, Leiter des Instituts für Molekulare und Translationale Therapiestrategien der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), an einem Mittel gegen die bislang unheilbare Herzfibrose. Dafür hat er bereits die höchsten Wissenschaftsförderungen der Europäischen Union erhalten. Jetzt unterstützt der Europäische Forschungsrat (European Research Council, ERC) den Mediziner erneut. Im Rahmen der neu geschaffenen Förderlinie für Innovationen erhält der Wissenschaftler rund 2,5 Millionen Euro für sein Projekt FIBREX. Ziel ist, ein von ihm entdecktes Therapeutikum zu einem Arzneimittelkandidaten weiterzuentwickeln.

RNA-Gegenspieler senkt Fibroseneigung des Herzens

Im Kampf gegen die Herzfibrose setzen Thum und sein Forschungsteam auf long noncoding RNAs (lncRNA), welche bestimmte Vorgänge in den Zellen steuern. Im ERC-Projekt LONGHEART haben sie die lncRNA Meg3 entdeckt, welche an der Fibrosebildung bei Herzinsuffizienz beteiligt ist. Thum und Kollegen entwickelten daraufhin einen passgenaues Antisense-Oligonukleotid gegen lncRNA Meg3. Im Mausmodell verringerte sich die Fibroseneigung unter Verwendung dieses Wirkstoffes deutlich, wie die Forschenden bereits 2017 in einer Publikation in „Circulation Research“ belegen konnten. Im ERC-Folgeprojekt MEGFIB untersuchte das Forschungsteam, ob der Meg3-Hemmer auch in menschlichen Herzmuskelzellen und Herzgewebe die Fibrose stoppen und die Herzschwäche verbessern konnte. „Unsere revolutionäre Technologie hat ausgezeichnet funktioniert“, freut sich der Kardiologe.

Förderung ermöglicht Weiterentwicklung zu Medikament

Das FIBREX-Projekt ist nun die logische Fortführung der Forschungsarbeit. „Wir überprüfen nun den Meg3-Inhibitor in Tiermodellen weiter auf Wirksamkeit Sicherheit, um die klinische Reife zu erreichen“, erklärt Thum. Für diese Phase der Medikamentenentwicklung ist es in der Regel sehr schwierig, die nötige finanzielle Unterstützung zu bekommen. „Die neue EU-Innovationsförderlinie schließt diese Lücke nun“, betont Thum. „Wir sind zuversichtlich, dass wir unseren patentierten Meg3-Hemmer zu einem wirksamen Fibrose-Medikament weiterentwickeln werden, das die medizinische Praxis drastisch revolutioniert, die Kosten im Gesundheitswesen senkt und nicht zuletzt das Leben der Patientinnen und Patienten erheblich verbessert.“