Propranolol könnte Schlaganfallrisiko bei Frauen mit Migräne senken6. Februar 2025 Symbolfoto: ©Farknot Architect/stock.adobe.com Menschen mit Migräne haben ein erhöhtes Risiko, einen ischämischen Schlaganfall zu erleiden. Die Behandlung mit einem Betablocker scheint hier präventiv wirksam zu sein, zeigen neue Forschungsergebnisse. Migränekopfschmerzen sind in der Allgemeinbevölkerung weit verbreitet, treten jedoch bei Frauen dreimal so häufig auf wie bei Männern. Gerade bei jungen Erwachsenen hat sich die Migräne als wichtigster nichttraditioneller Risikofaktor für einen Schlaganfall herausgestellt. Der Betablocker Propranolol wird sowohl zur Behandlung von kardiovaskulären Erkrankungen wie Bluthochdruck als auch zur Vorbeugung von Migräne eingesetzt. Seine Wirksamkeit bei der Verringerung des allgemeinen Schlaganfallrisikos ist jedoch noch ungewiss. Eine neue Studie, deren vorläufige – und noch nicht im Peer-Review-Verfahren begutachtete – Ergebnisse im Rahmen der International Stroke Conference 2025 der American Stroke Association in Los Angeles (USA) vorgestellt wurden, attestiert dem Medikament eine teilweise schützende Wirkung. Bei Frauen, die Propranolol zur Migräneprophylaxe einnahmen, konnte es mit einer Verringerung des Risikos eines ischämischen Schlaganfalls in Verbindung gebracht werden – insbesondere bei jenen ohne Aura. Bei Männern hatte Propranolol jedoch nicht die gleiche Schutzwirkung. Analyse von Millionen Patientendaten Die Studie wurde an der Vanderbilt University School of Nursing und der Abteilung für Biomedizinische Informatik am Vanderbilt University Medical Center (VUMV) in Nashville durchgeführt. Für die Studie untersuchten die Forscher mehr als drei Millionen elektronische Krankenakten aus zwei großen Datenbanken: die vom VUMC geführte Synthetic Derivative mit mehr als drei Millionen Patienten und das von den National Institutes of Health verwaltete All of Us Research Program mit US-weit mehr als 230.000 Patienten. In separaten Analysen unterschieden die Forscher zwischen Migränepatienten, die einen Schlaganfall erlitten, und Migränepatienten, die keinen Schlaganfall erlitten (Kontrollgruppe). Anschließend untersuchten sie, ob die Personen wegen Migräne mit Propranolol behandelt wurden und ob diese Behandlung das Schlaganfallrisiko beeinflusst hatte. „Wir betrachteten zunächst den Schlaganfall insgesamt und dann speziell den ischämischen Schlaganfall“, erklärt Hauptautor Dr. Mulubrhan Mogos, Assistenzprofessor an der Vanderbilt University School of Nursing. Um für mögliche Störfaktoren zu kontrollieren, erfolgte eine Bereinigung um Variablen wie demografische Merkmale (Alter, Geschlecht, Ethnie), Begleiterkrankungen (Bluthochdruck, Diabetes usw.) und hormonelle Faktoren (Verwendung von Verhütungsmitteln, Schwangerschaft – für jede Frau getrennt betrachtet), die die Ergebnisse beeinflussen könnten. Geschlechtsspezifische Wirkung von Propranolol Im Ergebnis stand Propranolol in signifikantem Zusammenhang mit einem geringeren Risiko für einen ischämischen Schlaganfall bei Frauen mit Migräne, insbesondere jenen ohne Aura. Das Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden, war bei Frauen, die das Medikament einnahmen, in einer Datenbankanalyse um 52 Prozent und in der anderen um 39 Prozent niedriger. Bei Männern wurde in keiner der beiden Analysegruppen eine Verringerung des Schlaganfallrisikos festgestellt. Sekundäranalysen ergaben, dass die Schlaganfallrate bei Frauen, die Propranolol einnahmen, zu mehreren Zeitpunkten in beiden Datenbanken insgesamt niedriger war. „Viele Frauen leiden unter Migräne, und es ist wichtig festzustellen, dass Propranolol für diese Frauen von Nutzen sein kann, insbesondere für diejenigen, die unter Migräne ohne Aura leiden. Dies ist eine wichtige Entdeckung für alle, die mit Migräne zu tun haben“, betont Mogos. „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass Frauen und Angehörige der Gesundheitsberufe über die Vorteile präventiver Migränebehandlungen sprechen sollten.“ Ein Medikament – doppelte Prophylaxe Prof. Tracy E. Madsen, Vorsitzende des American Heart Association Clinical Cardiology/Stroke Women’s Health Science Committee, ergänzt: „Migräne ohne Aura wird oft als Risikofaktor für einen Schlaganfall übersehen, insbesondere bei Frauen, bei denen die bisherige Literatur gezeigt hat, dass Migräne ein stärkerer und wichtigerer Risikofaktor ist als bei Männern.“ Die Expertin, die nicht an der Studie beteiligt war, ist von den neuen Studienergebnissen nicht überrascht. Es gebe deutliche Hinweise, dass Medikamente, die ähnlich wie Propranolol zur Behandlung von Bluthochdruck eingesetzt werden, das Schlaganfallrisiko erheblich senken. „Für Frauen, die häufig unter Migräne leiden, sind die Ergebnisse jedoch möglicherweise sehr hilfreich, da sie darauf hindeuten, dass es eine gute medikamentöse Option gibt, die sowohl Migräne als auch Schlaganfällen vorbeugen kann“, betont Madsen. Weiter hebt sie hervor, die bekannten geschlechtsspezifischen Unterschiede bei den Schlaganfall-Risikofaktoren könnten genutzt werden, um die Versorgung zu individualisieren. Da es sich um eine retrospektive Studie handelt, können die Daten gewissen Verzerrungen unterliegen. Um die Ergebnisse zu bestätigen, sollten prospektive Studien folgen. (ah)
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