Prostatakarzinom: Kohortenstudie vergleicht fünf Therapieoptionen4. September 2024 © Leonidas – stock.adobe.com (Symbolbild) Die Überlebensrate für Männer, die unter lokalisiertem Prostatakarzinom (PCa) mit einem höheren Risiko leiden, scheint bei denjenigen am höchsten zu sein, deren erste Behandlung eine Operation und nicht eine Strahlentherapie, Hormonbehandlung oder Überwachung war. Dies ergibt eine große Kohortenstudie mit Langzeitnachbeobachtung aus dem multizentrischen, prospektiven, größtenteils gemeindebasierten Register „Cancer of the Prostate Strategic Urologic Research Endeavor“ (CaPSURE). Die Autorengruppe um Matthew R. Cooperberg von der University of California in San Francisco (CA, USA) verglich das Langzeitüberleben bei Männern, die sich einer radikalen Prostatektomie (RP), Brachytherapie (BT), externen Strahlentherapie (EBRT), primären ADT (PADT) oder Überwachung (active surveillance [AS] / watchful waiting [WW]) wegen PCa unterzogen hatten. In Betracht kamen Männer mit durch Biopsie nachgewiesenem, klinisch lokalisiertem T1–3aN0M0-PCa. Ihre Daten wurden innerhalb von 6 Monaten nach der Diagnose nacheinander erfasst. Bei allen lagen Informationen über das klinische Risiko vor, und die Beobachtungszeit nach der Diagnose erstreckte sich auf ≥12 Monate. Erstautorin Annika Herlemann und ihre Kollegen führten multivariable Analysen durch, um die PCa-spezifische Mortalität (PCSM) und die Gesamtmortalität nach Primärbehandlung zu vergleichen. Dabei wandten sie eine umfassende Adjustierung an in Bezug auf Alter und Fallmix unter Verwendung des Scores im „Cancer of the Prostate Risk Assessment“ (CAPRA) und eines gut validierten Nomogramms. Von 11.864 Männern unterzogen sich 6227 (53%) einer RP, 1645 (14%) einer BT, 1462 (12%) einer EBRT, 1510 (13%) einer PADT und 1020 (9%) wurden mit AS/WW behandelt. Im Median 9,4 Jahre (IQR 5,8–13,7) nach der Behandlung waren 764 Männer an PCa gestorben. Nach Anpassung an den CAPRA-Score betrugen die HRs für PCSM mit RP als Referenz 1,57 (95%-KI 1,24–1,98; p<0,001) für BT, 1,55 (95%-KI 1,26–1,91; p<0,001) für EBRT, 2,36 (95%-KI 1,94–2,87; p<0,001) für PADT und 1,76 (95%-KI 1,30–2,40; p<0,001) für AS/WW. In Modellen für langfristige Ergebnisse waren die PCSM-Unterschiede bei Erkrankungen mit geringem Risiko vernachlässigbar und nahmen mit zunehmendem Risiko progressiv zu. Fazit „In einer großen, prospektiven Kohorte von Männern mit lokalisiertem PCa war nach Anpassung an Alter und Komorbidität die PCSM nach lokaler Therapie bei Patienten mit einem höheren Krankheitsrisiko und insbesondere nach RP niedriger“, resümieren die Autoren. Sie schränken ein, dass es sich um eine nichtrandomisierte Studie handelt und merken an, dass eine Bestätigung dieser Ergebnisse durch eine langfristige Nachbeobachtung laufender Studien noch ausstehe. (ms) Autoren: Herlemann A et al. Korrespondenz: Matthew R. Cooperberg, [email protected] Studie: Long-term Prostate Cancer-specific Mortality After Prostatectomy, Brachytherapy, External Beam Radiation Therapy, Hormonal Therapy, or Monitoring for Localized Prostate Cancer Quelle: Eur Urol 2024 Jun;85(6):565–573. Web: https://doi.org/10.1016/j.eururo.2023.09.024