Prostatakrebs-Früherkennung: Die Schere zwischen Leitlinien und Alltag17. September 2025 Wieder Zoff um den PSA-Test – diesmal aus berufspolitischer Sicht. Symbolbild: utah51 – stock.adobe.com Bei der Früherkennung von Prostatakrebs prallen evidenzbasierte Forschung und Versorgungsrealität aufeinander. Der Berufsverband der Deutschen Urologie (BvDU) fordert eine harmonische Balance zwischen den Leitlinienempfehlungen und den praktischen Herausforderungen im klinischen Alltag. Was aufgrund von Studiendaten so eindeutig aussieht, ist es in der Versorgungsrealität nicht immer – besonders, wenn die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) die empfohlenen Maßnahmen nicht finanziert. So ist es bei der Früherkennung von Prostatakrebs: Die digital-rektale Untersuchung (DRU), die nicht mehr als alleinige Maßnahme empfohlen wird (wir berichteten), ist eine GKV-Leistung, der nunmehr favorisierte PSA-Test mit gegebenenfalls weiterer Abklärung per Magnetresonanztomographie (MRT) jedoch nicht. Aus diesen Gründen haben die aktuellen Empfehlungen berufspolitische Relevanz, wie der BvDU in einer aktuellen Mitteilung betont. Fünf Punkte sind aus BvDU-Sicht von Bedeutung: der Stellenwert der DRU und der PSA-Bestimmung, die Rolle der MRT, die Empfehlung zur Durchführung der Stanzbiopsie und die Rolle der Untersuchung per PSMA-PET (Prostataspezifisches-Membranantigen-Positronenemissionstomographie). Berufsverband beklagt mangelnde Begriffspräzision Aus Überzeugung des BvDU-Vorstandes ist eine Quelle des Disputes um einige Inhalte der aktuellen Leitlinie „ganz sicher die mangelnde Präzision, mit der Begrifflichkeiten in der Vergangenheit eingeführt und bis zum heutigen Tag in der Breite fehlerhaft und unscharf kommuniziert werden.“ Hiermit dürfte die mangelnde Unterscheidung zwischen PSA-Test und Prostatakrebs-Screening, zwischen Früherkennung und Vorsorge sowie zwischen Erstdiagnostik und Verlaufskontrolle, welche in der Tat in den Publikumsmedien häufig vermischt werden, gemeint sein. Im Weiteren ergeht sich der Verband denn auch in Medienschelte in Bezug auf die „hohe mediale Aufmerksamkeit, die dem vermeintlichen völligen Wegfall der DRU bei der nächsten Vorstellung in der urologischen Praxis zuteil wurde“: „Leider war hier vorschnell aus der laufenden Arbeit der Kommission Unfertiges kolportiert worden, was zu einer erheblichen Miss-Interpretation der Empfehlung führen musste.“ Der Verband betont, dass nur durch eine integrative Herangehensweise, die sowohl wissenschaftliche Evidenz als auch praktikable Umsetzungsperspektiven berücksichtigt, die bestmögliche Versorgung der Patienten gewährleistet werden könne. „Das Angebot sollte dann allen Versicherten zugutekommen. Der Berufsverband setzt sich in allen relevanten Gremien weiter dafür ein, diese Balance immer wieder aufs Neue zu finden und die berufspolitische Stimme einzubringen“, heißt es abschließend. (ms/BIERMANN)
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