Prostatakrebs: Hormontherapie nach postoperativer Bestrahlung laut Metaanalyse meist ohne Nutzen9. März 2026 Symbolbild: photoopus – stock.adobe.com Die Hinzunahme einer Hormontherapie zur postoperativen Strahlentherapie bei Prostatakrebspatienten mit einem PSA-Wert <0,5 ng/ml bietet keinen relevanten Überlebensvorteil. Dies ergibt eine Studie höchster Evidenz, die beim Genitourinary Cancers Symposium der American Society of Clinical Oncology (ASCO GU) präsentiert wurde. Bei dem Kongress vom 26. bis 28. Februar 2026 in San Francisco (USA) stellte Amar U. Kishan von der Abteilung für Radioonkologie an der University of California Los Angeles (USA) die Daten der POSEIDON-Metaanalyse vor, die gleichzeitig in „The Lancet“ publiziert wurden. In die Metaanalyse zogen die Autoren die individuellen Daten von 6057 Patienten aus sechs Phase-III-Studien mit einer medianen Nachbeobachtungszeit von 9,02 Jahren ein. Ziel der Wissenschaftler war es, den Nutzen einer Hormontherapie in Kombination mit postoperativer Strahlentherapie allgemein, mit einer zusätzlichen kurzfristigen Hormontherapie (4–6 Monate) oder einer zusätzlichen langfristigen Hormontherapie (24 Monate) zu untersuchen. „Die Hormontherapie hat in Kombination mit einer Strahlentherapie bei Männern mit intakter Prostata nachweislich die Behandlungsergebnisse verbessert. Ob sie jedoch einen ähnlichen Nutzen für Männer hat, die nach einer Operation eine Strahlentherapie erhalten, war bisher unklar“, so Kishan. „Gleichzeitig birgt die Hormontherapie erhebliche Nebenwirkungen, darunter starke Müdigkeit, Hitzewallungen, sexuelle Funktionsstörungen, Gewichtszunahme, Knochenschwund und Stoffwechselveränderungen, die das kardiovaskuläre Risiko erhöhen können“, erklärt der Radioonkologe. Kein Nutzen bei PSA ≤0,5 vor Bestrahlung Die Metaanalyse ergab, dass die zusätzliche Gabe einer Hormontherapie zur Strahlentherapie das Gesamtüberleben (OS) nicht verbesserte (Hazard Ratio [HR] 0,87; 95%-Konfidenzintervall [KI] 0,76–1,01; p=0,06). Es zeigte sich auch keine signifikante Wechselwirkung zwischen der Dauer der Hormontherapie und diesem Outcome (p für Interaktion 0,25). Eine bedeutende Rolle für die Wirksamkeit einer Hormontherapie in diesem Setting scheint jedoch der PSA-Wert vor der Strahlentherapie zu spielen. In der Metaanalyse zeigte sich eine signifikante Wechselwirkung basierend auf einem PSA-Wert >0,5 ng/ml vs. ≤0,5 ng/ml (p für Interaktion 0,02). Dies deutet darauf hin, dass eine Hormontherapie möglicherweise nur für Patienten mit erhöhten PSA-Werten sinnvoll ist. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass die postoperative Strahlentherapie bei den meisten Männern mit nachweisbaren, aber niedrigen PSA-Werten nach einer Prostataentfernung für sich allein sehr wirksam ist. Indem wir bei diesen Patienten auf eine Hormontherapie verzichten, können wir ihnen möglicherweise monatelange Behandlungen ersparen, die ihre Lebensqualität erheblich beeinträchtigen könnten, ohne das Überleben zu verlängern“, beschreibt Kishan den Zweck der Analyse. Wechselwirkung von PSA-Wert und Bestrahlungsdauer Einen Unterschied fanden die Studienautoren in Bezug auf die Länge der Hormontherapie in Bezug auf die PSA-Werte vor der postoperativen Strahlentherapie: Bei den Patienten, die in den analysierten Studien zum Erhalt einer kurzfristigen gegenüber keiner Radiotherapie randomisiert wurden (n=3938), schloss die obere Grenze des 95%-KI der HR für das OS den Wert 1 ein. Hingegen fiel die obere Grenze des 95%-KI für das OS bei Patienten, die mit bzw. ohne Langzeit-Hormontherapie behandelt wurden (n=1088), bei einem PSA-Wert >1,6 ng/ml unter 1,0. „Unser Ziel ist es stets, den Krebs so zu behandeln, dass die Nebenwirkungen minimiert werden“, betont Kishan. „Diese Studie hilft uns, die Behandlung von Männern mit Prostatakrebs individueller zu gestalten. Indem wir besser erkennen, wer tatsächlich von einer Hormontherapie profitiert, können wir die Behandlung gezielter einsetzen, unnötige Eingriffe reduzieren und uns auf die Verbesserung des allgemeinen Wohlbefindens der Patienten konzentrieren.“ (ms)
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