Prostatakrebs in Deutschland, Großbritannien und USA: Deutliche Unterschiede16. Februar 2022 Foto: momius – stock.adobe.com Eine aktuelle Online-Umfrage mit 15.000 Patienten in Deutschland, Großbritannien und den USA hat ergeben, dass Prostatakrebs bei US-Amerikanern und Deutschen häufiger durch Screening entdeckt wurde als bei den Briten. Dort waren zudem symptomatische Diagnosen häufiger. Die Studie wird beim ASCO-GU-Kongress präsentiert, der vom 17.-19.02.2022 in San Francisco (USA) und online stattfindet. Alicia K. Morgans vom Dana-Farber Cancer Institute in Boston (MA, USA) und ihre Koautoren wollten die Erfahrungen, Erwartungen und Einstellungen der Patienten kennenlernen, zudem wollte das Team die Herausforderungen und unerfüllten Bedürfnisse in Bezug auf Diagnose, Therapiemuster, Pflegeteams, Lebensqualität, Patientenorganisationen und Ressourcen identifizieren. In Deutschland war das Universitätsklinikum Köln an der Studie beteiligt. Im Auftrag der Studienautoren führte das Münchner Unternehmen “Don’tBePatient Intelligence” vom 9. Februar bis 10. April 2021 in Zusammenarbeit mit Patientenorganisationen und Ärzten eine große Umfrage bei Patienten mit nichtmetastasiertem (M−) und metastasiertem (M+) Prostatakarzinom in Deutschland, Großbritannien und den USA durch. Die Rekrutierung erfolgte über Social-Media-Werbung und die Patientenorganisationen. Von 33.882 Patienten, die mit der Umfrage begannen, beantworteten 15.824 alle 83 Fragen. Die Verteilung der Patienten auf ländliche und städtische Gebiete war ausgeglichen (50,1% bzw. 49,9%). ln Deutschland und den USA wurde die Diagnose häufiger infolge von Vorsorgeuntersuchungen gestellt als in Großbritannien (M−/M+: D 77%/58%; US 77%/63%; UK 42%/21%). Britische Patienten hatten häufiger symptomatische Prostatakarzinome (M−/M+: UK 49%/75%; D 18%/39%; US 12%/31%). Prostatektomie war in Deutschland und den USA die vorherrschende Therapie bei nichtmetastasiertem Prostatakarzinom (71% bzw. 57%). In Großbritannien erhielten die Patienten etwas häufiger eine Strahlentherapie als eine Prostatektomie (48% vs. 41%), dort wurden die Patienten auch häufiger überwacht als in Deutschland und den USA (GB 14%; D 6%; US 9%). Die Hormontherapie war in allen Ländern die häufigste Therapie bei metastasiertem Prostatakarzinom (D 65%; UK 77%; US 73%). Mit Chemotherapie wurden in allen Ländern weniger als 2% der Patienten mit nichtmetastasiertem Prostatakrebs behandelt. Bei metastasierter Erkrankung gaben die britischen Ärzte ihren Patienten häufiger Chemotherapie als in den anderen beiden Ländern (GB 38%; D 21%; US 27%). Die Zufriedenheitswerte waren im Allgemeinen hoch (>80 %) für alle Therapien in allen Ländern.“Die vorläufigen Daten deuten darauf hin, dass die Screening-Raten in Großbritannien niedriger sind als in Deutschland und den USA; dies kann mit der höheren Rate an symptomatischen und potenziell späteren Diagnosen korrelieren, was die Rolle des Routine-Screenings unterstreicht”, kommentieren Morgans und Kollegen ihre Ergebnisse. (ms)
Mehr erfahren zu: "Kasse: Krankheitsausfälle im Job auch 2025 auf hohem Niveau" Kasse: Krankheitsausfälle im Job auch 2025 auf hohem Niveau Erkältungen, psychische Probleme, Rückenschmerzen: Fehlzeiten von Beschäftigten wegen Krankheit halten sich hartnäckig, wie neue Daten zeigen. Politiker stellen Regelungen wie die telefonische Krankschreibung infrage. Auch neue Modelle werden diktutiert.
Mehr erfahren zu: "Merz kritisiert hohen Krankenstand – Liegt es an telefonischer Krankschreibung?" Merz kritisiert hohen Krankenstand – Liegt es an telefonischer Krankschreibung? Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat angesichts aktueller Zahlen zu viele Fehltage wegen Krankheit kritisiert. Seine Partei stellt insbesondere die Möglichkeit zur telefonischen Krankschreibung, die während der Corona-Pandemie eingeführt wurde, infrage.
Mehr erfahren zu: "Reproduktionsimmunologie: Jenaer Professor DGRM-Vorsitz" Reproduktionsimmunologie: Jenaer Professor DGRM-Vorsitz Mit Beginn dieses Jahres hat Prof. Udo Markert den Vorsitz der Deutschen Gesellschaft für Reproduktionsmedizin (DGRM) übernommen. Das hat das Universitätsklinikum Jena mitgeteilt.