PSA-Persistenz und Hochrisiko-Pathologie nach Prostatektomie – Was nun?

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Ein Urologen- und Wissenschaftler-Team aus den USA und Italien hat untersucht, ob sich die Mortalität von Patienten mit PSA-Persistenz und pathologisch als Hochrisiko-Erkrankung eingestuftem Prostatakrebs (PCa) nach roboterassistierter radikaler Prostatektomie (RALP) von den anderen Patienten unterscheidet.

Die Autoren gingen in dem Langzeitbericht des Henry Ford Hospital in Detroit zudem der Frage nach, ob die genannten Patienten häufiger weitere Behandlungen benötigten. Diese Patientengruppe sei in der Literatur bisher unzureichend untersucht, betonen Alessandro Bertini (Detroit/Mailand) und Kollegen im Journal „The Prostate“.

Zunächst schlossen die Mediziner 803 Patienten in ihre Studie ein, die sich zwischen 2001 und 2022 einer RALP aufgrund eines Hochrisiko-PCa (pT ≥3a, pN0-1 oder Gleason-Gruppe ≥4) unterzogen hatten. Dann entfernten sie Patienten ohne ausreichende Informationen zum PSA-Verlauf (n=128) aus der Analyse. Die Wissenschaftler erstellten Kaplan-Meier-Kurven zur Schätzung des Überlebens ohne zusätzliche Behandlung (additional treatment-free survival, ATFS) und der Mortalität aufgrund jeglicher Ursache (all-cause mortality, ACM). Sie verwendeten die Methode der konkurrierenden Risiken zur Schätzung der krebsspezifischen Mortalität (CSM) nach Stratifizierung anhand der PSA-Persistenz. Schließlich nutzten sie Modelle konkurrierender Risiken und Cox-Regressionsmodelle, um den Einfluss der PSA-Persistenz auf drei Endpunkte zu untersuchen, nämlich die Tumorrezidivrate, CSM und ACM.

Die finale Kohorte umfasste 675 Patienten. 187 davon (27,7%) wiesen nach der Operation eine PSA-Persistenz auf. Das mediane Alter zum Zeitpunkt der Operation betrug 64 Jahre (Interquartile Range IQR 59–68), und die mediane Nachbeobachtungsdauer erstreckte sich über 75 Monate (IQR 33–125).

Häufiger Folgetherapien nötig

Patienten mit PSA-Persistenz hatten bereits zum Zeitpunkt der Operation häufiger höhere PSA-Werte (8 vs. 7 ng/ml; p<0,001), wiesen häufiger einen pathologischen Befund pT3b–4 auf (62,5% vs. 39,9%; p<0,001) und hatten bereits einen befallenen Lymphknoten (pN1; 55,6% vs. 35,7 %; p<0,001). Zudem waren bei ihnen positive Absetzungsränder (positive surgical margins, PSM) häufiger (65,2% vs. 43,4%; p<0,001). Darüber hinaus erhielten Patienten mit PSA-Persistenz häufiger eine Hormontherapie (HT) (24,1% vs. 11,9%; p<0,001) oder eine Kombination aus Radiotherapie (RT) und HT (50,8% vs. 31,1%; p<0,001) Sie wiesen im Vergleich zu Patienten mit nicht nachweisbarem PSA höhere mediane PSA-Werte unter RT auf (0,6 vs. 0,2 ng/ml; p<0,001).

Zehn Jahre nach RALP betrugen die CSM- bzw. ACM-freie Überlebensrate bei Patienten mit persistierendem vs. nicht nachweisbarem PSA 79,7% vs. 90,3% (Gray-Test; p=0,001) bzw. 72,1% vs. 79,6% (Log-Rank-Test; p=0,013) Die 10-Jahres-Raten für das ATFS betrugen entsprechend 6,6% vs.. 33,2% (Log-Rank-Test; p<0,0001) bei persistierendem bzw. nicht nachweisbarem PSA. In der multivariaten Analyse war persistierendes PSA mit zusätzlichen Therapien assoziiert (HR: 3,05; p<0,001), jedoch nicht mit CSM (HR 1,49; p=0,2) oder ACM (HR: 1,09; p=0,9).

Obwohl Bertini und Kollegen in den Ergebnissen Unterschiede wie zitiert angeben, schlussfolgern sie: „Patienten mit Hochrisiko-PCa und persistierendem PSA nach RALP wiesen trotz eines höheren Risikos für eine zusätzliche Therapie (HT und/oder RT) nach 10 Jahren keine ungünstigeren Ergebnisse hinsichtlich der Krebskontrolle auf als Patienten mit nicht nachweisbarem PSA.“ Die Autoren betonen, ihr Bericht biete die längste Nachbeobachtungszeit nach RALP für diese Patientengruppe und sei somit eine wertvolle Informationsquelle für die Beratung von Patienten hinsichtlich der langfristigen onkologischen Ergebnisse dieses Eingriffs und postoperativer adjuvanter bzw. Salvage-Therapien.

(ms)