Psoriasis: Haut-Knochenmark-Achse und Neutrophile im Fokus18. August 2026 Symbolbild: © helivideo – stock.adobe.com Forschende aus Japan und Korea haben ein Kommunikationsnetzwerk zwischen Haut und Knochenmark entdeckt, das die psoriatische Entzündung antreibt. Die in „EMBO Molecular Medicine“ veröffentlichte Studie zeigt eine entscheidende, bislang unterschätzte Rolle neutrophiler Granulozyten auf und schlägt einen neuen Angriffspunkt für künftige Therapien vor. Verbindung zwischen Haut und Knochenmark Ein Kennzeichen der psoriatischen Haut ist die starke Akkumulation neutrophiler Granulozyten, die winzige Mikroabszesse (Munro-Mikroabszesse) bilden und die Entzündung verstärken. Da diese Zellen von Natur aus kurzlebig sind, muss der Körper sie kontinuierlich über einen im Knochenmark ablaufenden Prozess, die sogenannte Granulopoese, neu bilden. Anhand eines induzierbaren Psoriasis-Mausmodells und mittels 3D-Intravitalmikroskopie entdeckten die Forschenden, dass eine lokale Hautentzündung einen Fernalarm auslöst. Konkret aktivieren Umweltreize hautresidente Endothelzellen, die daraufhin große Mengen an Granulozyten-Kolonie-stimulierendem Faktor (G-CSF) zu produzieren. Dieses aus der Haut stammende G-CSF gelangt über den Blutkreislauf ins Knochenmark und löst dort eine „Notfallgranulopoese” aus, die zu einem massiven Überangebot an inflammatorischen neutrophilen Granulozyten führt. Diese neu gebildeten Neutrophilen wandern anschließend über erweiterte Blutgefäße zurück und infiltrieren die Haut, wo sie hohe Mengen reaktiver Sauerstoffspezies (ROS) und Interleukin-17A (IL-17A) produzieren und dadurch die Gewebeschädigung verstärken. Potenzial für Kombinationstherapien Als das Forschungsteam die G-CSF-Signalübertragung blockierte oder die Neutrophilen mittels neutralisierender Antikörper depletierte, sank die Neutrophilenlast in der Haut deutlich. Sowohl die klinischen als auch die histologischen Psoriasis-Symptome besserten sich. Darüber hinaus bestätigten die Analysen öffentliche zugänglicher humaner Patientendatenbanken sowie die Einzelzell-RNA-Sequenzierung, dass dieser von der Haut ausgehende G-CSF-Mechanismus auch bei der humanen Psoriasis aktiv ist. „Unsere Ergebnisse decken eine pathologische organübergreifende Rückkopplungsschleife zwischen Haut und Knochenmark auf”, erklärt Prof. Hitoshi Takizawa vom International Research Center for Medical Sciences der Kumamoto-Universität in Japan. Da aktuelle Biologika vorwiegend auf die adaptive Immunität (etwa T-Zell-Signalwege) abzielen und die neutrophilenvermittelte Entzündung nur begrenzt kontrollieren, könnte die Kombination bestehender Therapien mit Wirkstoffen, die diese G-CSF/Neutrophilen-Achse blockieren, den Weg für eine umfassendere und länger anhaltende Linderung bei Patienten mit Psoriasis ebnen. (ins)
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