Psoriasis-Therapie: Neuer Ansatz mit lichtaktivierbarem Wirkstoff

Frau zeigt ihren Ellenbogen mit Psoriasis-Läsion
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Eine neue Studie in „ACS Central Science“ zeigt, dass lichtaktivierbare Wirkstoffe das Potenzial haben, Psoriasis gezielt zu behandeln – und dabei die Nebenwirkungen klassischer Vitamin‑D‑Rezeptor‑Agonisten vermeiden.

Forschende aus Spanien und den USA haben eine Reihe lichtaktivierbarer Arzneimittelkandidaten entwickelt, die sich als potenzielle Therapieoption für Psoriasis eignen könnten. Ihre Studienergebnisse stützen das Konzept, dass photopharmakologische Ansätze genutzt werden können, um systemisch verabreichte Wirkstoffe lokal zu aktivieren. Dieser Fortschritt eröffnet den Weg zu gezielten und weniger invasiven Behandlungen für Hauterkrankungen wie Psoriasis.

Photosensitive Moleküle entfalten bei Anwendung zunächst keine Wirkung, verändern jedoch ihre Struktur, wenn sie unter definierten Lichtbedingungen bestrahlt werden. Dadurch lässt sich ihre Wirkung an Zielrezeptoren lichtgesteuert auslösen. Dieser Ansatz ermöglicht eine externe Kontrolle des therapeutischen Effekts dieser neuen Wirkstoffgeneration mit höherer Präzision, reduziert Nebenwirkungen und eröffnet neue Perspektiven für hochspezifische Therapien.

Die Umsetzung photopharmakologischer Strategien in der Arzneimittelentwicklung wird jedoch durch verschiedene Herausforderungen erschwert, unter anderem durch die begrenzte Eindringtiefe von Licht. Unter diesem Gesichtspunkt ist die Haut das am besten zugängliche Gewebe des Menschen für lichtbasierte Therapien.

Erkrankung mit ungedecktem therapeutischem Bedarf

Unter den Hauterkrankungen zählt Psoriasis zu den häufigsten und belastendsten. In den vergangenen Jahren wurden neue Arzneimittel für mittelschwere bis schwere Psoriasis zugelassen, von denen viele auf Biologika beruhen, die Zytokine adressieren. Obwohl diese Therapien die psoriatische Entzündung deutlich reduzieren und weniger Nebenwirkungen aufweisen, sind sie kostenintensiv. Zudem sind diese Biologika für lokal begrenzte (milde) Psoriasisformen nicht indiziert, und einige Betroffene weisen Läsionen in besonders sensiblen Arealen auf.

Die Aktivierung des Vitamin‑D‑Rezeptors (VDR) hat sich als vorteilhaft bei Psoriasis erwiesen. Seine zentrale Rolle im Kalziumstoffwechsel limitiert jedoch die klinische Anwendung, da das Risiko einer Störung des Kalziumhaushalts (Hyperkalzämie) besteht, die unter anderem zu Skelettfehlbildungen führen kann. Obwohl verschiedene Pharmaunternehmen Programme zur Identifizierung oral verabreichter VDR‑Liganden ohne diese Nebenwirkungen verfolgt haben, ist bislang kein Medikament zur Marktreife gelangt. Die gängigsten Optionen sind weiterhin topische Formulierungen.

Photokontrollierbare VDR‑Agonisten

„Ziel dieser Studie war das Design und die Synthese einer Reihe photokontrollierbarer VDR‑Agonisten“, erläutert Dr. Xavier Rovira, Wissenschaftler am Institute for Advanced Chemistry of Catalonia (IQAC) des Spanischen Nationalen Forschungsrats (CSIC). „Schließlich arbeiteten wir mit einem optimierten Molekül, PhotoVDRM, das im Dunkeln inaktiv ist und selektiv durch Licht mit definierten Wellenlängen bzw. Farben aktiviert werden kann – darunter sichtbares blaues Licht, das nicht phototoxisch ist, sowie UVB‑Licht, die beide in derzeitigen Behandlungen eingesetzt werden“, präzisiert Rovira.

In-vivo‑Untersuchungen wurden in Mausmodellen durchgeführt und zeigten eine Reduktion der kutanen Entzündung, ohne die typischen Nebenwirkungen auszulösen, die mit der Aktivierung des Vitamin‑D‑Rezeptors assoziiert sind. „Diese gezielte Aktivierung erzielte einen ausgeprägten therapeutischen Effekt ohne systemische Hyperkalzämie und adressiert damit auf präklinischer Ebene ein zentrales historisches Hindernis für VDR‑Agonisten in klinischen Studien“, betont Amadeu Llebaría vom IQAC‑CSIC.

Diese photopharmakologische Strategie ebnet den Weg für sicherere VDR‑gerichtete Therapien. Zukünftig könnte sie auch auf andere VDR‑assoziierte Erkrankungen übertragen werden und so einen allgemeinen Ansatz für die Entwicklung präziserer und sichererer Behandlungen darstellen. (ins)