Psychisch belastete Kinder und Jugendliche warten 32,5 Wochen auf einen Therapieplatz

Für Kinder und Jugendliche mit psychischen Problemen hat sich die ambulante Versorgungssituation weiter verschlechtert. (Foto: © Photographee.eu – stock.adobe.com)

Aktuelle Ergebnisse des BiPsy-Versorgungsmonitors 2026 zeigen, dass psychisch belastete Kinder und Jugendliche in Deutschland durchschnittlich 32,5 Wochen auf einen ambulanten Psychotherapieplatz warten. Für die Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Suizidprävention ist eine so lange Wartezeit „nicht akzeptabel“.

Das interdisziplinäre Kooperationsprojekt „Monitor Bildung und psychische Gesundheit“ (BiPsy-Monitor) der Universität Leipzig und der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover dokumentiert in seiner dritten Erhebungswelle eine deutliche Verschlechterung der ambulanten psychotherapetischen Versorgungslage für Kinder und Jugendliche. Trotz des allgemein anerkannten Wissens, dass unbehandelte psychische Belastungen im Kindesalter langfristig negative Folgen für die soziale Entwicklung und die Bildungsbiografie haben, erhält derzeit weniger als ein Zehntel der erkrankten Kinder und Jugendlichen eine adäquate Behandlung.

Mehr als ein halbes Jahr Wartezeit

Die größte Hürde stellt den aktuellen Daten zufolge die lange Wartezeit auf einen Therapieplatz dar. So ist die durchschnittliche Wartezeit von der ersten Anfrage bis zum tatsächlichen Start einer ambulanten Psychotherapie von 28,3 Wochen im Jahr 2024 auf aktuell 32,5 Wochen angestiegen. Dabei ist bereits der erste Zugang zum System erschwert: Nur 50 Prozent der Anfragenden erhalten überhaupt einen Termin für eine erste Sprechstunde. Selbst wenn in dieser Sprechstunde eine Behandlungsnotwendigkeit festgestellt wird, bekommen nur 55 Prozent der Patienten zeitnah einen festen Therapieplatz. Im Vergleich zu den Vorjahren (2024 und 2025) sind im Jahr 2026 sowohl die Anzahl der wöchentlichen Anfragen als auch die Wartezeiten signifikant gestiegen.

32,5 Wochen Wartezeit sind inakzeptabel

Die Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Suizidprävention und der Verein „Diskussionsforum Depression e.V.“ betrachten diese Entwicklung „mit großer Sorge“. 32,5 Wochen Wartezeit zwischen der ersten Anfrage und dem Beginn einer Psychotherapie seien „nicht akzeptabel“, heißt es in einer gemeinsamen Stellungnahme.

Ohne frühzeitige Behandlung steige bei psychischen Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter das Risiko schwerer und chronifizierter Verläufe. Dies könne Auswirkungen auf die weitere Entwicklung von Kindern und Jugendlichen haben und beispielsweise den Schulerfolg gefährden, die Wahrscheinlichkeit für spätere Arbeitslosigkeit und Suchterkrankungen erhöhen und Familien und Beziehungen beeinträchtigen, erklären die Stiftung und der Verein. Sie fordern daher, psychische Erkrankungen nicht länger als nachrangiges Thema zu behandeln. Die UN-Kinderrechtskonvention garantiere in Artikel 24 das Recht auf das erreichbare Höchstmaß an Gesundheit – dies schließe die mentale Verfassung ausdrücklich mit ein.

„Psychisch gesund aufzuwachsen ist eine zentrale Voraussetzung für Bildungserfolg, gesellschaftliche Teilhabe und Gesundheit über die gesamte Lebensspanne hinweg. Ein zukunftsfähiges Gesundheitssystem muss diesem Umstand endlich Rechnung tragen und jungen Menschen einen niedrigschwelligen und schnellen Zugang zu professioneller Hilfe ermöglichen“, fordern die Stiftung und der Verein.