Psychische Störungen bei Kindern und Jugendlichen häufiger28. Februar 2019 In der Gruppe der fünfjährigen Jungen wurde im Jahr 2017 fast bei jedem zweiten Kind eine Entwicklungsverzögerung diagnostiziert (Foto: © U. J. Alexander – Fotolia.com) Seit 2009 hat der Anteil der Kinder und Jugendlichen, bei denen während eines Jahres mindestens einmal eine psychische Störung diagnostiziert wurde, um 22 Prozent zugenommen. Das geht aus dem Versorgungsatlas des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland hervor. Der Versorgungsatlas hat aktuelle Daten zur Häufigkeit psychischer Störungen bei Kindern und Jugendlichen in der ambulanten Versorgung vorgelegt. Danach ist der Anteil der Kinder und Jugendlichen, bei denen während eines Jahres mindestens einmal eine psychische Störung diagnostiziert wurde, von 23 Prozent im Jahr 2009 auf 28 Prozent im Jahr 2017 gestiegen. Dies entspricht einer Steigerung von 22 Prozent. „Dieser Anstieg muss nicht grundsätzlich bedeuten, dass die Prävalenz psychischer Störungen zugenommen hat“, sagt Dr. Jörg Bätzing, der Leiter des Versorgungsatlas-Teams. Auch die zunehmende Sensibilisierung für eine gesunde psychische Entwicklung von Kindern und Jugendlichen und der offenere Umgang mit psychischen Störungen sowohl durch Betroffene als auch durch die Ärzteschaft und die Gesellschaft insgesamt kann eine Zunahme der Diagnosehäufigkeit erklären. Die Studie unterstreicht eine starke Alters- und Geschlechtsabhängigkeit der einzelnen Störungsbilder. Entwicklungsstörungen sind bis zum Vorschulalter die mit Abstand häufigste Diagnose. Ab dem Grundschulalter gewinnen Verhaltens- und emotionale Störungen zunehmend an Bedeutung. Im Jugendalter kommen neurotische, Belastungs- und somatoforme Störungen sowie affektive Störungen als relevante Krankheitsbilder hinzu. Im Jahr 2017 wurde bei etwa jedem sechsten Heranwachsenden (17 %) eine Entwicklungsstörung diagnostiziert, in der Gruppe der 5-jährigen Jungen erhielt fast jeder zweite eine Diagnose (45 %). Altersgleiche Mädchen waren mit 32 Prozent etwas seltener betroffen. In den meisten Fällen handelte es sich um eine Sprachentwicklungsstörung. Hier bestätigt die Studie des Versorgungsatlas Untersuchungsergebnisse von Krankenkassen sowie Befunde von Schuleingangsuntersuchungen. Link zum Bericht: Steffen A. et al.: Diagnoseprävalenz psychischer Störungen bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland: eine Analyse bundesweiter vertragsärztlicher Abrechnungsdaten der Jahre 2009 bis 2017. Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland (Zi). Versorgungsatlas-Bericht Nr. 18/07. Berlin 2018
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