Psychosomatik: Eine Gummihand lindert den Schmerz25. März 2025 Die Gummihand wird als Teil des eigenen Körpers wahrgenommen, wenn man die eigene nicht sehen kann. (Foto: © Damian Gorczany) Wird die eigene Hand versteckt und blickt man stattdessen auf eine Gummihand, nimmt man diese unter bestimmten Bedingungen als Teil des eigenen Körpers wahr. Was klingt wie ein Jahrmarktstrick, könnte Forschenden der Ruhr-Universität Bochum zufolge künftig Schmerzpatienten helfen. Die Gummihandillusion entsteht, wenn die versteckte eigene und die Gummihand zeitgleich beispielsweise mit einem Pinsel berührt werden. Im beschriebenen Experiment führte nicht eine Berührung, sondern ein Hitzereiz sowie ein synchron dargebotenes rotes Licht dazu: Zunächst wurde bei allen 34 rechtshändigen Versuchspersonen die individuelle Schmerzschwelle für Hitzeschmerz bestimmt. Die Versuchspersonen legten dann ihre linke Hand hinter eine Sichtblende, sodass sie selbst diese nicht mehr sehen konnten. Die Hand hinter der Blende lag auf einem Thermodenkopf, einer kleinen Platte, die sich kontrolliert erhitzen lässt. Anstelle der linken Hand wurde vor den Versuchspersonen eine Gummihand platziert, die von unten rot beleuchtet werden konnte. Die rechte Hand der Versuchspersonen lag auf einem Schieberegler, mit dem sie während des Experiments fortlaufend angeben konnten, wie schmerzhaft sie die Hitze in der linken Hand empfanden. Die Forschenden führten mehrere Versuchsdurchgänge durch, bei denen die Thermode jeweils auf knapp unter die jeweilige Schmerzschwelle, genau bis zur Schmerzschwelle oder knapp beziehungsweise deutlich darüber erhitzt wurde. Zeitgleich wurde die Gummihand rot beleuchtet. „Der Hitzereiz an der linken Hand mit zeitgleicher roter Beleuchtung der Gummihand rief die Illusion hervor“, erläutert Studienleiter Prof. Martin Diers, Leiter der Abteilung Klinische und Experimentelle Verhaltensmedizin. Eine Befragung der Versuchspersonen bestätigte das nach jeder Versuchsserie. In der Kontrollbedingung führte das Forschungsteam das Experiment mit einer um 180 Grad gedrehten Gummihand durch. Die Intensität des Schmerzes sinkt „Wir konnten zeigen, dass die wahrgenommene Schmerzintensität bei bestehender Gummihandillusion niedriger war als in der Kontrollbedingung“, berichtet Diers. „Es wird angenommen, dass der Mechanismus hinter der Gummihandillusion die multisensorische Integration von visuellen, taktilen (hier nozizeptiven) und propriozeptiven Informationen ist. Die Ergebnisse legen nahe, dass die Wahrnehmung der Gummihand als Teil des eigenen Körpers die Schmerzwahrnehmung reduziert.“ Ein weiterer Faktor könnte das Phänomen der visuellen Analgesie sein, das die Forschenden auch in anderen Studien zeigen konnten: Ein Schmerzreiz wird als weniger stark empfunden, wenn der betroffene Körperteil währenddessen angesehen wird. „Die neuronalen Grundlagen dafür sind aber noch weitestgehend unbekannt“, berichtet Diers. Künftig könnte man sich die Erkenntnisse möglicherweise bei der Therapie von Schmerzen zunutze machen. Ein denkbarer Einsatzbereich wäre zum Beispiel die Behandlung des Komplexen regionalen Schmerzsyndroms, bei dem typischerweise Schmerzen und Schwellungen in der Hand auftreten.
Mehr erfahren zu: "Gassen zum BStabG: „Wir werden eine Zäsur in der Versorgung Gesetzlich Krankenversicherter erleben“" Gassen zum BStabG: „Wir werden eine Zäsur in der Versorgung Gesetzlich Krankenversicherter erleben“ Der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Dr. Andreas Gassen, hat das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz (BStabG) auf der KBV-Vertreterversammlung in Berlin scharf kritisiert.
Mehr erfahren zu: "„Die Praxen müssen die Hoheit über ihre Terminorganisation behalten“" „Die Praxen müssen die Hoheit über ihre Terminorganisation behalten“ Eine Digitalisierung, die Praxen entlastet und die Versorgung verbessert, forderte Dr. Sibylle Steiner, Mitglied des Vorstands der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), auf der KBV-Vertreterversammlung in Berlin am 4. September.
Mehr erfahren zu: "Handyspiel-Sucht und Schmerzen des Bewegungsapparats: Medizinstudierende als Hochrisikogruppe?" Handyspiel-Sucht und Schmerzen des Bewegungsapparats: Medizinstudierende als Hochrisikogruppe? Eine auf der Befragung von Medizinstudierenden in Jordanien basierende Studie zeigt: Studierende, die die Kriterien für eine Handyspiel-Sucht erfüllen, leiden mit deutlich höherer Wahrscheinlichkeit unter Schmerzen im Nacken, im oberen […]