Purkinjezellen: Optische Reize werden in drei Verhaltensmodulen verarbeitet5. März 2019 Bild: © CrazyCloud – Fotolia.com Purkinjezellen, eine Schlüsseleinheit des Kleinhirns, werden als verantwortlich gesehen, sensorische und motorische Informationen miteinander zu vernetzen. Ein Forschungsteam am Max-Planck-Institut für Neurobiologie hat nun im Zebrafisch eine erstaunlich einfache, aber elegante Einteilung des Kleinhirns in drei Verhaltensmodule nachgewiesen. Jedes dieser Module kodiert eine definierte visuelle Information. Die Welt ist voller Sinneseindrücke – auf die wir oft in vorhersehbarer Art und Weise reagieren. So weichen wir zum Beispiel vor einem heranrauschenden Auto zurück. Damit das Gehirn komplexe Sinneseindrücke zu einem sinnvollen Eindruck zusammensetzen und die richtigen Verhaltensmuster abrufen kann, ist es auf die Unterstützung des Kleinhirns angewiesen. Die Bedeutung dieser Hirnregion zeigt sich darin, dass sie sehr ähnlich aufgebaut bei allen Wirbeltieren vorkommt, egal ob Mensch, Vogel oder Fisch. Das Kleinhirn der Säugetiere besteht aus hunderttausenden Purkinjezellen, von denen jede einzelne wiederum Signale von tausend anderen Zellen bekommt. Hier herauszufinden, wie die Schaltkreise des Kleinhirns funktionieren, ist selbst mit den neusten Methoden nahezu unmöglich. Rubens Portugues und sein Team erforschen daher eine etwas “einfachere” Version: das Kleinhirn von sechs bis acht Tage alten Zebrafischlarven. Visuelle Reize in einer virtuellen Umgebung „In diesem Alter enthält das Zebrafisch-Kleinhirn zirka 500 Purkinjezellen und ist wichtig beim Schwimmen und bei Augenbewegungen“, erklärt Laura Knogler, die zusammen mit Andreas Kist die Kleinhirnschaltkreise untersucht. Um zu verstehen, wie das Kleinhirn Verhalten koordiniert, studierten die Wissenschaftler die Zebrafisch-Kleinhirnaktivität während die Tiere auf Reize einer virtuellen Umgebung reagierten. Ähnlich wie viele Wirbeltiere nutzen Zebrafische visuelle Anhaltspunkte, um ihre Bewegungen zu steuern, die Umgebung zu beobachten oder mögliche Feinde und Futter zu entdecken. Daher zeigten die Forscher den Fischen verschiedene optische Reize, während sie ihre Nervenzellaktivität und Bewegungsreaktionen beobachteten. So kam eine unerwartete Aufteilung des Kleinhirns in drei Verhaltensmodule ans Licht. Jedes dieser Module verarbeitete jeweils eine bestimmte visuelle Information: der Beginn einer gerichteten Bewegung, die Geschwindigkeit einer Drehbewegung oder Helligkeitsänderungen. Jede untersuchte Purkinjezelle gehörte zu einem dieser drei Module. Anders als die visuelle Information wurde das Verhalten der Fische auf ähnliche Weise von allen Zellen kodiert. Dies wurde besonders bei schwimmenden Tieren beeindruckend sichtbar: „Dann fluoreszierte fast das ganze Kleinhirn durch die enorme Aktivität eines Großteils der vorhandenen Purkinjezellen“, berichtet Kist. Die Wissenschaftler nehmen an, dass die beobachtete sensorische Einteilung des Kleinhirns eine wichtige Eigenschaft für assoziatives Lernen und neuronale Kodierungen ist. „Die Module scheinen die Informationen optimal zu organisieren, die für das Verhalten der Fische in diesem Alter wichtig sind – während sie gleichzeitig Raum für Flexibilität lassen um Neues durch Erfahrung zu lernen“, so Knogler. „Es würde mich nicht wundern, wenn andere Sinne und auch die Kleinhirne anderer Tierarten in ganz ähnlicher Weise organisiert sind.“ Weitere Informationen auf der Webseite von Ruben Portugues am MPI für Neurobiologie: https://www.neuro.mpg.de/portugues/de Originalpublikation: Laura D. Knogler, Andreas M. Kist, Ruben Portugues. Motor context dominates output from Purkinje cell functional regions during reflexive visuomotor behaviours. eLife, online am 25. Januar 2019. DOI: 10.7554/eLife.42138 https://elifesciences.org/articles/42138 Quelle: Max-Planck-Institut für Neurobiologie
Mehr erfahren zu: "ALM und DGKL kritisieren aktuellen Entwurf zum ApoVWG" ALM und DGKL kritisieren aktuellen Entwurf zum ApoVWG Der Gesetzentwurf zum Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) sorgt weiterhin für Kritik. Der Verband der Akkreditierten Labore in der Medizin (ALM) und die Deutsche Gesellschaft für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin (DGKL) sehen vor […]
Mehr erfahren zu: "Glyphosat-Streit drückt Bayer noch tiefer in die Verlustzone" Glyphosat-Streit drückt Bayer noch tiefer in die Verlustzone Acht Jahre ist es her, da schluckte Bayer den langjährigen US-Konkurrenten Monsanto. Finanziell war das eine bittere Pille: Rechtsstreitigkeiten zu Glyphosat lasten noch immer schwer auf dem Konzern.
Mehr erfahren zu: "Land unterstützt UKSH und übernimmt Schulden" Land unterstützt UKSH und übernimmt Schulden Fraktionen und Regierung stehen in Schleswig-Holstein geschlossen hinter dem Universitätsklinikum: Viel Geld fließt in Forschung, Versorgung und Modernisierung. Doch die Entscheidung bringt auch neue Schulden für das Land.