Qualität der chirurgischen Weiterbildung messen12. März 2026 Foto: WESTOCK/stock.adobe.com Ein Positionspapier zur chirurgischen Weiterbildung des Perspektivforums Junge Chirurgie der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) schlägt Qualitätsindikatoren vor, um Versorgungsqualität zu sichern und Nachwuchs zu fördern. Die Qualität chirurgischer Eingriffe – und damit auch die Patientensicherheit – hängen entscheidend von der Ausbildung der Ärztinnen und Ärzte ab. Doch wie gut diese Weiterbildung tatsächlich funktioniert, wird in Deutschland bislang kaum systematisch erfasst. Ein neues Positionspapier zur chirurgischen Weiterbildung des Perspektivforums Junge Chirurgie der DGCH schlägt nun erstmals konkrete Qualitätsindikatoren vor. Mit diesen sollen sich Struktur, Ablauf und Ergebnisse der chirurgischen Weiterbildung messen lassen. Ziel ist der Aufbau einer datengestützten, lernenden Weiterbildungsstruktur, die Transparenz schafft, Stärken sichtbar macht und gezielt auf Verbesserungsbedarfe reagiert. Anspruchsvolle Ausbildung mit Tausenden von Eingriffen Chirurginnen und Chirurgen müssen in ihrer mehrjährigen Weiterbildung zum Facharzt eine Vielzahl anspruchsvoller Kompetenzen erwerben: Sie stellen Diagnosen, entwickeln Therapiepläne, führen Aufklärungsgespräche mit Patientinnen und Patienten und lernen operative Eingriffe zunehmend eigenständig durchzuführen – von der Blutstillung und Wundversorgung bis zu komplexen Operationen an Magen-Darm-Trakt oder Gehirn. Eine wichtige Orientierung in der chirurgischen Weiterbildung bietet der OP-Katalog der jeweiligen Fachrichtung. Er legt fest, wie viele und welche Eingriffe eine angehende Fachärztin oder ein angehender Facharzt während ihrer Weiterbildung durchführen muss. In der Praxis sollten erfahrene, von der Ärztekammer zur Weiterbildung ermächtigte Fachärztinnen und Fachärzte die jungen Kolleginnen und Kollegen dabei verlässlich begleiten und anleiten. Strukturelle Defizite im Klinikalltag stehen einer geregelten Weiterbildung im Weg Doch genau hier liegen häufig strukturelle Probleme. Die Supervision operativer Eingriffe erfordert Zeit – ein knappes Gut im eng getakteten Klinikalltag. Zudem kostet sie Geld. Gleichzeitig fehlen vielerorts verbindliche Strukturen, etwa klare Weiterbildungscurricula, Mentorenmodelle oder systematische Weiterbildungsgespräche. Die Folge: Weiterbildung hängt häufig stark vom jeweiligen Vorgesetzten ab und dauert oft deutlich länger als vorgesehen. Entsprechend unterschiedlich sind die Qualität der Betreuung – und damit auch die Lernergebnisse. Qualitätsindikatoren in der chirurgischen Weiterbildung Das nun veröffentlichte Positionspapier „Qualitätsindikatoren für die chirurgische Weiterbildung“ schlägt deshalb ein strukturiertes Set von Indikatoren vor, mit denen sich Weiterbildung erstmals transparent und vergleichbar abbilden ließe. Dazu gehören unter anderem: strukturierte und verbindliche Weiterbildungscurricula definierte Betreuungsverhältnisse zwischen Fachärzten und Weiterzubildenden dokumentierte Weiterbildungsgespräche und operative Supervision Erfolgsquoten bei Facharztprüfungen sowie Zufriedenheit der Weiterzubildenden. „Die chirurgische Weiterbildung ist die Grundlage für die Qualität der Versorgung von morgen“, betont Dr. Sebastian Schaaf, Sprecher des Perspektivforums Junge Chirurgie der DGCH. „Trotzdem wissen wir bisher erstaunlich wenig darüber, wie gut Weiterbildung tatsächlich funktioniert. Mit klar definierten Qualitätsindikatoren und Zahlen können wir erstmals Transparenz schaffen und Verbesserungen gezielt anstoßen.“ Gesundheitspolitische Relevanz der chirurgischen Weiterbildung Auch gesundheitspolitisch gewinnt das Thema an Bedeutung. Bereits heute sieht das Krankenhausfinanzierungsgesetz vor, dass Qualität stärker in die Finanzierung der medizinischen Versorgung einfließen soll (§17b). Perspektivisch könnten Qualitätsindikatoren daher auch eine Rolle bei der Finanzierung der ärztlichen Weiterbildung spielen. „Eine gute Weiterbildung entsteht nicht zufällig, sondern braucht verlässliche Strukturen“, erklärt Dr. Frederik Schlottmann, stellvertretender Sprecher des Perspektivforums Junge Chirurgie. „Digitale Instrumente wie e-Logbücher oder Weiterbildungsregister könnten helfen, Weiterbildung bundesweit vergleichbar zu machen und Qualitätsentwicklung systematisch zu fördern.“ Über die Qualität der Weiterbildung entscheidet sich jedoch auch, wie attraktiv das Fachgebiet für junge Ärztinnen und Ärzte ist. „Chirurgie ist ein äußerst erfüllendes Fach mit großen Gestaltungsmöglichkeiten – aber junge Kolleginnen und Kollegen erwarten heute nachvollziehbare Strukturen und eine verlässliche Weiterbildung“, konstatiert Prof. Thomas Schmitz-Rixen, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. „Wenn Weiterbildung transparent organisiert und qualitätsgesichert ist, stärkt das die Attraktivität der Chirurgie und hilft, dringend benötigten Nachwuchs zu gewinnen.“ International längst etabliert Ein Blick ins Ausland zeigt, dass entsprechende Systeme bereits erfolgreich umgesetzt werden. Länder wie Großbritannien, die Niederlande oder die USA nutzen digitale Logbücher, standardisierte Assessments und regelmäßige Evaluationen, um Weiterbildung und Versorgungsqualität eng miteinander zu verknüpfen. Die Autorinnen und Autoren sehen in den vorgeschlagenen Qualitätsindikatoren daher einen wichtigen Schritt hin zu einer transparenten, datenbasierten und verlässlichen Weiterbildungskultur in der Chirurgie. Ziel sei es nicht, Weiterbildung stärker zu kontrollieren, sondern Strukturen zu schaffen, die kontinuierliche Verbesserung ermöglichen – und damit langfristig auch die Patientensicherheit stärken. Das Thema wird auch auf dem 143. Deutschen Chirurgie Kongress (DCK) vom 22. bis 24. April 2026 in Leipzig eine zentrale Rolle spielen.
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