Qualität statt Quantität: Medizinische Fakultäten tagten in Mainz

Die Themen Ärztemangel und Studienplatzzahlerhöhung standen im Mittelpunkt des 79. Ordentlichen Medizinischen Fakultätentages (oMFT), der an der Universitätsmedizin Mainz stattfand.

Mehr als 200 Vertreter der Medizinischen Fakultäten, der Gesundheits- und Wissenschaftspolitik sowie der Wirtschaft und der Presse kamen beim diesjährigen oMFT in Mainz zusammen und diskutierten intensiv über Ärzte in der Forschung, Ärzte in der regionalen Versorgung, Ärztebedarf und Lösungen für mehr Medizinstudienplätze. Damit, so der MFT, griffen sie die aktuellen Befindlichkeiten der öffentlichen Debatte auf. Während sich die Forderungen aus der Politik auf quantitative Aspekte beschränkten, sorgten sich die Fakultäten um die Qualität des Medizinstudiums.

MFT-Präsident Heyo K. Kroemer betonte in seiner Eröffnungsrede, dass der demografische Wandel ganz erhebliche Auswirkungen auf das Gesundheitssystem haben werde. Entsprechend sieht er die Fakultäten in der Pflicht: „Für uns als Medizinische Fakultäten ist es von höchster Relevanz, dass die Qualität der ärztlichen Ausbildung erhalten bleibt – und zwar zum Wohl der Patienten. Wenn wir überhaupt mit den demografischen Entwicklungen fertig werden wollen, brauchen wir eine solide universitäre Ausbildung des ärztlichen Nachwuchses. Dies kann nur über die Medizinischen Fakultäten gewährleistet werden.“

Dass gezielte Politik die nötigen Rahmenbedingungen schafft, erläuterte die Bayerische Wissenschaftsministerin Marion Kiechle in ihrem Vortrag anhand der neugegründeten Augsburger Fakultät. Angesichts der anstehenden Aufgaben komme den Fakultäten eine zentrale Rolle in der Ausbildung zu. Kiechle sieht sich in ihrem Amt daher in der Verantwortung, die Zukunft der Universitätsmedizin aktiv mitzugestalten.

Nach dem NC-Urteil
Mit Spannung erwartet wurde der Beitrag des Vizepräsidenten des Bundesverfassungsgerichtes (BVerfG) Ferdinand Kirchhof. Er erläuterte die Neuerungen des Urteils zum Numerus clausus (NC). Zwar dürften die Hochschulen Zulassungskriterien nicht beliebig erfinden, hätten aber im Rahmen der Gesetzgebung Freiräume für die individuelle Gestaltung. Eine Einschränkung durch das Urteil sieht Kirchhof für die Hochschulen nicht. Im Rahmen der Diskussion wiesen die Vertreter der Fakultäten allerdings darauf hin, dass die auf die Eignung zum Medizinstudium ausgerichteten Auswahlverfahren der Hochschulen nicht einer übereilten Umsetzung des Urteils zum Opfer fallen dürften.

Mehr Ärzte sind kein Allheilmittel
Den Abschluss der Tagung bildete ein Podiumsgespräch, bei dem Vertreter der Fakultäten, der Hochschulrektorenkonferenz, der Studierenden und der Landesärztekammer Rheinland-Pfalz über mögliche Konzepte für die Erhöhung der Studienplätze diskutierten. Dabei mahnten vor allem Studierende und Fakultäten, Probleme der Versorgungspolitik nicht mit der Adjustierung des Medizinstudiums zu lösen. „Wie der Vorsitzende des Sachverständigenrates zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen, Ferdinand Gerlach in seinem Vortrag klar herausgearbeitet hat, lösen mehr Studienplätze nicht die Versorgungsprobleme in einzelnen Bereichen und Regionen“, äußerte sich MFT-Generalsekretär Frank Wissing nach der Tagung. „Wir müssen stattdessen sorgfältig analysieren, mit welchen neuen Versorgungsformen und Anreizen wir die bestehenden Probleme in der Fläche angehen können. Der MFT als Stimme der Medizinischen Fakultäten plädiert dabei ganz deutlich für mehr Wissenschaftlichkeit im Studium und weniger Wildwuchs.“

Heyo K. Kroemer als Präsident bestätigt
Bereits vor der offiziellen Eröffnung fand die Mitgliederversammlung statt, an der auch die Augsburger Fakultät als neues Mitglied teilnahm. Damit sind alle 38 Medizinischen Fakultäten unter dem Dach des MFT organisiert. Neben inhaltlichen Diskussionen, etwa zu Zweitcampusgründungen, fanden Wahlen zum Präsidium statt. Hier wurde Heyo K. Kroemer mit großer Mehrheit als Präsident wiedergewählt. Für seine dritte Amtsperiode sieht Kroemer vor allem die weitere Stärkung des MFT in seiner Akteursfähigkeit als maßgeblich an, damit der Verband auch künftig als Experte an wichtigen Entscheidungen beteiligt sei.
Ebenfalls in ihren Ämtern bestätigt wurden nach Angaben des MFT die Präsidiumsmitglieder Ingo Autenrieth (Tübingen) und Stefan Uhlig (Aachen). Neu ins Präsidium gewählt wurde Mathias Herrmann, Dekan der Medizinischen Fakultät Münster. Er tritt die Nachfolge von Josef Pfeilschifter (Frankfurt/M.) an, der nach langjähriger Arbeit im Präsidium nicht erneut kandidierte.

Über den MFT
Der Medizinische Fakultätentag ist der Dachverband der Medizinischen Ausbildungs- und Forschungsstätten Deutschlands. Sie verantworten in über 70 verschiedenen Studiengängen die Ausbildung von rund 93.000 Studierenden der Human- und Zahnmedizin sowie der Gesundheitswissenschaften.

Quelle: MFT Medizinischer Fakultätentag der Bundesrepublik Deutschland e. V.

 

 

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