RA: „Prävention beginnt mit dem Lebensstil“

Foto: GoodPics/stock.adobe.com

Studien zeigen, dass sich Rheumatoide Arthritis (RA) bereits Monate bis Jahre zuvor ankündigt. Damit eröffnet sich ein Zeitfenster für Prävention der RA, etwa durch Änderung von Lebensstilfaktoren oder Medikamente.

Zu den bekanntesten Symptomen der RA zählen schmerzhafte Gelenke, die sich besonders morgens nach dem Aufstehen steif anfühlen können. Darunter leiden mehr als 90 Prozent der Betroffenen. Aber: „Die Erkrankung fängt nicht am Gelenk an“, wie Prof. Jürgen Rech, Oberarzt für Immunologie am Universitätsklinikum Erlangen, im Rahmen einer Pressekonferenz im Vorfeld des Deutschen Rheumatologiekongresses 2026 betonte.

So tritt Fatigue bereits in frühen Stadien auf: 40 bis 80 Prozent der Patientinnen und Patienten mit früher RA beschreiben starke Erschöpfung und Abgeschlagenheit als Symptom. Studien zeigen, dass sich immunologische Veränderungen und erste Beschwerden oft schon Monate bis Jahre vor der sichtbar ausgeprägten Erkrankung entwickeln. Dennoch vergeht weiterhin relevante Zeit zwischen den ersten Symptomen und der rheumatologischen Diagnosestellung.

Frühtherapie und Prävention der RA: „Verschenken wertvolle Zeit“

„Damit verschenken wir wertvolle Zeit“, so Rech. Er verwies auf die deutsche Rheuma-VOR-Studie1, die zeige, dass es schneller gehen kann. „Durch eine strukturierte Frühdiagnostik ließ sich die Zeit vom Symptombeginn bis zur Diagnosestellung deutlich verkürzen – auf etwa 0,55 Jahre, also rund 6,6 Monate, gegenüber 2,31 Jahren in der Standardversorgung“, führte Rech weiter aus.

Rheuma-VOR ist ein Netzwerk für die „Verbesserung der rheumatologischen Versorgungsqualität durch koordinierte Kooperation“. Ziel ist, in Rheinland-Pfalz, im Saarland und in Niedersachen Strukturen und Behandlungsangebote aufzubauen, um entzündlich-rheumatische Erkrankungen früher zu erkennen und zielgerichteter zu therapieren. Teilnehmende erstversorgende Ärztinnen und Ärzte füllen bei Verdacht auf eine entzündliche-rheumatische Erkrankung einen Screening-Bogen aus, der im Koordinationszentrum des Bundeslandes ausgewertet wird. Falls notwendig erhält der Patient zeitnah einen Termin bei einem Rheumatologen. Begleitend findet eine wissenschaftliche Evaluation statt, erste Ergebnisse liegen bereits vor, etwa die Veröffentlichung von Dreher et al. in den „Annals of the Rheumatic Diseases“.

Rauchen und Übergewicht erhöhen das Erkrankungsrisiko

Trotzdem sind viele Frühsymptome unspezifisch oder in der hausärztlichen Praxis nicht immer leicht zu erkennen sind. Sie sind sie nur bedingt geeignet, Menschen mit einem erhöhten RA-Risiko frühzeitig zu identifizieren. „Wir kennen aber auch Risikofaktoren wie Rauchen und Übergewicht, die die Entstehung von Gelenkrheuma fördern“, erklärte Rech. Auch Paradontitis spiele eine Rolle. Bei diesen Faktoren könne Prävention bereits ansetzen, bevor eindeutige Krankheitszeichen auftreten. „Patienten wollen selbst aktiv werden, mitwirken und Dinge verbessern“, hob Rech hervor.

Nicht zuletzt gebe es auch eine genetische Komponente, sodass ein genauerer diagnostischer Blick sich auch bei Menschen lohne, bei denen entzündlich-rheumatische Erkrankungen familiär gehäuft auftreten.

Neue Risikokriterien helfen bei der Therapieentscheidung

Durch die Bestimmung von Antikörpern und Entzündungsmarkern im Blut lasse sich das RA-Risiko genauer einschätzen. Als spezifisch für die RA gelten vor allem Anti-Citrullinierte-Protein-Antikörper (ACPA). „Solange sie beschwerdefrei sind, brauchen Patientinnen und Patienten, bei denen diese Antikörper nachgewiesen wurden, keine Medikation,“ relativiert Rech die Bedeutung des Befundes. Dann helfe die Bestimmung weiterer Risikofaktoren bei der Therapieentscheidung.

Rech zufolge haben Patienten mit Immunglobulin A(IgA)-ACPA ein hohes Risiko für den baldigen Ausbruch einer RA. Andererseits sprächen Patienten mit diesem Biomarker auch am besten auf präventive Immuntherapien an. Mittlerweile stehen mehrere Wirkstoffe zur Verfügung, die den Ausbruch der Erkrankung hinauszögern können. Dabei bleibe es Rech zufolge entscheidend, Nutzen sowie mögliche Grenzen einer solchen Strategie individuell abzuwägen.

Prävention der RA: Medikamentöse Optionen

So profitieren RA-Patienten mit IgA-ACPA insbesondere von einer frühen Therapie mit Abatacept, das Rech als den „bislang stärksten Ansatz“ bezeichnete. Wie zwei Studien – die AARIA-Studie2 und die ALTO-Studie3 – zeigen konnten, verzögerte eine sechs- bis zwölfmonatige die Erkrankung um bis zu vier bis fünf Jahre. RA-Patienten mit IgA-ACPA gewannen durchschnittlich 3,5 beschwerdefreie Jahre.

Auch Rituximab ist Rech zufolge ein vielversprechender Ansatz: In der PRAIRI-Studie verzögerte eine einmalige Rituximab-Infusion (1000 mg) bei Studienteilnehmern mit erhöhtem RA-Risiko die Entwicklung einer Arthritis um ein Jahr4. Eingeschlossen in die Studie wurden Personen mit erhöhten ACPA- und Rheumafaktor-Werten, die jedoch ohne Arthritis. Eine frühe Methotrexat-Therapie kann ebenfalls sinnvoll sein. Diese verzögert die RA zwar nicht, lindert aber die Symptome, wie die TREAT-EARLIER-Studie5 zeigen konnte. Hydroxychlorin dagegen konnte eine Progression zur RA nicht verhindern, wie eine kürzlich publizierte Phase-II-Studie mit 144 Teilnehmern ergeben hatte6.

Trotz medikamentöser Optionen zur Prävention der RA konstatierte Rech abschließend : „Wichtig bleibt: Prävention beginnt schon lange vor einer möglichen medikamentösen. Wer nicht raucht, Übergewicht vermeidet und bei familiärer Vorbelastung mögliche Warnzeichen ernst nimmt, kann selbst dazu beitragen, sein Erkrankungsrisiko zu senken.“ (ja/BIERMANN)


Literatur:

1. Dreher M et al. Rheuma-VOR study: optimising healthcare of rheumatic diseases by multiprofessional coordinating centres. Ann Rheum Dis 2023 Oct 27;83(2):184–193.

2. Rech J et al. Abatacept inhibits inflammation and onset of rheumatoid arthritis in individuals at high risk (ARIAA): a randomised, international, multicentre, double-blind, placebo-controlled trial. Lancet 2024 Mar 2;403(10429):850-859.

3. Cope AP et al. Long-term outcomes of abatacept in individuals at risk of developing rheumatoid arthritis (ALTO): a randomised, double-blind, placebo-controlled trial. Lancet Rheumatol 2026 Mar;8(3):e171-e180.

4. Gerlag DM et al. Effects of B-cell directed therapy on the preclinical stage of rheumatoid arthritis: the PRAIRI study. Ann Rheum Dis 2019 Feb;78(2):179-185.

5. Krijbolder DI, et al. Intervention with methotrexate in patients with arthralgia at risk of rheumatoid arthritis to reduce the development of persistent arthritis and its disease burden (TREAT EARLIER): a randomised, double-blind, placebo-controlled, proof-of-concept trial. Lancet 2022 Jul 23;400(10348):283–294.

6. Deane KD et al. A Phase 2 Trial of Hydroxychloroquine in Individuals at Risk for Rheumatoid Arthritis. Arthritis Rheumatol 2026 Mar 16;78(4):809–820.


Das könnte Sie auch interessieren:

Multimodale rheumatologische Komplexbehandlung: Stabil im Knochen, beweglich im Alltag

Rheumachirurgie: Operative Versorgung der Rheumatischen Hand – Fallstricke

Moderne RA-Therapie: Gibt es noch Bedarf an rheumachirurgischen Eingriffen?