Radikale Prostatektomie: Weniger Metastasen bei erweiterter Beckenlymphknotendissektion12. Mai 2025 Beckenlymphsystem des Mannes (Symbolbild). Grafik: pixdesign123 – stock.adobe.com Patienten, die sich wegen Prostatakrebs einer radikalen Prostatektomie unterziehen, sollten eine erweiterte Beckenlymphknotendissektion (PLND) erhalten, welche die Nodi lymphoidei iliaci interni und externi sowie die Nodi lymphatici obturatorii umfasst. Das raten die Autoren einer aktuell publizierten randomisierten klinischen Studie. Karim A. Touijer vom Memorial Sloan Kettering Cancer Center in New York (NY, USA) und Kollegen verglichen in ihrer Studie die begrenzte mit der erweiterten PLND im Rahmen einer radikalen Prostatektomie. Zwischen Oktober 2011 und März 2017 nahmen sie 1432 Patienten, die sich einer radikalen Prostatektomie unterzogen, in die Studie auf. Die begrenzte PLND erstreckte sich auf die Nodi lymphoidei iliaci externi, und die erweiterte PLND umfasste zusätzlich die Obturatorlymphknoten und die Nodi lymphoidei iliaci interni (engl. hypogastric nodes). Mittels einer Cox-proportionalen Risiko-Regression mit robusten Standardfehlern, gruppiert nach den ausführenden Urologen, wurde beurteilt, ob das PLND-Schema das BCR oder Fern- bzw. lokoregionäre Metastasen beeinflusste. In einer früheren Publikation hatten die Autoren bereits über ähnliche BCR-Raten in beiden Studienarmen berichtet. Bei Teilnehmern, die kein BCR erlitten hatten, traten in der aktualisierten Analyse mit einem medianen Follow-up von 4,2 Jahren 452 BCR-Ereignisse auf. „Die Ergebnisse bestätigen unsere früheren Erkenntnisse zu vergleichbaren BCR-Raten zwischen den Behandlungsarmen“, heißt es nun in der aktuellen Publikation (Hazard Ratio [HR] 1,05; 95%-Konfidenzintervall [KI] 0,97–1,13; p=0,3). Anders waren dagegen die Ergebnisse im Hinblick auf die Metastasen: Mit 123 Metastasierungsereignissen und einer medianen Nachbeobachtungszeit von 5,4 Jahren bei Patienten ohne Metastasierung stellten Touijer und Kollegen einen klinisch und statistisch signifikanten Schutzeffekt der erweiterten PLND gegen Metastasierung fest, und zwar sowohl bei Betrachtung jeder Art von Metastasierung (HR 0,82; 95%-KI 0,71–0,93; p=0,003) als auch in Bezug auf Fernmetastasierung (HR 0,75; 95%-KI 0,64–0,88; p<0,001). Die Autoren raten zu weiterer Forschung über die biologischen Mechanismen hinsichtlich der anatomischen Lage der betroffenen Lymphknoten. „Studien zur LND bei anderen Krebsarten sind gerechtfertigt und sollten unser klinisch integriertes Design berücksichtigen“, schließen sie. Unterschied klinisch relevant? In einem Kommentar zu dieser Arbeit fragt Kompakt-Urologie-Herausgeber Prof. Michael Stöckle, ob der festgestellte Unterschied bei der Metastasierung tatsächlich einen klinisch relevanten Unterschied darstellt oder ob dieser vielleicht nur ein Artefakt durch multiples Testen reflektieren könnte, „denn das metastasenfreie Überleben war nicht der primäre Endpunkt der Studie“, wie er zu bedenken gibt. „Die Autoren argumentieren sehr beredt gegen solche Einwände“, so Stöckle weiter: „p-Werte mit 2 oder mehr Nullen hinter dem Komma schlössen einen Artefakt zuverlässig aus“. Zudem sei die extendierte Lymphadenektomie mit keinerlei Toxizität assoziiert. „Die Ergebnisse werden sehr kritisch und in lesenswerter Weise diskutiert, sodass ich die Lektüre der Arbeit in ihrer Gänze nur empfehlen kann“, schließt der ehemalige Direktor der urologischen Universitätsklinik des Saarlandes. (ms)
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