Rainer Surges leitet die Epileptologie in Bonn5. April 2019 Ein Spezialist für Gewitterstürme im Gehirn: Prof. Rainer Surges leitet jetzt die Epileptologie am Universitätsklinikum Bonn. (Foto: © Johann Saba / UK Bonn) Prof. Rainer Surges ist neuer Direktor der Klinik für Epileptologie am Universitätsklinikum Bonn. Der 44-jährige Nachfolger von Prof. Christian Elger will das Spektrum der Klinik weiterentwickeln und setzt dabei unter anderem auf neue Angebote für Patienten nach ersten epileptischen Anfällen sowie für Menschen mit nicht epileptischen, psychogenen Anfällen. Etwa 120 Mitarbeiter – darunter 15 Ärzte – betreuen rund 1200 Patienten an der Klinik für Epileptologie des Universitätsklinikums Bonn jährlich stationär; hinzu kommen etwa 4000 ambulante Patienten. Das sind in der Regel Menschen, die aufgrund einer schwer behandelbaren, chronischen Epilepsie Hilfe in Bonn suchen. „Wir wollen aber auch Betroffene schon nach den ersten epileptischen Anfällen sehen und ihnen ein Behandlungsangebot im frühen Stadium der Erkrankung machen“, sagte Prof. Rainer Surges. Zudem brauchen die häufig jungen Menschen Beratung zu wichtigen Fragen wie Berufswahl, Kinderwunsch, Autofahren und verschiedenen Lebensführungs-Aspekten bei Epilepsie. Daher plant der neue Klinikdirektor für diese Patientengruppe eine neue Sprechstunde sowie auch für Menschen, die an nicht epileptischen, psychogenen Anfällen leiden. „Oft werden die Betroffenen fälschlicherweise auf Epilepsie behandelt. Dies liegt unter anderem daran, dass strukturierte Programme zur Diagnose und Behandlung fehlen. Daher möchte ich mit den Kliniken für Psychiatrie und Psychosomatik an unserem Klinikum ein Versorgungsangebot auflegen, das es so deutschlandweit noch nicht gibt“, erklärte Surges. Epilepsiechirurgie ist sein klinisches Spezialgebiet Außerdem will der neue Klinikdirektor zusammen mit den Kliniken für Neurochirurgie und Neuroradiologie das epilepsiechirurgische Behandlungsangebot am Universitätsklinikum Bonn weiter ausbauen. Derzeit lassen etwa 130 Betroffene pro Jahr an der Klinik für Epileptologie prüfen, ob die Epilepsie durch einen neurochirurgischen Eingriff geheilt werden kann. Künftig soll dieses Angebot auch für Betroffene mit Epilepsien durch komplexe Hirnaufbaustörungen offen sein. In der Klinik für Epileptologie können derzeit an zehn Plätzen durch Messung der elektrischen Hirnaktivität bei gleichzeitiger Video-Aufzeichnung unerlässliche Informationen über die Symptome der Anfälle und den Anfallsherd gewonnen werden. Die Monitoring-Einheit ist aber auch eine einzigartige Plattform für die Hirnforschung. Denn die während einer prächirurgischen Diagnostik gewonnen EEG-Daten werden in Bonn unter anderem zur Analyse kognitiver Leistungen und zur Gedächtnisforschung genutzt. „Meine Kollegen können so direkt am Gehirn arbeiten, und das geht nur an Orten wie diesem. Es gibt weltweit nur wenige Standorte, an denen Kognitionsforschung dieser Art auf diesem Niveau betrieben wird“, sagte Surges, der die damit befassten Arbeitsgruppen an seiner Klinik weiterhin unterstützen und fördern wird. „Digitale Medizin ist in der Epileptologie angekommen“ „Wir schätzen, dass die Patienten sich nur an rund die Hälfte ihrer Anfälle erinnern beziehungsweise in einem Anfallskalender dokumentieren. Die Angabe der Anfallshäufigkeit ist aber Grundlage der Behandlungsempfehlungen bei Epilepsien“, sagte Surges. Er ist überzeugt, dass künftig alltagstaugliche mobile Gesundheitstechnologien die Anfallsdokumentation verbessern können. Daher erforscht er physiologische Biomarker wie Herzrate, elektrischer Hautwiderstand und Bewegungsmuster, die im epileptischen Anfall mit charakteristischen Veränderungen einhergehen. Solche Veränderungen, wie ein beschleunigter Puls, können mit tragbaren Minisensoren, sogenannte Wearables, gemessen und entsprechende Signale beispielsweise per Smartphone an eine webbasierte Plattform weitergeben werden. „Langfristig gesehen könnte mit mobilen Gesundheitstechnologien ein zuverlässiges Therapiemonitoring erfolgen und sogar ein telemedizinisches Versorgungsangebot entstehen“, ist Surges optimistisch.
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