Rasche Abnahme der Ein-Sekunden-Kapazität und Lungenkrebs: Studie ergibt möglichen Nutzen als Biomarker28. Oktober 2022 SEOUL (Biermann) – Eine koreanische Arbeitsgruppe glaubt, in einer Untersuchung von 8549 Personen ein potenzielles Warnsignal für die Entstehung von Lungenkrebs entdeckt zu haben: die Rate, mit der die 1-Sekunden-Kapazität (FEV1) abnimmt. Es müsse aber weiter in dieser Richtung geforscht werden, um festzustellen, ob ein rascher FEV1-Abfall bei betroffenen Patienten eine Lungenuntersuchung bzw. die Einbeziehung in ein Lungenkrebs-Screening rechtfertige. Es sei bekannt, so schreiben die Studienautoren, dass eine eingeschränkte Lungenfunktion mit einem höheren Risiko für Lungenkrebs verbunden ist, doch handele es sich bei der Lungenfunktion um eine dynamische Variable, die über einen längeren Zeitraum evaluiert werden müsse. Die Wissenschaftler führten daher eine beobachtende Längsschnittstudie durch, für die sie epidemiologische Daten aus 2 bevölkerungsbezogenen Studien heranzogen. Diese waren in den Jahren 2001–2019 alle 2 Jahre in Südkorea untersucht worden. Für die Analyse infrage kommende Probanden waren 40–69 Jahre alt. Bei jeder Nachuntersuchung wurde eine Spirometrie durchgeführt. Von einer raschen Abnahme ging man bei einem FEV1-Abfall von >60 ml pro Jahr aus. Die Beziehung zwischen Lungenkrebs und einer raschen FEV1-Abnahme bewerteten die Forschenden unter Verwendung angepasster Cox-Regressionsmodelle mit Kovariaten, einschließlich Alter, Geschlecht, Raucheranamnese, Verhältnis von FEV1 zu forcierte Vitalkapazität (FEV1/FVC) und Leukozytenzahl. Von 8549 Probanden sank bei 1287 (15,1 %) die FEV1 rasch und 48 (0,6 %) wiesen ein Lungenkarzinom auf, das sich neu entwickelt hatte. Das Lungenkrebsrisiko war erhöht bei Personen im Alter von ≥45 Jahren sowie bei Personen mit einem Zigarettenkonsum von ≥30 Packungsjahren, mit einem niedrigen FEV1/FVC-Ausgangswert, einem geringen forcierten exspiratorischen Fluss bei 25–75 % der Vitalkapazität sowie bei Personen mit einem raschen FEV1-Abfall und einer erhöhten Leukozytenzahl. Wie die Forschenden in der Zeitschrift „Chest“ berichten, erwies sich ein schneller FEV1-Abfall als ein unabhängiger Risikofaktor für die Entstehung von Lungenkrebs (adjustierte HR 2,34; 95 %-KI 1,28–4,28; p=0,006). Die Verbesserung der zeitabhängigen Nettoreklassifizierung ergab einen Vorteil der FEV1-Reduktionsrate bei der Bestimmung von Patienten mit Lungenkrebsrisiko, wenn sie als Ergänzung eines konventionellen Vorgehens diente (kategorisch 0,32; 95 %-KI 0,00–0,64; kontinuierlich 0,83; 95 %-KI 0,14–1,25). (ac) Autoren: Lee HW et al.Korrespondenz: Hyun Woo Lee; [email protected]Studie: Rapid FEV 1 Decline and Lung Cancer Incidence in South KoreaQuelle: Chest 2022;162(2):466–474.doi: 10.1016/j.chest.2022.03.018