Reduzierung des empfohlenen Alters für die Darmkrebsvorsorge in Kanada: Höhere Screening-Kosten, geringere Gesamtkosten für das Darmkrebs-Management

VANCOUVER (Biermann) – Lohnt es sich, das Alter für das Darmkrebs-Screening in Kanada herabzusetzen? Eine Studie mit Mikrosimulations­modellen ergab jetzt, dass dadurch die Last an Darmkrebs sinken und die Lebenserwartung der kanadischen Bevölkerung zu moderaten Kosten erhöht werden kann.

Veränderungen der Leitlinien, die ein ­früheres Darmkrebs-Screening in Kanada vorschlagen, könnten gerechtfertigt sein, bilanzieren Dr. Anastasia Kalyta von BC Cancer in Vancouver, Kanada, und ihre Kollegen. Allerdings sei eine Bewertung der daraus resultierenden Auswirkungen auf die Koloskopie-Kapazität erforderlich.

In ihrer Studie hatten die Autoren die Assoziation zwischen niedrigerem Einstiegsalter für das Screening mittels fäkalem immunchemischen Test (FIT) alle 2 Jahre und der Darmkrebs-Inzidenz, Mortalität und den Kosten für das Gesundheitssystem in Kanada abgeschätzt. Für ihr Mikrosimulationsmodell nutzten sie die Plattform OncoSim.

Ihre Analyse umfasste 4 für die Bevölkerung repräsentative Geburtskohorten (1973–1977, 1978–1982, 1983–1987 und 1988–1992), um zuvor dokumentierte Auswirkungen der zunehmenden CRC-Inzidenz in jüngeren Geburtskohorten zu berücksichtigen. Der Beginn des Screenings mit 45 Jahren würde demnach über einen Zeitraum von 40 Jahren – vs. Screening ab 50 Jahren – zu netto 12.188 weniger CRC-Fällen, 5261 weniger CRC-Todesfällen und 92.112 zusätzlichen qualitätsadjustierten Lebensjahren (QALYs) für die Kohortenpopulation führen. Eine weitere Absenkung des Einstiegsalters auf 40 Jahre würde zu 18.135 weniger CRC-Fällen, 7988 weniger CRC-Todes­fällen und 150.373 QALYs führen.

Wie die Forscher berechneten, sanken die Kosten pro QALY bei jüngeren Geburtskohorten auf 762 US-Dollar pro QALY, wenn in den Jahren 1988–1992 geborene Kanadier mit dem Screening im Alter von 45 Jahren begannen bzw. auf 2622 US-Dollar pro QALY bei einem Einstiegs­alter von 40 Jahren. Doch auch wenn die mit dem Screening und den daraus resultierenden therapeutischen Interventionen verbundenen Kosten mit einem früheren Screening stiegen, sanken die Gesamtkosten des Gesundheitssystems für die Behandlung von Darmkrebs. (sf)

Autoren: Kalyta A et al.
Korrespondenz: Dr. Jonathan M. Loree; [email protected]
Studie: Association of Reducing the Recommended Colorectal Cancer Screening Age With Cancer Incidence, Mortality, and Costs in Canada Using OncoSim
Quelle: JAMA Oncol 2023;9(10):1432–1436. (open access)
Web: doi.org/10.1001/­jamaoncol.2023.2312