Registerergebnisse zur spontanen Koronararteriendissektion: Stentimplantation vermutlich nicht von Vorteil

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Die spontane Koronararteriendissektion ist eine häufige, jedoch selten diagnostizierte Ursache für Herzinfarkte bei jüngeren Frauen. Neue Ergebnisse aus einem prospektiven serbischen Register deuten darauf hin, dass die Implantation eines Stents bei vielen Patienten mit SCAD nicht vorteilhaft ist.

Die spontane Koronararteriendissektion (SCAD) ist ein Notfall, bei dem sich die innere Schicht einer Koronararterie von der äußeren Schicht ablöst. In der Regel bildet sich im äußeren Drittel der Tunica media durch die Ansammlung von Blut ein falsches Lumen, das das wahre Lumen des Blutgefäßes komprimiert und zu einem Myokardinfarkt führen kann. Die meisten von SCAD betroffenen Patienten sind gesunde Frauen mit wenigen traditionellen Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Unterdiagnostiziert und wenig erforscht

„SCAD galt als selten, aber das Bewusstsein für diese Erkrankung wächst. SCAD ist nach wie vor unterdiagnostiziert und wenig erforscht, und es gibt nur wenige, wenn überhaupt, randomisierte Studien, um die am besten geeignete Behandlungsmethode zu ermitteln“, erklärte die Prof. Svetlana Apostolović vom Universitätsklinikum Niš, Serbien. Apostolović ist Leiterin einer Studie, deren Ergebnisse letzte Woche auf dem ersten EAPCI-Summit 2026 in München vorgestellt wurden. Dabei handelt es sich um eine neue Veranstaltung, die von der European Association of Percutaneous Cardiovascular Interventions (EAPCI), einer Vereinigung der European Society of Cardiology (ESC), organisiert wird.

„Die Mechanismen, die für einen Myokardinfarkt nach SCAD verantwortlich sind, unterscheiden sich stark von denen, die durch Atherosklerose verursacht werden – und dennoch werden sie oft auf die gleiche Weise behandelt“, betont Apostolović. Um mehr über die Erkrankung, deren Behandlungsmethoden und damit einhergehende Ergebnisse zu erfahren sowie Wissenslücken über Patienten aus osteuropäischen Ländern zu schließen, haben Medizinerinnen und Mediziner aus Serbien daher ein nationales prospektives Register eingerichtet. Erste, bislang unveröffentlichte Erkenntnisse daraus präsentierte Apostolović auf dem EAPCI-Summit 2026.

Ergebnisse des nationalen Registers

Die Analyse umfasste 123 Patienten aus 14 auf interventionelle Kardiologie spezialisierten Zentren (November 2021 bis November 2024). 27 Patienten wurden retrospektiv und 96 prospektiv untersucht. Bei 26,0 Prozent der Patienten erfolgte die SCAD-Diagnose mithilfe intrakoronarer Bildgebungsverfahren.

Die Mehrheit der inkludierten Personen waren Frauen (85,4 %), das Durchschnittsalter betrug 47,5 Jahre. Insgesamt waren 6,7 Prozent der Patienten schwanger oder befanden sich in der postpartalen Phase, während 36,2 Prozent in den Wechseljahren waren. Die häufigsten Risikofaktoren waren Bluthochdruck (49,6 %) und Dyslipidämie (46,3 %). Soweit bekannt, waren die häufigsten auslösenden Faktoren psychischer (38,5 %) und körperlicher Stress (10,7 %).

Bei 41,5 Prozent der Patienten wurde eine perkutane Koronarintervention (PCI) durchgeführt, wobei bei 28,5 Prozent aller Patienten ein Stent implantiert wurde. Den übrigen Patienten (58,5 %) wurde ausschließlich eine medikamentöse Therapie zuteil. Insgesamt erhielten mehr als die Hälfte der Patienten eine duale Thrombozytenaggregationshemmung (58,5 %) und niedermolekulares Heparin (56,9 %).

Während des Krankenhausaufenthaltes kam es bei 23,6 Prozent der Patienten zu einem schwerwiegenden kardiovaskulären Ereignis (MACE: wiederkehrender Myokardinfarkt, hämodynamische Instabilität, maligne Arrhythmie, kongestive Herzinsuffizienz, ungeplante Revaskularisation oder zerebrovaskuläres Ereignis) und 8,1 Prozent aller Patienten verstarben.

In den 30 Tagen nach dem Krankenhausaufenthalt erlitten 18,1 Prozent der Patienten ein MACE und 0,8 Prozent verstarben. Unabhängige Prädiktoren für ein MACE waren unter anderem die Implantation eines Stents (p=0,010) und Depressionen (p=0,008).

Eine vollständige Auflösung der SCAD nach 30 Tagen wurde bei 62,2 Prozent der Patienten beobachtet.

ESC: Multinationales SCAD-Register im Aufbau

„SCAD trat am häufigsten bei nicht schwangeren jungen Frauen und Frauen in den Wechseljahren auf, wobei sich die intrakoronare Bildgebung als besonders nützlich für eine genaue Diagnose erwies. SCAD löste sich oft vollständig auf, und eine Stentimplantation war bei der Mehrheit der Patienten nicht von Vorteil“, fasst Apostolović zusammen.

Ihrer Ansicht nach kann eine sorgfältige Beobachtung in Verbindung mit Betablockern, blutdrucksenkenden Medikamenten, kardiologischer Rehabilitation und psychologischer Unterstützung die Ergebnisse verbessern und die Auswirkungen auf das tägliche Leben der Patientinnen verringern. Jedoch seien weitere Studien und Versuche erforderlich.

Unter dem Dach der ESC befindet sich derzeit ein großes multinationales SCAD-Register im Aufbau. Dieses soll weitere Erkenntnisse zu Epidemiologie, Erscheinungsbild, Behandlung und Ergebnissen der seltenen aber gefährlichen Erkrankung der Herzkranzgefäße liefern.

(ah/BIERMANN)