Reha-Branche massiv unter Druck5. August 2022 Foto: auremar – stock.adobe.com Die Deutsche Gesellschaft für Medizinische Rehabilitation (DEGEMED) sieht verschiedene Risiken für die Einrichtungen und warnt vor Versorgungsengpässen. Die medizinische Reha-Branche steht nach Angaben des Spitzenverbandes der Medizinischen Rehabilitation in diesem Sommer unter massivem Druck. Die anhaltende Corona-Pandemie führe zu einem hohen Krankenstand bei den Beschäftigten in den mehr als 1000 Einrichtungen in Deutschland. Die Kliniken hätten es dadurch deutlich schwerer, die anspruchsvolle Regelversorgung und die häufig komplexen Behandlungsprogramme für die Patienten sicherzustellen. Gleichzeitig müssten die Einrichtungen die umfangreichen Maßnahmen aufrechterhalten, mit denen sie seit zwei Jahren Infektionsrisiken vermeiden, beklagt die DEGMED. “Bis zur Jahresmitte haben die Kostenträger den Mehraufwand für diese Maßnahmen über Zuschläge finanziert. Seit einem Monat erhalten die Einrichtungen dafür aber keine Kompensation mehr. Sie halten dennoch an den Maßnahmen fest, um die Sicherheit für Patienten und Beschäftigte nicht aufs Spiel zu setzen und Ansteckungen und Corona-Ausbrüche zu verhindern”, erläutert der Spitzenverband und appelliert an Politik und Kostenträger, die Einrichtungen nicht allein zu lassen und Zuschläge und Schutzschirme so schnell wie möglich zu reaktivieren. Der Infektionsschutz in Gesundheitseinrichtungen, also der Schutz vulnerabler Gruppen und der Arbeitsschutz des Gesundheitspersonals müsse in einer Pandemie an erster Stelle stehen, um die Bevölkerung zu schützen. Die DEGMED hält die Fortführung des pandemiebedingten Infektionsschutzes für unumgänglich, betont jedoch, dass Bevölkerungsschutz eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe sei und die Kosten dafür dürfen nicht einseitig den Gesundheitseinrichtungen aufgebürdet werden. “Der Wegfall der Zuschläge ist durch nichts zu rechtfertigen.” beurteilt DEGEMED-Geschäftsführer Christof Lawall die Lage in den Kliniken. “Dadurch werden die Einrichtungen wirtschaftlich zusätzlich enorm belastet. Die zwei Pandemiejahre haben in der gesamten Branche bereits deutliche Spuren hinterlassen. Die fehlenden Zuschläge verschlechtern die Lage der Kliniken deutlich, obwohl die Patientenzahlen wieder steigen. Gleichzeitig haben wir mit Post- und Long COVID ein neues Erkrankungsbild in der Reha, bei dem die Behandlung erheblich länger dauern kann und viel schwieriger ist.” DEGEMED fordert eine Anpassung der Vergütungen an die reale Kostensituation Die Reha-Branche leidet nach Angaben des Spitzenverbandes außerdem unter dem starken Anstieg der Energiekosten in den letzten Monaten. “Die Kostenträger verhandeln die Vergütungen regelmäßig für ein Jahr. Sie gehen dabei von einer relativen Preisstabilität bei Sach- und Personalkosten aus und passen die Vergütungen regelmäßig nur geringfügig an.” erläutert Lawall. “Aktuell haben wir aber eine Inflation von acht Prozent und bei den Gaspreisen teilweise eine Verfünffachung der Einkaufspreise für Klinikunternehmen. Diese Kostensteigerungen waren zu Jahresbeginn nicht einkalkuliert.” Die DEGEMED fordere daher eine unterjährige Anpassung der Vergütungen an die reale Kostensituation. “Alternativ können die Kostenträger auch mit Zuschlägen helfen. Pauschale Zuschläge sind schnell und unbürokratisch”, empfiehlt Lawall. “Wichtig ist aber vor allem, dass Politik und Kostenträger schnell und entschlossen handeln. Sonst drohen Versorgungsengpässe im kommenden Pandemieherbst”, warnt er.
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