Reizdarm: Gemeinsame genetische Pfade mit Angststörungen aufgedeckt2. März 2022 © Studio Romantic – stock.adobe.com (Symbolbild) Das Reizdarmsyndrom (IBS) resultiert aus einer gestörten Interaktion zwischen Gehirn und Darm. Die Identifizierung von Anfälligkeitsgenen könnte diesbezüglich vielleicht die zugrunde liegenden pathophysiologischen Mechanismen aufzeigen. Der Doktorand Chris Eijsbouts von der University of Oxford (Großbritannien) und seine Kollegen entwarfen für ihre Studie zunächst einen Fragebogen zur Verdauungsgesundheit für die UK Biobank. Die dadurch identifizierten IBS-Fälle kombinierten sie mit unabhängigen Kohorten. Die Forscher fanden und bestätigten so 6 Genloci für die IBS-Anfälligkeit. Die Wissenschaftler führten eine genomweite Assoziationsstudie mit 53.400 IBS-Fällen und 433.201 Kontrollen durch. Daraufhin replizierten sie signifikante Assoziationen mit einem genetischen Panel des US-amerikanischen Unternehmens 23andMe (205.252 Fälle und 1.384.055 Kontrollen). Zu den am IBS beteiligten Genen gehörten NCAM1, CADM2, PHF2/FAM120A, DOCK9, CKAP2/TPTE2P3 und BAG6. Die ersten 4 dieser Gene sind mit Stimmungs- und Angststörungen verbunden und werden im Nervensystem exprimiert. Dementsprechend fanden die Forscher auch eine starke genomweite Korrelation zwischen dem IBS-Risiko und Angst, Neurotizismus und Depression (rg>0,5). Zusätzliche Analysen legten außerdem nahe, dass die gefundene Korrelation eher auf gemeinsame pathogene Pfade zurückzuführen ist als beispielsweise auf Angst, die abdominale Symptome verursacht. Fazit Die Forscher fanden eine starke genomweite Korrelation zwischen dem IBS-Risiko und Angst, Neurotizismus und Depression. Die implizierten Mechanismen erfordern den Autoren zufolge allerdings noch weitere Untersuchungen, um die dem IBS zugrunde liegenden veränderten Gehirn-Darm-Interaktionen vollständig verstehen zu können. (sh) Autoren: Eijsbouts C et al. Korrespondenz: Miles Parkes; [email protected] Studie: Genome-wide analysis of 53,400 people with irritable bowel syndrome highlights shared genetic pathways with mood and anxiety disorders Quelle: Nat Genet 2021;53(11):1543–1552. Web: https://doi.org/10.1038/s41588-021-00950-8
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