Reizdarmsyndrom bei Jugendlichen: Häufig kein Problem mehr im Erwachsenenalter2. Februar 2026 Foto: © Liubomir/stock.adobe.com Zwei von drei Jugendlichen mit Reizdarmsyndrom (RDS) überwinden die Erkrankung, bevor sie erwachsen sind. Das geht aus einer Langzeitstudie hervor, an der mehr als 2500 Personen teilnahmen. Laut den Autoren der Arbeit gibt es verschiedene beeinflussbare Faktoren in der Adoleszenz, die das Risiko für ein RDS im Erwachsenenalter erhöhen. Zwar nehme man an, dass Faktoren in der frühen Kindheit eine Rolle bei der Entstehung der Erkrankung spielen, diese sind jedoch bisher wenig erforscht. Dies betreffe vor allem den Übergang von der Adoleszenz ins Erwachsenenalter, merken die Wissenschaftler an. Auswertung der BAMSE-Kohorte Die nun im Journal „Gastroenterology“ publizierte Arbeit basiert auf der schwedischen Bevölkerungsstudie BAMSE am Karolinska Institutet (Schweden). Sie umfasste 2539 Personen, die in den 1990er-Jahren geboren worden waren. Alle wurden im Alter von 16 und 24 Jahren anhand eines international etablierten Bewertungsmodells auf mögliche RDS-Symptome hin untersucht. Die aktuelle Auswertung zeigt nun, dass der stärkste Risikofaktor für ein RDS im Alter von 24 Jahren eine Erkrankung im Alter von 16 Jahren ist. Gleichzeitig beurteilen die Forschenden vom Karolinska Institutet und der Universität Göteborg (ebenfalls Schweden) die Prognose als relativ gut: Zwei von drei 16-Jährigen mit RDS erfüllen laut ihren Beobachtungen die RDS-Kriterien bis zum Alter von 24 Jahren nicht mehr. Risikofaktoren für ein RDS bis ins Erwachsenenalter „Unsere Ergebnisse zeigen, dass das RDS in der Adoleszenz kein statischer Zustand ist“, berichtet Jessica Sjölund. Die Studienautorin ist Gastroenterologin an der Sahlgrenska Akademie der Universität Göteborg. „Bei vielen Betroffenen bessern sich die Symptome mit der Zeit. Gleichzeitig können wir nun diejenigen besser identifizieren, die ein höheres Risiko für anhaltende Probleme besitzen.“ Neben einem RDS in der Adoleszenz wurden weitere Faktoren identifiziert, die das Risiko für ein RDS im Alter von 24 Jahren erhöhen. Dazu gehören wiederkehrende Schmerzen im Abdomen und psychischer Stress. Auch eine geringere subjektive Einschätzung der eigenen Gesundheit, Schlafmangel und Nahrungsmittelunverträglichkeiten spielen eine Rolle. Ein starker Risikofaktor für das Fortbestehen des RDS zwischen dem 16. und dem 24. Lebensjahr bestand in der Studie im Vorliegen eines RDS bei mindestens einem Elternteil. Möglichkeiten für Präventionsstrategien erkannt „Der generationsübergreifende Zusammenhang deutet darauf hin, dass sowohl genetische Faktoren als auch gemeinsame Umwelt- und Verhaltensmuster eine Rolle spielen“, ergänzt Ola Olén, Fachärztin für pädiatrische Gastroenterologie und außerordentliche Professorin am Karolinska Institutet. „Dies eröffnet auch Möglichkeiten für präventive Strategien, die sich an Familien richten, in denen ein RDS bereits aufgetreten ist.“ Die Autoren der Studie betonen die klinische Relevanz der Ergebnisse, da einige der identifizierten Risikofaktoren beeinflussbar sind. Magnus Simrén ist Facharzt und Professor für Gastroenterologie an der Sahlgrenska Akademie der Universität Göteborg und erklärt: „Frühe Interventionen im Jugendalter in Bezug auf Schlaf, psychisches Wohlbefinden und Magen-Darm-Erkrankungen sowie Interventionen, die sich an Familien mit gehäuft auftretendem RDS richten, könnten das Risiko langfristiger Symptome im späteren Leben verringern.“ (ac) Auch interessant zum Thema Reizdarmsyndrom: Reizdarm: Ernährungstagebücher offenbaren ungünstige Ernährungsprofile
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